Category: Etüden

The world

Ausschnitt aus einer Keramik

Für eine Woche stehen Christianes Extraetüden an.
5 von 6 vorgegebenen Worten sind in einem Text von max. 500 Worten zu verwenden.
Die Wortspenden sind:

Zetermordio, weichmütig, backen
Lautsprecher, orange (NICHT die Frucht, die Farbe), erschüttern

*


Die Zeit, in der man lebt, kann man sich nicht backen.
Es gab mal eine Zeit, so versicherte mir ein älterer Einheimischer, da verliesen Einwohner einer nahen Siedlung nie ihr Dorf. Ob sie überhaupt von Würzburg wussten, das nur 40 km entfernt war?!

Es gab keine Veranlassung dazu, das Dorf zu verlassen. Zetermordio schrie da nemand über das Gleichgestrickte eines jeden Tags. Vermutlich kannten sie Monotonie überhaupt nicht. Zumindest nicht so wie wir.

Als kleiner Junge besuchte ich mal den Cousin meines Vaters in den Sommerferien auf seinem Hof nahe Würzburg. Da wurde tagsüber gearbeitet, von sehr früh an. Zwar gab es einen TV, der war aber kaum an.
Ich schnitze damals viel an den Abfällen seiner Holzmühle herum. Das war spannend. Wie weich das Holz war! Es gab auch kleine Bächlein in der Nähe.

Erschüttert erfuhr ich vor vielen Jahren, daß es diesen Hof gar nicht mehr gibt. Der weichmütige Sohn starb sehr früh. Und das Gut, das danach zu einem Schullandheim wurde, brannte völlig ab.
Nichts ist also mehr vorhanden.

Das war auch die Zeit, in der ich mit meinem Vater erstmals in Würzburg war, zu welchem Zweck, das weiß ich nicht mehr.
Ich sah ein orangenes Auto, daß er als gelb korrigierte. Oder umgedreht.
Da lernte ich, daß ich einen deftigen Mangel besaß. Ich wusste ja damals nichts von Rotgrünschwäche.

Mein altes Dorf war zweigeteilt: Der Teil vor der Kirche und danach. Von dem unteren Teil hatte ich kaum eine Ahnung. Nur in meinen Träumen war dieser Teil lebendig, aber oft dunkel und angstmachend.
Einen solchen Traum beschrieb ich mal in einem Aufsatz. Die kafkaeske Schilderung gefiel dem Lehrer vorzüglich.
All diese Aufsätze sind verloren. Ich hätte sie mir vermutlich besorgen sollen.

Kovan

Mistbiene aus dem Sommer, keine echte, sondern eine Schwebfliegenart…

Für eine Woche stehen Christianes Extraetüden an.
5 von 6 vorgegebenen Worten sind in einem Text von max. 500 Worten zu verwenden.
Die Wortspenden sind:

Zetermordio, weichmütig, backen
Lautsprecher, orange (NICHT die Frucht, die Farbe), erschüttern

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Im türkischen Film Kovan wird die Geschichte der weichmütigen Ayse erzählt. Sie reist aus Deutschland zu ihrer sterbenskranken Mutter in die Ostürkei, in eine wundervolle, traumhafte Bergwelt.


Ihre Mutter hat den Wunsch, daß die Tochter ihre Bienenstöcke übernimmt.
Zaghaft setzt sie sich mit diesem Gedanken auseinander.
Da sie gar nichts über Bienenpflege weiß, lässt sie sich von einem Vertrauten seiner Mutter einweisen.


Manche Maßnahmen scheinen ihr suspekt, etwa nur kaukasische Bienenköniginnen für den Aufbau eines neuen Schwarms zu verwenden. Oder eine orangene Farbe für einen Kasten nicht verwenden zu dürfen.
Sie stösst auch auf manchen Aberglauben, den sie vornehmlich bei Gesprächen belauscht. Aber auch auf einen jungen Naturpfleger, der das Leben hier als viel gewinnbringender ansieht wie das Leben in Istanbul.

Durch bald eigenmächtige Maßnahmen zerstört sie einiges. Das Töten eines Bären verursacht Zetermordio im Dorf, aber da weiß man noch nicht, daß sie es war.
Manche Einsichten dort in dieser Gegend waren, so stellt es sich heraus, eben nicht nur Aberglaube. Sondern waren im Grunde nicht zu hinterfragen, da sie zur Gegend gehörten.
Erschüttert ob ihrer Wirkung will sie nach Deutschland zurück.
Beim Abfahren zum Flughafen wird sie aufgehalten: Ihre fälschlich eingesetzte neue Königin hatte dennoch einen neuen Schwarm erzeugt.
Wie durch Lautsprecher wurde diese unglaubliche Fügung publik.
Jemand, dem sie Schaden zugefügt hatte, verzieh ihr zudem, weil er dadurch auch einiges gelernt hatte.

