Category: Etüden

Nieder ged(m)acht

Foto am Abend des 2.10.2021, sehr künstlerisch

Einen ersten Text in Christianes neuen Etüdenaufruf bringe ich hier ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Biedermeier
niederträchtig
flöten.

enthalten.

*


“Spitzweg, das war noch ein Maler!” Dem Galeristenbesucher, der neben mir stand, schwebte der bekannte Biedermeier-Künstler als Ideal vor.
Kann man so sehen, nur niederträchtig war dabei, daß er das der Galeristin zu Gehör brachte, die EBEN keine Biedermeierkunst ausstellte, sondern neuzeitliche Formate.

Wer Galerist ist, muss solche Töne ertragen lernen. Mit diesem Besucher ging ihr ja auch definitiv kein Kunde flöten.
Wieso er die Galerie überhaupt besuchte und nicht gleich eine Bratwurst am nächsten Stand kaufte, das blieb sein Geheimnis.

Tut mir herzlich leid, dass dieser Text so kurz geworden ist!!

Ich hätte ja auch in der Fortführung des Textes über Galerien philosophieren können, aber das lasse ich mal jetzt.

Wenn interessiert es schon, daß ich in den Neunzigern in Leo Castellis Galerie in NY war, um mir Hanne Darboven anzuschauen? Der Meister war damals nicht da, ich durfte trotzdem durch die Räume. Mit mir im Aufzug war eine junge Künstlerin, die bei Castelli vorsprechen wollte.
Oder wen interessiert es, daß ich in einer Schweizer Galerie plötzlich neben einer bekannten Künstlerin stand, die sich auch für die Ausstellung interessierte?
Auch nicht interessant ist es, wie eine Begleiterin von mir mal aus Versehen einen markerschütternden Piepser auslöste, weil sie einem Bild zu nahe getreten war.

Gerade las ich, daß gerade irgendwo in einer Galerie ein Bild mit plein weiss ausgestellt wird. Eine Sache, die ich verortet hätte in einer Zeit von vor vielleicht 70 Jahren.

All das scheint mir wenig interessant.
Wenig.

Daher habe ich es bei der Episode mit Spitzweg belassen.




Geheime Gunst

Einen sechsten Text in Christianes neuen Etüdenaufruf bringe ich hier ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Geheimkünstler sperrig suggerieren
enthalten.

Altes Gekritzel aus einem Kalenderchen

*

Heinz, Du Geheimgünstler!

Nutzt die Stunde, um dich günstig zu bereichern, was?! So günstig kommt man ja nicht zu praktisch neuen Geräten!

Heinz:
“So sperrig, wie die Sachen zur Sperrgutabfuhr an der Strasse rumliegen, da lohnt sich schon mal ein Blick. Aber bereichern tue ich mich an diesen Sachen nicht.
Was die Leute alles so wegwerfen: Eine Kaffeemaschine, die an einer Stelle leicht abgeschabt wirkt, aber ansonsten tiptop. Ein feines Tablet, bei dem der Akku nicht mehr so zündet. Oder 2 Jahre alte Handys, weil brandneue Modelle rauskamen.
Wer suggeriert eigentlich den Leuten, daß sie ständig ein neues Modell brauchen?”

Und was machst Du nun mit all den Geräten, Heinz? Verkaufst Du die?

Heinz:
“Iwo. Ich baue damit gerade eine Kunst-Installation auf: EGALM, “Elektrogeräte am laufenden Meter“, heisst die. Seitdem ich das mache, ist schon eine Wand 2m hoch und 180 m lang entstanden. Alles Ware aus unserem Stadtteil. In einer spiraligen Schnecke umlaufend.

Das Blöde an der Installation auf dem alten Industriegelände ist, dass mir die Behörden jetzt auf den Leib rücken. „All das Zeug gehört entsorgt, auf ganz normalen Weg und soll nicht unsere Umwelt verschandeln, auch wenn das hier ein ehemaliges Industriegebiet ist.”
Echten Ärger habe ich damit. Sie finden das asozial, was ich da mache. All den Müll einfach so komprimiert herzuzeigen.
Vermutlich rücken sie bald an, mit ihren Müllautos . Ich filme dann das Ganze, da brauchen sie Tage dafür. Wäre sozusagen das nächste Kunstprojekt und kommt dann als Filmdoku raus.



Ruhe im Karton

Einen fünften Text in Christianes neuen Etüdenaufruf bringe ich hier ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Geheimkünstler sperrig suggerieren
enthalten.

