Category: Kreatives sonst

Der Trude ihr Mann

Dies ist ein Artikel zu Christianes zweiter Schreib-Einladung.
Drei Worte müssen in einem Text mit max. 300 Worten verwendet werden.

Drache
edel
häkeln

Zerschlissen war er, der Drachen. Zuviel Wind, gar ein ganz garstiger!

Der Sepp hatte Hans gewarnt: “Da geht man nicht raus! Zuviel Wind! Da lässt man keinen Drachen steigen!”

Geglaubt hatte Hans dem Sepp nicht, dem Pedanten: “Der häkelt doch nur von früh bis spät Socken. Wieso auf so einen hören?”

Sepps Frau Trude hatte Sepp, ihrem Mann, den Auftrag zum Häkeln gegeben. Sepps Socken hatten nämlich gerne Löcher, weil er immer vergaß, seine Zehnägel zu schneiden. Immer und immerzu vergaß er das. Wollte nicht, konnte nicht.
Also, weil er da nicht zu belehren war, verordnete Trude ihm das Häkeln. Täglich!

Da Sepp von edlem Gemüt war, ordnete er sich unter und häkelte, sogar auf Vorrat.
Es war auch besser so. Trude wusste, was zu tun ist. Da passte er sich gerne an.

Andere sagten, er stünde unter Trudes Pantoffel.
Wenn er so etwas hörte, wurde er regelrecht ungehalten: “Meine Frau trägt keine Pantoffel!!”.

Nein, auf Trude lies er nichts kommen. Auf SEINE Trude, mit der er doch so lange eine harmonische Ehe führte.

“Was wissen Die?! Was?! Nix wissen die! Sowas von nix!” So sah man ihn oft monologieren, wenn er in seinen freien Stunden durch den Schnee stapfte.

Tagesgedanken I

Mit “Tagesgedanken” möchte ich eine Reihe beginnen,
in der ich Aufgeschnapptes/Angedachtes zum Besten gebe.

Deutsche Redewendungen können eine Fundgrube sein.

Hier sind wir am Arsch der Welt“, sagte eine Frau für mich hörbar zu ihrem Mann in einem Urlaubsdomizil.
Ich war an diesem Domizil zweimal gewesen, dieses Etikett hatte es nicht verdient.

Brotlose Kunst“, so bezeichnete ein Mann, vor mir sitzend, eine abendliche Kleinkunst-Darbietung, in einem anderen Urlaubsdomizil. Ich sagte daraufhin laut “Weltklasse!”.
Die Darbietung war altbackene Kleinkunst gewesen, aber mir gerade deshalb wertvoll.

Der Höllenritt

Dies ist ein Artikel zu Christianes zweiter Schreib-Einladung.
Drei Worte müssen in einem Text mit max. 300 Worten verwendet werden.

Drache
edel
häkeln

Vor vielen Jahren war ich in Los Angeles, in einem der dortigen Vergnügungsparks.

Damals waren die dortigen Attraktionen für mich noch ganz neu. Eine solche war eine virtuelle Schreckensfahrt. Ich hatte Lust dazu.

Zwar stand draussen gut lesbar, daß man es nicht mitmachen sollte, wenn man ängstlich sei. Aber ich dachte, das sei reichlich übertrieben.

Man stieg in eine edle Kabine, die wohl für 6 Leute Platz hatte. Das Licht ging aus und die anfängliche Fahrt führte durch eine Art Park-Gelände, bis plötzlich die Fahrt senkrecht runter in einen Canyon führte, sozusagen in die Unterwelt. Dort tauchten allerlei Schreckensgestalten auf, Drachen, Echsen, wer weiß nicht was. Ich hielt ziemlich bald meinen gehäkelten Pullover hoch, ich wollte nichts sehen. Mir wurde richtig übel. Ich betete, daß bald alles vorbei ist.
Schnell vorbei war es jedenfalls nicht! Mir schlotterten doch etwas die Knie, als ich die Kabine verlies.

Viele Jahre später versuchte ich solch eine Schreckensfahrt auf einem Rummel erneut, aber das Ergebnis war dasselbe.
Ich konnte es nicht aushalten und schloss meine Augen schon recht früh. Daß ich mich dabei nicht übergeben habe, war ein Wunder.

Offenbar also nichts für mich!

Was mich zur Frage führt: Was gilt es erlebt zu haben, damit man mitreden kann?
So manche Leute erzählen von Grenzsituationen, die sie erlebt hatten. Von überaus exotischen Reisezielen oder auch von ungewöhnlicher Lebensform. Von allerlei Versuchen, mehr Lust zu erleben. Von magischen Retreats und dem Erleben von totalem Chaos.

Begnadete Schauspieler können bisweilen in diverse Rollen schlüpfen, vom dumpfen Menschen bis zum Philosoph, vom Lebemann bis zum verknöcherten Pedanten. Vielleicht können sie so einen Hauch des ihnen an sich Fremden empfinden. Und so das Spektrum des Menschseins ausloten.