Category: Etüden

Der Pub

Krabbler, der Worte spendet.

Dank Christiane geht es munter mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von mir.
Ich beteilige mich immer sehr gerne an dem Schreibprojekt.
Folgende Worte sind zu verwenden:

Zeitplan
schlimm
fallen.

Ein weiterer kurzer Text:

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Der Reiseführer von NY hatte den sagenumwobenen Pub hier ausgewiesen! Aber wo war er? Ich suchte das Gelände auf und ab. Nicht zu finden! Ums Verrecken nicht! Das konnte doch nicht sein!

Mein Zeitplan für diesen Tag hatte noch das Guggenheim vorgesehen. Schliesslich war ich nur für 6 Tage in NY und wollte möglichst viel schaffen.

Meine Sohlen schmerzten auch schon schlimm! Dieses Herumlaufen, die ständige Verwechslung von Nord und Süd, Ost und West bei den Strassen, das hatte viel Zeit gekostet.

Ich lies mich auf eine Parkbank fallen.

Plötzlich sah ich ein kleines Häuschen, fast an eine Gartenlaube erinnernd. Ich war mehrmals daran vorbeigelaufen.
Und jetzt sah ich auch: Alles war verriegelt, bis auf ein kleines verstaubtes Fenster, durch das ich so etwas wie eine Inneneinrichtung im Dunkel erahnen konnte.

Geschlossen! Nicht mehr! Von anno dazumal.
Mein Reiseführer war gute 4 Jahre alt und der Beitrag von dem heißen Pub war vielleicht schon 6 Jahre alt. Wer weiß!?

Jetzt war ich hundemüde – und Guggenheim musste bis morgen warten.
Immerhin: Den heißen Pub hatte ich gefunden!

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Die schlimmen Zeitpläne

Buchkrabbler, der all die Worte vorgab

Dank Christiane geht es munter mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von mir.
Ich beteilige mich immer sehr gerne an dem Schreibprojekt.
Folgende Worte sind zu verwenden:

Zeitplan
schlimm
fallen.

Ein kurzer und ganz schnell abgefasster Text diesmal:

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Immer diese feisten Zeitpläne, Tag für Tag!
Von früh bis spät Pflichten, Ruhe als Rentner mitnichten, abends ins Kino, Theater oder Ballett, der Bildung , der Erbauung und des Mitredens wegen.

Ein richtiges “Abfüllen” war das, richtig schlimm.

Nun kann man sich ja eigentlich in diesen Tagen in den Sessel fallen lassen – oder doch nicht?

Nein, anderes lässt sich finden: Es wird gelesen viel, quer und bunt, Videos werden angeguckt oder auch nicht, aufgeregt wird man, aufgeschaukelt, durchgewirbelt.
Da hilft dann nur noch Natur und ein Blick auf das Kleine zwischen Blüten und Blättern (oder Buchseiten).

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Musik, die Weltsprache

Kleine Notizbuchkritzelei

Im Jahr 2020 geht es dank Christiane kunterbunt mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von Olpo Olponator.
Ich beteilige mich gerne an dem Projekt.
Folgende Worte sind in einem max. 300 Worte umfassenden Text zu verwenden:

Katamaran
großspurig
totschweigen.

Ein kurzer Text über Musik und anderes:

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Musik zählt zu meinen Leidenschaften.
Ich könnte großspurig sein und jetzt den Umfang meiner Sammlung an Tonkörpern preisgeben, aber würde das Sinn machen? Lieber eine solche “Masse” totschweigen. Man könnte mir ja dann auch sagen: Selber schuld, wieso sammelst Du eine derartige Menge an?

Selten diskutierte ich mit Freunden über Musik.
Horst, der gerne Katamaran fährt, mag fast jede Musik.
Ob er regelmässig Musik höre? „Ja, sicher! Meistens im Auto, da habe ich einen Würzburger Sender dran, die spielen genau, was ich will!“.
Ein Doktor der Biologie, der fast alles weiß, was es zu wissen gibt, ist vermutlich höchstens ein gelegentlicher Hörer von Musik. Aber diskutiert gerne mit Musikern.
Ein anderer hat ein ganzes Zimmer nur mit Tonträgern bestückt, ein pures Audiozimmer sozusagen. Er hört vieles, sehr sehr vieles, nur kein Metall, Techno, House oder experimentelle Musik. Auch kein Rap, R&B, Minimal oder Meditationsmusik. Auch keine Klassik oder Barockmusik.

Wenn ich in der Blogosphäre eine vorgestellte Musik kommentiere, dann stosse ich auf Leute, deren musikalischen Background ich noch viel weniger kenne als den der genannten Freunde.

Ist derjenige ein Musiker oder eine Musikerin? Und wenn ja, ein Profi oder ein Laie? Was spielt sie/er denn für Musik? Und was hört sie/er sonst?
Oder ist sie/er vielleicht sogar musikabstinent?!
Verfügt sie/er über einen Riesenschatz an Musik aus allen Sparten und Zeiten oder über keinen, aber woran merke ich das?

