Category: Etüden

Der Belesene

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Quelle: Pixabay (hier und hier), bearbeitet von Christiane

Im Jahr 2020 geht es dank Christiane mit den Etüden weiter.
Ich beteilige mich gerne daran, nun schon in der zweiten Etüden-Ausgabe des Jahres:

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Eins ums andere Mal verblüffte er mich mit seinem Sachwissen.
Wenn ich einen mir erst seit kurzem bekannten Vers zitierte, sagte er  “Ja, sehr fein! Gewiss eines der Schmuckstücke des Dichters!”.
Er schien wirklich alles und jedes zu kennen!!

Belangloses Gerede schätzte er nicht. Gleich schob er Goethe, Schopenhauer, Schiller oder Novalis vor.
Die alten Griechen kannte er auch sehr gut.
Einmal zeigte er mir sogar mal ganz kurz seine Probierstube. Ich staunte ehrfürchtig ob der Bände an der Wand.

Manchmal war er im Beisammensein plötzlich ganz ruhig, die Minuten plätscherten dann dahin. Es war schön, so mit ihm dazusitzen. Seine Aura machte mich ruhig. Es war fast so, als würde ich ein wenig an seiner Weisheit nippen.

Ein alter ehrenwerter Freund aus Schultagen, Prof. XYZ besuchte mich eines Tages auf der Durchreise. Ich hielt irgendwann eine Lobrede auf meinen besonderen Freund. Das musste sein!

Er lachte laut auf: Weisst Du nicht, daß das ein Papiertiger ist?
“Vor ein paar Jahren geriet ich mit ihm, als er in meiner Stadt wohnte, in einen Disput und da zeigte sich, daß all sein angebliches Wissen nur heilloser Wirrwar war. Um nur ein Beispiel zu nennen…”.

“Das kann nicht sein! Unmöglich! Ich glaube das nicht! Niemals!…Nein!

Ich klappte zusammen. All die Jahre….ich hatte ihm vertraut, meinem Freund mit der Probierstube.
Nun zeigte sich, daß rein garnichts an seinem Wissen dran war.
Wie ist so etwas nur möglich??

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Eine rein fiktive Geschichte.

 

 

 

Der etwas andere Urlaub

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Quelle: Pixabay, bearbeitet von Christiane

Im Jahr 2020 geht es dank Christiane mit den Etüden weiter.
Ich beteilige mich gerne daran, meist mit recht kurzen Texten wie dem folgenden:

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Wieder mal hatte ich meine Hörhilfen nicht an. Ich hasse die Dinger. Ausserdem höre ich dann weniger, wenn mich Trude kommandiert.
Das tut immer so weh in den Ohren, richtig weh!

„Loass uns dei Skiurlaub buche“

„Joa, bin dabei“. Trude weiß schon, was gut ist.

Als wir am Urlaubsort ankommen, war weit und breit kein Schnee zu sehen!

„Trude, wo ist der Schnee?!“

„Wozu Schnee, wenn wir hier Tai-Chi machen?!“

Ein mickriges Lächeln entsprang meinem Mund.

„Ok, Tai-Chi ist sicher besser als Skifahren. Hatte eh keine Lust zu“.

 

 

 

 

Die Mutter und der Rabe

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Quelle: Pixabay, bearbeitet von Christiane

Im Jahr 2020 geht es dank Christiane mit den Etüden weiter.
Ich beteilige mich gerne daran, meist mit recht kurzen Texten wie dem folgenden, jetzt 4. Text zum neuen Jahr:

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Die Mutter kommandierte sie ständig herum. Sie war auf der Hut, nie konnte sie es ihr recht machen.
Selbst ihre Toilettengänge hatte sie im Auge: „Komm endlich raus, Du faules Stück!“.

Der jüngeren Schwester passierte das nie. Sie genoß in allem den Vorzug. Warum und wieso, das blieb immer im Dunkeln.

Die Mutter fuhr gerne in Skiurlaub. Ihre Tochter brachte sie beim Bauern unter, der einen recht mickrigen Hof sein eigen nannte.

Der Mutter tat der Urlaub gut, aber wieder zuhause setzte das alte Lied ein.

Als die Mutter sehr alt wurde und Pflege benötigte, weigerte sich überraschend die jüngere, immer bevorzugte Schwester. Das „faule Stück“ musste also die Pflege übernehmen und tat es vorbildlich.

Eine Aufwertung erhielt sie auch hier nie. Das war nicht drin, das wusste sie.

 

Fünfzig Male

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Quelle: Pixabay, bearbeitet von Christiane

Im Jahr 2020 geht es dank Christiane mit den Etüden weiter.
Ich beteilige mich gerne daran, meist mit recht kurzen Texten wie dem folgenden:

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Beim Schorsch verbringe ich immer meinen Skiurlaub.
Eigentlich fahre ich kein Ski mehr, aber die Landschaft dort ist so schön.

