Category: Kreatives sonst

Eine besondere Form der Demütigung/A special form of humiliation

 

English below:

Eine Geschichte, wie sie aktueller nicht sein kann:

Der katholische Pfarrer meiner Kindheit war eine wahre Schreckensgestalt!
Mir riss er einmal aus Wut während des Religionsunterrichts das Ohr ein!
Als meine brave Mutter sich daraufhin in einem Brief an ihn wandte (das fiel ihr sicherlich alles andere als leicht, da sie gläubig erzogen war ), suchte er sie sofort wutschnaubend auf, zwang sie, vor ihm niederzuknien und um Verzeihung für ihren Brief zu bitten!
Sie tat es, was blieb ihr übrig. Meine Mutter war ja schliesslich durch ihre Mutter, die zweimal täglich zur Kirche ging, geprägt.

Nachdem mein Vater über den Besuch des Pfarrers erfahren hatte, verbat sie ihm, um Vergeltung nachzusuchen.
Wenn du da hingehst, sind wir geschiedene Leut!“.
Mein Vater musste auf Rache verzichten, was ihm sicher sehr, sehr schwer fiel.

Von der Demütigung meiner braven Mutter durch den Pfarrer erfuhr ich erst viele Jahre später, als Erwachsener.  Ich weiß noch, wie da schäumende Wut in mir aufstieg. Doch ich war hilflos, denn der Pfarrer war längst gestorben.

The village pastor of my childhood was a tyrant, a true horror figure!
He once tore my ear out of anger over anything during religion lessons!
When my brave mother then moderately complained in a letter to him (the complaining was certainly anything but easy to her), he sought out her furious, forced her to kneel before him and ask for forgiveness for her letter!
She did that, of course, what was left to her. My mother was influenced by her deeply religious mother who went to church twice a day.

My mother now forbade my father, after he had learned about the pastor’s visit, to seek retribution.
“If you go there, we are divorced people!”.
My father had to renounce revenge, which was certainly very, very difficult for him.

From the humiliation of my brave mother by the pastor, I learned late as an adult. I still remember how foaming rage rose in me. But I was helpless, because the pastor had died long ago.

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Kugelfolgen

Eine Stele mit 16 aufeinanderfolgenden Keramikkugeln a 15 cm Durchmesser steht im Garten. Ich zeige hier mal 12 der direkt aufeinanderfolgenden Kugeln.


Ein Einzelbild als Abschluss.


Die Gesamtschau:

Links 14 der insgesamt 16 Kugeln auf einer Eisenstange aufgereiht

Horst sein Garten

Quelle: Pixabay, bearbeitet von Christiane

Für zwei weitere Wochen stehen Christianes neue Etüden an.
Die folgenden 3 Worte sind in einem Text von max. 300 Worten zu verwenden.
Die Wortspende ist diesmal von Puzzle

Dackelfalten
fruchtig
scheppern

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Meinen Nachbarn Horst sehe ich oft seinem Garten.
Ich mag ihn, er ist so rechtschaffen und grüsst mich auch immer freundlich , wenn er mich bei seinem Tun bemerkt.

Letzthin ging ich wieder an seinem Zaun vorbei, da war er wohl zu vertieft. Ihn direkt anrufen wollte ich auch nicht. Das verbietet sich ja fast.
Zuhause angekommen, hatte ich plötzlich Lust auf einen fruchtigen Weisswein. Der schmeckte so gut, ich nahm mir noch einen und dann noch einen.

Was war denn bloss los mit mir??? Am frühen Abend solch eine Lust aufs Geniessen? Was beschäftigte mich denn gerade jetzt?

So beim Nachgrübeln fiel mir auf, daß Horst so etwas wie Dackelfalten aufwies. Nie so etwas an ihm bemerkt all die Zeit. Sonst war er ja immer aufrecht, diesmal aber so gebückt dastehend – und irgendwo auch bedrückt.

Sicher, seine Trude ist nicht einfach, aber scheppern habe ich noch nie was drüben gehört.

In letzter Zeit, so fiel mir jetzt auch ein, war Horst viel in Wald und Flur unterwegs. Er kam meist spätnachmittags von seinen Touren zurück.

Ich sollte ihn mal ansprechen!!
Horst tut mir einfach leid. So ein famoser Mensch! Ich mag ihn! Nie hatte ich Probleme mit ihm und immer wechselten ein paar nette Worte über den Zaun. Einfach wundervoll das!

Ich weiss natürlich nicht, wie er und sie zuhause sind…
Das kann ich nicht wissen und will es im Grunde auch nicht, nicht mehr vom ewig Gleichen…

Ah, der Weisswein tut guuut!


Nicolas

Quelle: Pixabay; Bearbeitung von Christiane

Für zwei Wochen stehen Christianes neue Etüden an.
Die folgenden 3 Worte sind in einem Text von max. 300 Worten zu verwenden.
Die Wortspende ist diesmal von BerlinAutor.

Klassenkeile
schwammig
trödeln.

Diesmal eine Musiketüde…gibt es so etwas überhaupt?

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Nicolas Jaar ist mittlerweile 31.

Der Chilene, lebhaft in NY, ist ein Musikproduzent.
Schon im Alter von 13 Jahren (!), wo andere noch in Klassenkeile verwickelt waren, spielte er irgendwo in Chile sein erstes (AUFGEZEICHNETES) Live-Set. Das ich natürlich besitze!
Seit gut 10 Jahren verfolge ich seine Musik.

Er wurde damals vor 10 Jahren regelrecht gehypt, weil er eher langsame elektronische Musik produzierte und nicht die technoiden, schnellen Klänge, die damals en vogue waren.

Seine Musik war und ist nie schwammig, sondern originell.
In seiner Karriere trödelte er nie. Mit gerade 31 hat er schon einen sehr vielfältigen Output hingelegt und allerlei Kooperationen ausprobiert.

Sein Album Telas, das er im Herbst 2020 vorlegte und dem ich eine Zeichnung unten widme, weicht wiederum sehr von seiner bisherigen Musik ab. Er ist weiter am Feilen und was er produziert, wird wohl nie langweilig werden.

Das ist gut so, denn wahre Künstler bleiben nicht stehen.

Das “T” habe ich extra in der Schwebe gehalten…

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