So wie mit Musik ist es m.E. auch mit so manch anderem Thema. Insofern ist das hier Angerissene universell.

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Ich, mich, mein und mir

Kleine Notizbuchkritzelei

Im Jahr 2020 geht es dank Christiane munter mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von Myriade.
Ich beteilige mich gerne an dem Projekt.
Folgende Worte sind zu verwenden:

Teppich
gläsern
flattern.

Ein kurzer Text diesmal:

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Unlängst hörte ich eine Radiosendung, in der eine Buchautorin befragt wurde. Sie schien fast überzuquellen, so begeistert schien sie von ihren Gedanken und Empfindungen zu sein. Sie gluckste dabei ab und an hörbar und kriegte sich ein ums andere Mal nicht ein.
Dieser Mensch da wirkte völlig gläsern.
Er war offenbar ganz eingenommen von der eigenen Besonderheit.

Die meisten Menschen bleiben dagegen auf dem Teppich und heben nicht ab. Auch wenn sie dazu herausgefordert werden!

Dieses Ich, ich, ich sties mir jedenfalls in dieser Sendung auf.
Auch die übermässige Verwendung von mein, mich, mir in Texten stört ebenfalls.

Wieso flattern da meine Nerven? Wieso regt mich das auf?
Vielleicht, weil uns unsere Mutter zu Bescheidenheit angehalten hatte.
Das aber wird es alleine nicht sein. Es gibt noch andere Gründe, das ist mir klar.
Derweil komme ich aber schlecht aus der meiner Haut und bleibe bei meiner der meist ablehnenden Haltung.
🙂

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Random thoughts

Gläsern wirkende Fliesen in Fuerteventura

Im Jahr 2020 geht es dank Christiane munter mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von Myriade.
Ich beteilige mich gerne an dem Projekt.
Folgende Worte sind zu verwenden:

Teppich
gläsern
flattern.

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Etwas unter den Teppich kehren fällt mir schwer.
Manchmal erinnere ich mich an frühere Demütigungen, die erst durch zufälliges “Anstossen” wieder zu schmerzen anfangen.
Wie einfach wäre es doch, diese Schmerzen ausradieren zu können. Selbst der unsterbliche Atlan in der Perry Rhodan-Serie erinnerte sich aber an eine tragische Liebe von vor 500 Jahren.
Ich stellte mir das immer wieder mal vor und malte mir dabei die Qualen aus.

In den letzten Wochen dachte ich des öfteren an den SF-Thriller “Lautlos im Weltraum” von 1971: Bruce Dern als Hauptdarsteller überwachte mit anderen einige Treibhäuser in Halbkugelform, die an ein Raumschiff dockten. Die Erde war verwüstet und man hatte auf diese Weise etwas Grün der Erde gerettet.
Plötzlich kam von der Erde der Befehl, diese wunderbaren Treibhäuser zu vernichten und mit dem Raumschiff zur Erde zurückzukehren. Die Augen von Bruce Dern wirkten gläsern, weinen konnte er nicht, so erschütterte ihn diese Meldung. Dieser Film bedeutete mir damals viel und auch heute noch.

Letzthin flatterte ein Etwas langsam den Gartenweg entlang, auf halber Höhe, bevor es sich gemächlich niederlies. Erst dachte ich an einen Falter, aber es war nur ein Blättchen, das ganz sorgsam und behutsam über eine weite Strecke getragen wurde.
Ein besonderes Wiegen dieser Art sah ich jüngst ein 2tes Mal im Garten.
Es war ein winziges Spinnchen, das an einem waagerecht schwebenden Faden hing. Aus einem Artikel von Joachim Schlichting wusste ich, daß es auf diese Weise einen Anker für seinen Faden suchte. Und siehe da, der Faden wurde immer näher an eine Keramikstele getrieben und beim vielleicht fünften Herantreiben konnte sich das Spinnchen an der Keramik festhalten.
Solch eine Spinnennetz-Aufbautechnik, von der man zwar mal gehört hatte, live erleben zu können, hat schon was Faszinierendes.

286 Worte

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Der Eremit

Broken, Zeichnung in den 90ern

Im Jahr 2020 geht es dank Christiane munter mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von Ludwig Zeitler.
Ich beteilige mich gerne an dem Projekt.
Folgende Worte sind zu verwenden:

Rumpelkammer
mutvoll
zehren.

Eine fiktive Erzählung.