Das Essen ist leider mickrig geworden in letzter Zeit.
ICH kann das beurteilen, bin ich doch schon zum 47ten Mal bei ihm. Zum 47ten mal!
Schorsch macht keinerlei Anstalten, besseres Essen auf den Tisch zu stellen.
Meinen Ausspruch abends beim Bier: “Früher war vieles besser”, hatte er nicht wirklich verstanden.
Ich war mürrisch und grantig!  Wirklich sauer!
Meine Frau sagte am Telefon:
“Du bleibst doch jetzt nicht fern, jetzt, wo du die 50 fast voll hast!”

Da sie mich gerne kommandierte, und ihre “Ratschläge” eigentlich immer richtig waren, ging ich drauf ein.

“Aber wenn Schorsch dann den 50ten vergisst?!?”

“Nun lass das mal meine Sorge sein!”, meinte sie.

“Ja dann… dann ist ja alles geregelt.”
So kann es weitergehen.

 

Die Not des Busfahrers

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Quelle: Pixabay, bearbeitet von Christiane

Im Jahr 2020 geht es dank Christiane mit den Etüden weiter.
Ich beteilige mich gerne daran, meist mit recht kurzen Texten wie dem folgenden:

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Sommers fahre ich gerne in ein Gebiet, wo man winters seinen Skiurlaub verlebt.

Die Angebote zu dieser Zeit sind dann eher mickrig, aber dafür ist alles recht ruhig.

Eines Tages, beim Stehen vor dem Hotel, mit meiner geliebten Pfeife, sah ich einen Bus rückwärts den Berg hochfahren.
„Heh, wieso machst Du das?“ rief ich dem Busfahrer zu.
„Mein Chef hat mich kommandiert, es so zu tun. Weil man oben nicht drehen kann“.

Nach einer Weile kommt der Busfahrer zurück, wieder verkehrt herum!

Ich war völlig baff!

Er meinte nur: „Man konnte oben doch drehen“.

 

 

 

Der Ton macht die Musik

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Quelle: Pixabay, bearbeitet von Christiane

Im Jahr 2020 geht es dank Christiane mit den Etüden weiter.
Ich beteilige mich gerne daran, meist mit recht kurzen Texten wie dem folgenden:

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Das Buch war eindeutig mickrig!
Besser war das vorhergehende leider auch nicht.
Überhaupt der ganze verdammte Stoß!

Meine Frau hatte ich vor meinem Skiurlaub gebeten, mir eine Reihe ihrer Lieblingsbücher mitzugeben. Ich kommandierte dabei herum, nach all der Hektik im Büro der letzen Woche…

So hatte sie mir also meinen Ton heimgezahlt!
Der leere Inhalt der Bücher schallte gleichsam in meinen Ohren nach. So wie die ihren wohl geklingelt hatten.

Schön blöd das alles gelaufen!

 

Freundschaft

Eine Schreibeinladung von Christiane.

Eine Kurzgeschichte mit drei vorgeschriebenen Worten.

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Quelle: Pixabay, bearbeitet von Christane

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Schwermütig war Fritz oft, zumindest sagten das einige Bekannte.

Auf einer Party bei Fred traf Fritz John, einen Mitbewohner von Fred.
John war sehr belesen, konnte vier Sprachen, ein interessanter Mensch rundum.
Als der Abend zuende ging, er hatte selten solche Abende erlebt, ging er erfüllt nachhause.

Tage später rief ihn überraschend John an. Er müsse bei Fred ausziehen. Ob er bei ihm einige Tage wohnen könne?
Diese, seine Unbehaustheit, hatte offenbar Methode. Aber: Daß John gerade an ihn gedacht hatte, ehrte ihn dann doch sehr. Er war in sehr angehobener Stimmung.

John kam tatsächlich am nächsten Tag abends.

Nach etwa 2 Monaten erzählte John, daß er im Cafe am Rathausplatz einen Blick auf eine interessante Frau erhascht hatte, mit ihr dann ins Gespräch gekommen sei und es gefunkt hatte. Nun ziehe er zu ihr.
Er freute sich sehr für ihn, wenn auch die Zeit bei ihm damit ein Ende hatte.
Aber immerhin, dachte er, sei ihm John sicher sehr dankbar und ein Freund fürs Leben.

Wochen später erfuhr er, daß John in grossem Stil Geburtstag gefeiert hatte, er war nicht eingeladen gewesen.
Wie konnte das denn sein? Sicher ein Missverständnis!!
Fred klärte ihn Tage später auf, daß John ihn tatsächlich vergessen hatte. Es war halt so, John war es nicht peinlich.