Category: Etüden

Trinkgefässe

Teetasse von Yvon Gauchot (FR)

Dank Christiane geht es munter mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von Herr Stepnwolf vom Blog Weltall. Erde. Mensch…und Ich. Sie lauten:

Reagenzglas
übermächtig
vergessen.

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Aus wieviel verschiedenen Trinkgefässen habt ihr schon getrunken?

Ich erinnere mich an die 0,1l- Biere, Stößchen genannt, die es in Köln und Düsseldorf in den Outdoorkneipen zu kaufen gab. Vom Inhalt her wie ein grösseres Reagenzglas , so kam das mir vor.

In den USA gab es zum Essen mal “1 can”, fast schon vergessen, das war ein Dosenbier, etwa 0,6 – 0,7 l stark. Dagegen sind die in manchen Gegenden Unterfrankens möglichen imposanten 0,5 l Pils-Gläser fast schon mickrig zu nennen.
In NY kaufte ich mal in einem Deli zur Nacht “Root Beer”. Leider musste ich das warme Getränk dann auf dem Zimmer wegschütten. Mit Bier hatte das nichts zu tun 🙂

Im Süden der USA, bei einem Fest am Mississippi, gab es Plastikkelche, da passte fast ein Liter rein. Man trug sein Gefäß, wohl so 40 cm lang, mit der Hand an der Öffnung bequem durch die Gegend.

Die winzigen keramischen Schnapsstamperl, wohl für 0,05 l gedacht, sammele ich ebenso wie die etwas grösseren Espressotassen. Letztere ziehen mich oft übermächtig auf Keramikmärkten an. Es ist einfach schön, eine feine Reihung auf seinem Küchenbord zu wissen. Sogar kleine Vasenformen nehme ich manchmal als Espressotasse.

Wie sind Eure Erfahrungen mit Trinkgläsern und – kelchen ? Welche besonderen Stücke habt ihr?

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Erinnerungen einer Nation

Dank Christiane geht es munter mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von Herr Stepnwolf vom Blog Weltall. Erde. Mensch…und Ich. Sie lauten:

Reagenzglas
übermächtig
vergessen.

Ich versuche mich diesmal mit einer sehr mageren Buchrezension, denn es gilt ja, die 300-Worte-Regel nicht zu überschreiten…

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Neil MacGregor, Gründungsintendant des Humboldt-Forums, versucht in dem Buch “Erinnerungen einer Nation” anhand meist künstlerischer Artefakte, deutsche Geschichte nachzuzeichnen.
In 30 Kapiteln untersucht er sehr präzise und mit tiefer, vorurteilsfreier Einscht, was es eigentlich heißt, Deutscher zu sein.
Auch wenn man geschichtlich schon gut bewandert ist, verhelfen diese Schritte durch die Epochen zu einem umfassenderen Verständnis des Deutschtums.

MacGregors Blick durchs Reagenzglas oder Brennglas erweist sich als ein sehr abgeklärter Blick, ohne Vorurteile und sieht Europa als Ganzes.

Man liest vom sehr prägenden Bauernkrieg und der machtvollen Hanse. Von den Preussen und der Auflösung dieses Reiches.
Die Geschichte der Juden in Deutschland wird nicht vergessen und ausgespart. Mein Titelbild von Rudolf Arnheim, den ich mal skizziert hatte, mag als Referenz an dieses Kapiel dienen.
Luthers Übersetzung der Bibel wird beleuchtet, auch der Versuch, dies in England gleich zu tun, wird gestreift.
Gutenberg’s einmaliges Genie, die bisher schon zur Verfügung stehenden handwerklichen Fertigkeiten so zu bündeln und komprimieren, daß ein Serienbuchdruck von Büchern möglich war, beeindruckt. Seine Erfindung war ein Multipliaktor hohen Ausmasses für die Verbreitung von Wissen.
Riemenschneiders Kunst wird ein ganzes Kapitel gewidmet. Ebenso natürlich darf Dürer nicht fehlen, dessen Signum oft kopiert wurde. Gegen Kopien seiner Werke hatte Dürer wenig, nur die Kopie seines “AD”-Zeichens, die sties ihm sauer auf.
Der übermächtige Goethe darf in der geschichtlichen Betrachtung nicht fehlen.
Und natürlich darf auch Käthe Kollwitz und Ernst Barlach nicht fehlen. Barlachs schwebender, pazifistischer Engel mit dem Gesicht von Kollwitz wurde in der NS-Zeit zerstört. Nur durch eine damalige heimliche Kopie hat dieses Werk überlebt und hängt nun gleich an 2 Orten in Deutschland.

Die wichtige Bauhausbewegung klingt im Buch mehrmals an.

Die Phase von Napoleons demütigenden Siegen Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur Gründung des deutschen Kaiserreichs 1871 wird eingehend beleuchtet.
Vergessen wurde wenig in diesem kenntnisreichen Buch.

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300 Worte

Heinz sein Schuppen

Dank Christiane geht es munter mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von Susanne vom Blog books2cats.
Ich beteilige mich immer sehr gerne an dem Schreibprojekt.
Folgende Worte sind zu verwenden:

Geräteschuppen
kupferfarben
feiern.