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Franz ist ein seltener Mensch.
Zuerst: Seine Art zu schauen ist so, daß man nicht weiß: Schaut er jetzt diesen Gegenstand in ein paar Metern Entferung an oder nicht?!
Leer ist der Blick dabei nicht, aber er scheint nichts zu fixieren.
Doch halt: Auch das ist es nicht! Der Blick ist fest, aber es scheint sich nichts darin zu spiegeln.
Von einem Gespräch mit ihm mag ich lange zehren. Er hat eine Art der Argumentation, die nicht meine, aber keinesfalls als abwegig zu bezeichnen ist. Es kommt darin fast nichts vor, was man sonst auch von anderen Menschen hören könnte oder schon gehört hat!
Wie ausgespart also von den üblichen Phrasen und Sichtweisen, doch das nicht bewusst, sondern auf zufällige Art.

Er lebt als Eremit in einer Art Rumpelkammer. Gesehen habe ich diese Kammer mal durch einen Spalt.
Ich stelle mir diese halt so vor.

Mit vielen Leuten spricht er nicht. Mutvoll empfinde ich, daß er mit mir spricht. Ab und an jedenfalls, wenn sich unsere Wege kreuzen.

Oft habe ich das Gefühl – oder eine leise Ahnung – daß er sich irgendwann an etwas in unseren Dialogen stören könnte und er dann nicht mehr wiederkäme, ohne Streit, einfach so.

Für mich wäre das schlecht, weil ich seine Unabhängigkeit schätze! Auch wenn mir seine Art manchmal etwas miefig und absonderlich vorkommt.

Für ihn wäre es sicher auch schlecht. Aber vielleicht würde er mein Fehlen garnicht bemerken – oder es würde ihn dagegen hart treffen! All das weiß ich nicht!

Ich glaube, daß es irgendwann zu einem “Zerwürfnis” kommen muß, aber wann? In einem Monat oder in 10 Jahren?! Vollkommen unklar für mich. Auch weiß ich definitiv nicht, was zum Zerwürfnis führen könnte!
Ich befinde mich da fast wie auf einem Balancierseil.
Man wird sehen.

Aber das Ganze, unser Gemeinsames, wenn ich so sagen darf, würde vollkommen entwertet sein, wie fast nicht geschehen, wenn es so käme! Und das ist mir unheimlich.

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Da hätt’ ich noch was…

Klumpfuß, Zeichnung in den 90ern

Im Jahr 2020 geht es dank Christiane munter mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von Ludwig Zeitler.
Ich beteilige mich gerne an dem Projekt.
Folgende Worte sind zu verwenden:

Rumpelkammer
mutvoll
zehren.

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Ich trete an einen Laden mit Trödel.
Manchmal bin ich ganz begierig zu schauen, einfach nur so.
Insgeheim hoffe ich natürlich auf etwas, das niemand sonst interessieren mag, aber für mich einen hohen Wert hätte.
Etwa ein antikes Schachspiel, bei der zwar zwei, drei Figuren fehlen, aber diese mehr oder wenig kunstvoll durch anderes ersetzt worden sind, etwa eine große Schraube. Noch besser wäre allerdings ein Dufresne mit einer kleinen Abhandlung des Spiels. Von einem solchen Erwerb könnte ich fürwahr länger zehren.

Das ganze Geschäft wirkt wie eine Art Rumpelkammer.
Schon kommt flugs ein alter Mann durch einen unscheinbar schmalen Gang heraus und sagt zu mir: “Guten Morgen, schön, nicht?
Mutvoll wäre, zu sagen: “Naja, geht so”.
Aber ich traue mich nicht.

Er verfolgt meinen Blick. Wohin dieser mein Blick auch geht, er ist mit seinem im Schlepptau. Einer Kopfwendung meinerseits folgt sein Kopf. Wie zwei Marionetten.

Unschuldig und auch ein wenig müde jetzt ruhen meine Augen auf einer kleinen verbeulten Teekanne.

“Schön, nicht?!…Ein Kleinod, nicht wahr?!…Kommen Sie mit, da hinten hätt’ ich was für Sie”.
Und ich folge tatsächlich nach, in das Dunkle und Miefige seines Ladens.

Dahinten drinnen, im Gewühl, hat er noch weitere Kleinode, sogar kleine Äfflein aus Messung, Zinnsoldaten, Würfel mit Becher, Stäbe und Zirkelkästen.

Er sieht meine helle Freude und überreicht mir … sein Kernstück. Ja, einen kleinen Globus aus Plastik, in wundersamen Farben: Das Meer darauf ganz blau, die Berge sattgrün, die Fassung golden.

“Das bekommen Sie zum Vorzugspreis.”

Torkelnd nehme ich es, zahle meinen Obulus, habe gerade genug in der Hosentasche und wackele hinaus, so schnell es durch die Enge geht.

Er winkt mir nach, doch ich merke es kaum. Ganz malad bin ich! Ganz malad!

Was soll ich nun mit dieser Plastikerde, frage ich mich? Wie ein Klumpfuß kommt mir das Ding vor.

Idee!
Vorsichtig stehle ich mich zurück und lege sie flugs draussen neben der kleinen Teekanne ab.

Aus den Augen, aus dem Sinn. Uff, Glück gehabt.

*