Heinz, der Ratgeber

*


Heinz ist bekannt fürs Umdeuten. Naja, sein Wirken umschreibe ich halt so.

“Angst vor dem Tod zu haben, ist nicht nötig, denn er gehört ja nicht zum Leben.”, meinte er jüngst.
Aha, so ist das. Eigentlich logisch, aber ein schon sperriger Rat, wenn Sie mich fragen.

Ein Geheimkünstler, was er jeweils aus dem Hut zaubert. Es ist im Einzelnen nicht vorherzusehen.
Ich lag da schon oft falsch….

Wenn es nach ihm geht, gibt es eigentlich keine Probleme.
Was er suggeriert, ist, daß nur die Denke falsch sei, das Gefühl, die Stellung zu einem “Problem”.

“Halte Dich an Deine innere Weisheit. Lasse Dich von ihr führen. Dein Bauch weiß was richtig ist”.
Ja, so ist , dachte Eva und traf kraftvoll eine Entscheidung, die sie dann aber am nächsten Tag umwarf. War es wirklich so einfach? Heinz hatte doch gesagt, daß alles ganz einfach ist. Jetzt war sie noch mehr “umgeworfen”.

Und Elvira beklagte sich, daß ihre Freundin Dana ihr nur schwere Dinge erzähle. Also ihre Sorgen und Nöte und Nöte und Sorgen. Immer wieder!
Wie aber Elvira mitbekommen hat, teile Dana dagegen leichte und unbeschwerte Dinge “in rauher Menge” mit einer ihrer jüngeren Freundinnen. Wieso denn das?!
Heinz sagte: “Das musst Du Dir von Dana nicht bieten lassen. Dana ist ein Energieräuber! Lasse sie nicht mehr zu Dir. Du kannst dazu durchaus Notlügen verwenden”.
Elvira fand den Rat klasse. Gerade das Wort “Energieräuber” sagte ihr zu. So war das also.
Doch ging es ihr damit nicht gut. Irgendwie hing sie an Dana. Konnte nicht loslassen. Denn Dana sollte ihr insgeheim wohl irgendetwas geben. Aber was denn?! Was könnte es sein? Was wünscht sie sich von Dana?


Der Alleskönner

Einen vierten Text in Christianes neuen Etüdenaufruf bringe ich hier ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Geheimkünstler sperrig suggerieren
enthalten.

Heinz

*


“Du bist ja ein Geheimkünstler, Heinz !”
Als ich den Stoß seiner Zeichnungen sichtete, die da auf seinem weiten Tisch lagen, war ich schon beeindruckt.

Heinz, den ich erst seit einigen Tagen kenne, suggerierte mir anfangs, daß er keinen Nagel in die Wand schlagen könne. Doch wie ich gestern von meinem Freund Horst erfuhr, hat er einst alleine seine Innenräume renoviert.

Im Gespräch gilt Heinz als sperriger Mensch.
Der Horst teilte mir diesbezüglich mit: Fängt man mit ihm über ein Thema zu reden an (sagen wir mal über Politik), dann fängt er alsbald an, z.b. über den Wahrheitsbegriff zu philosophieren. Landet dann am Schluß beim Protogermanisch.
Nicht, daß er mit seinen Kenntnissen angeben wolle: Es fliesse einfach aus ihm raus.

So verwundere es nicht, daß, wenn er mit Leuten zusammensteht, einer nach dem anderen sagt: “Ich muss etwas dringend erledigen”. Und sich verabschiedet.
Am Schluss stehe er alleine da.

Heinz spüre das schon, sagte Horst weiter, aber dennoch habe er sich nicht unter Kontrolle und wolle das auch nicht.
“Er muss einfach zeigen, was er gefunden hat. So wie er als kleiner Knurpel der Mutter sein in den Sand gezeichnetes Frauenportrait zeigen musste. Unbedingt und sofort.”

” Horst, Du bist ja ein wahrer Analytiker!! “, sagte ich darauf. “Aber… was sagst du als Verhaltenstherapeut, haha, wie man mit Heinz umgehen soll?”
“Stehenbleiben, standhaft sein und seinen Tiriaden folgen. Da sind immer wertvolle Hinweise dabei, denen ich zuhause später nachgehe”, meinte er.

“Ah ja, das leuchtet ein, Horst. Vielleicht gelingt es mir dann in Zukunft auch, einen Kreis um mich zu bilden?!
Hätte Lust dazu – als Heinz 2 eben dann”.