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Heinz hatte einst auf seinem Gartengrundstück einen großen Geräteschuppen angelegt. Ein Ding, nicht von schlechten Eltern! Mit allem drum und dran. Fenster, Regenabfluß , Blumenkasten sogar.

Einmal ging ich an seinem Grundstück da unterhalb des Walds vorbei.

Gelächter drang aus dem Schuppen. Das klang so, als würde man feiern. Als ich so dastand, ziemlich unschlüssig, trat Sepp, ich kannte ihn ja, aus dem Schuppen, um einem Bedürfnis nachzugehen.

“Was feiert ihr denn da”, fragte ich. Sepp meinte: “Brauchts etwas, um zu feiern. Komm rein!”.
Heinz drinnen schenkte gerade eine neue Schnapsrunde aus, mit solch kupferfarbenen Stamperl.”Da hast’ einen!” Schwupps hatte ich mein Stamperl.

Schön war’s da drinnen, von Gartengeräten nicht die Spur, es wirkte eher wie eine Hüttenlaube. Und gelacht wurde viel, schnell war ich pitschnass vor lauter Lachen. Es war irre lustig. Im Lauf des späten Nachmittags trank ich viele Bier und Stamperl, konnte sie alle gar nicht mehr zählen.

“Jetzt muß ich aber nachhause”, meinte ich am frühen Abend.
“Meine wartet schon!. “Ah geh, auf was soll sie denn warten?!” “Nee, muss gehen, ein andernmal. Und trinkt nicht soviel, haha!”
Beim Hinauswanken nach draussen, ich war etwas unsicher vom vielen Sitzen, hatte ich den Graben nicht bemerkt, schon lag ich quer über ihn, die ganze liebe Länge lang.

Gemerkt hats keiner! Drinnen wurde ja eh gelacht auf Teufel komm raus. Ich rappelte mich mühsam auf.
Runter gings des Wegs, das wusste ich noch, immer der Schwerkraft nach, Schritt für Schritt. Auf der Strasse dann selbst war niemand, gar garkein Mensch, nur die alte Käthe auf ihrem Hof, glaube ich, die aber nichts zu merken schien.
Und wenn schon! Ich drückte mich ins Haus rein. Uff! Oh, diese Stamperl! Meine lag schon im Bett, es war doch später, als ich gedacht hatte: Wohl so 10 oder 12. (Aber nicht in der Früh!)

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300 Worte

Heinzens Geräteschuppen

Dank Christiane geht es munter mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von Susanne vom Blog books2cats.
Ich beteilige mich immer sehr gerne an dem Schreibprojekt.
Folgende Worte sind zu verwenden:

Geräteschuppen
kupferfarben
feiern.

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“Diese Haare! D i e s e Haare!”, dachte Heinz.
Kupferfarben leuchteten sie an diesem Frühlingstag, jede Strähne reinste Magie.
WAS … für eine besondere Frau – WAS für eine Frau! Wie nicht von dieser Welt!!
Ihre Art sich zu bewegen, ihre Mimik, ihre A u r a auch – all das schien noch mehr zu strahlen wie dieser Farbton.
Feiern und jubilieren wollte Heinz, springen, hüpfen, Purzelbaum schlagen, all das und noch viel mehr.
“Soviel Glück und das mir”, pochte es in ihm heftig.

Aber er hatte sie ja noch nicht.

Was konnte er bieten? Ausser seinem feinen Geräteschuppen, in dem er allerlei elektrische und sonstige Geräte für den Garten untergebracht hatte, war erst mal wenig – oder auch viel, je nachdem.

“Was meinst Du, wieviel Geräte ich für meinen Garten habe”? fragte sie ihn.
Nun, da konnte Heinz schlecht raten.

“Null”, sagte sie keck, “denn ich habe gar keinen Garten!”

Da war er baff. Auf Garten legte sie also keinen Wert.
Aber das war nicht schlimm, denn sie brachte ja genug sonstige Werte mit. Gerade esoterisch war sie bewandert, sie wusste soooo viel!

Tage und Wochen zogen ins Land. Wochen und Tage.

Er kam nicht an sie ran. Manches, was er versuchte, schlug glatt ins Gegenteil um.
In seinem Garten fand er ab und an Ruhe, Ruhe, die sein musste, denn er konnte nicht von ihr lassen. Er war … krank!

Sie stellte ihn ihrer Freundin vor. Bei Kaffee und Kuchen sassen sie alle nett draussen zusammen. Es wärmte das Herz so wunderbar! ACH wie schön!!
Doch nach dem Nachhausefahren wollte sie plötzlich alleine sein.

Zuhause begriff Heinz allmählich, daß sie ihn nur bei ihrer Freundin vorführen wollte.

Es kam bald darauf zum Knall, viel zu spät.

Wie ein langer, böser Traum war das gewesen – den Heinz ohne sein Wissen zudem offenbar kräftig unterhalten hatte.

Das Jahr war rum, richtig rum! Ausser Blessuren nichts gewesen.
Der Garten war nicht mehr so rund wie einst. All die Geräte, sie waren ihm nichts mehr wert.
Da stand er nun, in seinem Grün. Farben waren da keine.

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