Im Grunde war das hier ein Ort, an dem sie ihr bisheriges Leben auf ganz neue und wirksame Weise entfalten konnte. Und deshalb blieb sie.

Wie immer zeichnete ich neben dem Film:

Rebekkas 17. Geburtstag

Ausschnitt aus Keramik

Für eine Woche stehen Christianes Extraetüden an.
5 von 6 vorgegebenen Worten sind in einem Text von max. 500 Worten zu verwenden.
Die Wortspenden sind:

Zetermordio, weichmütig, backen
Lautsprecher, orange (NICHT die Frucht, die Farbe), erschüttern

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Triggerwarnung: Hier geht es um einen Tod eines Jugendlichen.

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Der Film Albträumer handelt von der weichmütigen Rebekka, die mit ihren wohlhabenden Eltern ihren 17. Geburtstag vorbereitet.
In diesen Tagen gedenkt man auch ihres Bruders, der vor 2 Jahren in ihrem Alter tödlich verunglückt ist.
Vincent, der mit dem Bruder zusammen gewesen war, stört die Familienfeier.
Rebekka stellt ihn, spürt daß hinter seiner grell-schrillen Fassade mehr ist.
Sie versucht ihn heimlich zu besuchen, aber aus seinem Fenster klingt es wie Zetermordio, Metal mit den Lautsprechern auf Höchststand.

Bald später treffen sich doch die zwei. In einem dunklen Verlies, wo Vincent und Rebekkas Bruder oft hausten, entdeckte sie auf Fotos, daß ihr Bruder homiphil war. Sie erschüttert das nicht, obwohl sie nichts davon geahnt hatte.
Ihr Vater gibt dann zu, daß er davon gewusst hatte.

Die Zeichnungen ihres Bruders in einem gefundenen Notizbuch waren tiefschwarz, da gab es keine Farben, kein Orange, kein Grün, kein Blau.

Im Verlauf der Geschichte verliebt sich Rebekka in Vincent und kommt so den Hintergründen des Unfalls näher.
Es stellt sich heraus, daß alle ihren Anteil hatten, aber dies vor sich bisher nicht (an)erkennen wollten.
Und das setzt jetzt ein, peu a peu, jeder für sich.

Höchstnote 5, ein eindringlicher Film.
Die Schauspieler waren recht überzeugend:
Vincent wird gespielt von einem jungen Mann, der an Kinski erinnert.
Rebekka, überaus zart und fein, entwickelt sich zu einer sehr unbequemen Tochter.

Alte Schauspieler

Für eine Woche stehen Christianes Extraetüden an.
5 von 6 vorgegebenen Worten sind in einem Text von max. 500 Worten zu verwenden.
Die Wortspenden sind:

Zetermordio, weichmütig, backen
Lautsprecher, orange (NICHT die Frucht, die Farbe), erschüttern

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Im Film “Winterreise” mit Bruno Ganz wurden alte Filmschnipsel verwendet. Dabei nicht nur vom Auftreten der NS-Grössen, sondern auch Strassenszenen und Theaterstücke der 30er und 40er.

Es wurden sehr kurz Szenen gezeigt, die das Treiben im “Jüdischen Kulturbund” illustrieren sollten. Diese Filmausschnitte waren ohne Farbe, also kein orange, blau oder rot, sondern nur in gebleichtem Schwarzweiß.
Dennoch erkannte ich im Nu in einem Kulissenschieber einen Schauspieler, den ich ewig nicht mehr gesehen hatte. Es war ein dicker und weichmütiger Schauspieler , der wie ein Lautsprecher Regieanweisungen gab. Sofort fiel mir ein “Standfoto” von einem TV-Stück ein, so als hätte ich dieses erst kürzlich gesehen.
Den Namen des Schauspielers erinnerte ich natürlich nicht.

Nach dem Film suchte ich in irgendwelchen Übersichten nach ihm. Das war ziemlich chancenlos, denn er war kein Star. Da konnte ich fast Zetermordio schreien, da gab es kein Vorwärtskommen.
Mehr Informationen konnte ich mir auch nicht backen, ich musste es darauf beruhen lassen.

Ich muß zu allem erklären, daß ich grundsätzlich Schauspielern der alten Garde zugeneigt bin, weil ich deren Spielkunst schätzen gelernt hatte. Sie gehörten auch quasi zum Inventar, man sah sie relativ häufig am Bildschirm.

Letzte Nacht, kurz vor dem Zubettgehen, fiel mir plötzlich der Name des Schauspielers ein. Ganz ohne mein Zutun. Plötzlich war der Nachname da! Ich notierte ihn schnell in einem Notizblock im Wohnzimmer.

Und heute schreibe ich von diesem Vorfall 🙂