Verwirrende Bläue

Blaul4nn

Der Hauhechel-Bläuling ist selten mit aufgefalteten Flügeln zu beobachten. Nur im Flug zeigt er gewöhnlich sein magisches Blau.
Nahe kommen kann man ihm ja auch nicht gerade.

Deshalb bin ich froh, gleich zwei von ihnen nahe gekommen zu sein.

Mir zuliebe oder sich zuliebe – das ist hier die Frage?!

Stetes Herumschleichen in der Natur gewährt eben mal solche Momente. 🙂

Schönen Montag Euch!

 

Thomas Girst – Alle Zeit der Welt

Als ich unlängst ein bestelltes Buch abholte, suchte ich mir ein zweites in den Beständen der kleinen lokalen Buchhandlung aus. So mache ich es fast immer.

Ich griff mir ein philosophisches Bändchen von Thomas Girst.

In 28 Betrachtungen schildert er den Umgang der Menschen mit Zeit.

Den Anfang macht der Briefträger Cheval, der “10000 Tage, 93000 Stunden, 33 Jahre Anstrengung” in den “Palais idéal” , einen surrealen Palast, , steckteden er in seinem ehemaligen Gemüsegarten errichtet hatte.
Von Menschen, die Zeitkapseln hinterliessen, deren Öffnung zu einem gegebenen Zeitpunkt in der Zukunft stattfinden soll, berichtet er später.

Ewig lange Musikstücke (John Cage) und ewig zäh verlaufende Prozesse wie sich loslösende Pechtropfen aus einer Masse Pech finden ihre Erwähnung im Buch.

Dauer und Vergänglichkeit, das “Aroma der Zeit”, die Ästhetik von Abnutzungsspuren, all diese Qualitäten mäandern durch das Buch.

Die Rede ist auch von Schriftstellern wie Hölderlin, Marcel Proust und Robert Walser, die die letzten Jahre bzw. Jahrzehnte ihres Lebens völlig dem Schreiben widmeten, dabei in absoluter Klausur. Walser mutmasst dabei über die Empfindungen Hölderlins:

Alle Wünsche schlafen ein wie vom Spielen müde gewordene Kinder.

Unentschlüsselte Schriften und Unsagbares findet Platz im Buch, bevor Girst zum Schluß auf Unvollendetes zu sprechen kommt. Dessen Existenz schon in einem Zitat von Maurice Maeterlincks deutlich anklingt:

Sobald wir etwas aussprechen, entwerten wir es seltsam. Wir glauben in die Tiefe der Abgründe hinabgetaucht zu sein, und wenn wir wieder an die Oberfläche kommen, gleicht der Wassertropfen an unseren bleichen Fingerspitzen nicht mehr dem Meere, dem er entstammt. Wir wähnen eine Schatzgrube wunderbarer Schätze entdeckt zu haben, und wenn wir wieder ans Tageslicht kommen, haben wir nur falsche Steine und Glasscherben mitgebracht; und trotzdem schimmert der Schatz im Finstern unverändert.
Dieses Buch stellt eine feine, geistige Reise dar. Und lädt ein, das eine oder andere dabei zu vertiefen.
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Und damit konnte ich auch nun preisgeben, über welche Buchseite die sehr eilige Platanen-Netzwanze in einem meiner letzten Beiträge huschte.

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Eiliger Gast mit Buch

Pnw

Auf Seite 73 eines Buchs, das ich gerade lese, krabbelte ein Tierchen eilig die Seite lang. Was war es? Um was handelte es sich hier?

Hier geht’s die Seiten bergab…DSC_0118nnn

Jetzt hat es das Tischholz erreicht.DSC_0161nnn

Aber was ist es?

Durch entspr. Suche kam ich drauf:

Die Platanen-Netzwanze.

Nie vorher gesehen. Aber im Mikrobereich begegnet man ja so manch Merkwürdigem. 🙂