Wenn ich mich im Aktzeichnen schwer tue (etwa bei knackigen Verkürzungen), dann kann es passieren, daß man während des Tuns unzufrieden wird.
Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, am nächsten Tag Wundversorgung zu betreiben.

***

Ich schaue mir die jeweilige Zeichnung an, fahre bestimmte Linien nach.
Da ich während des Zeichnens nicht radiere (keine Zeit), baue ich im Aktzeichnen eine richtige Linie neben der zuerst gezeichneten. Diese weicht oft nur wenig ab.
Die ursprüngliche wird dann zuhause ausradiert.
Allzuoft passiert das nicht, Gottseidank.
Ich verstärke zuhause gerne bestimmte Parts von Linien – oder lasse das Ganze einfach so stehen, wenn die Zeichnung im Groben stimmig war.
Wundversorgung bedeutet also, daß ich etwaige “Wunden” von Zeichnungen zuhause ausmerze (sofern dies nicht Neukonzeption einer Zeichnung umfassen würde, dann werfe ich das Blatt weg).
Zudem schliesse ich dabei etwaige “Wunden”, die mir sagen könnten, daß ich ein ungenügender Zeichner bin. Während dem Zeichnen kann einem manchmal das Gefühl überkommen.
Ich denke, das ist wichtig. Ich brauche Selbstdiffamierung nicht, sondern mache munter weiter.
Manchmal schaut man bei anderen Zeichnern nach der Session Resultate an. Man (oder ich) loben die gelungenen, die weniger gelungenen spricht man nicht an.
Tips gibt man nicht ungefragt.
Zum einen, weil das verletzen kann.
Zum zweiten, weil ein jeder ganz anders, mit anderer Technik herangeht.






