Category: Gesellschaftliches

Unterwegs auf einem Markt

Auf dem Kanderner Keramikmarkt erwarb ich vor 2 Wochen ein schönes Stück von einem französischen Künstler.

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Es ist von Dominique Friedrich.

Viermal schlich ich um seine Werke aus Keramik und Bronze, bevor ich mich für eines seiner Stücke entschied.

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Ich finde den Kopf mehrdeutig. Der ganze Körper auch besitzt eine Aussage, die man ergründen kann und für die man durchaus verschiedene Ergebnisse finden kann.

Thomas Girst – Alle Zeit der Welt

Als ich unlängst ein bestelltes Buch abholte, suchte ich mir ein zweites in den Beständen der kleinen lokalen Buchhandlung aus. So mache ich es fast immer.

Ich griff mir ein philosophisches Bändchen von Thomas Girst.

In 28 Betrachtungen schildert er den Umgang der Menschen mit Zeit.

Den Anfang macht der Briefträger Cheval, der “10000 Tage, 93000 Stunden, 33 Jahre Anstrengung” in den “Palais idéal” , einen surrealen Palast, , steckteden er in seinem ehemaligen Gemüsegarten errichtet hatte.
Von Menschen, die Zeitkapseln hinterliessen, deren Öffnung zu einem gegebenen Zeitpunkt in der Zukunft stattfinden soll, berichtet er später.

Ewig lange Musikstücke (John Cage) und ewig zäh verlaufende Prozesse wie sich loslösende Pechtropfen aus einer Masse Pech finden ihre Erwähnung im Buch.

Dauer und Vergänglichkeit, das “Aroma der Zeit”, die Ästhetik von Abnutzungsspuren, all diese Qualitäten mäandern durch das Buch.

Die Rede ist auch von Schriftstellern wie Hölderlin, Marcel Proust und Robert Walser, die die letzten Jahre bzw. Jahrzehnte ihres Lebens völlig dem Schreiben widmeten, dabei in absoluter Klausur. Walser mutmasst dabei über die Empfindungen Hölderlins:

Alle Wünsche schlafen ein wie vom Spielen müde gewordene Kinder.

Unentschlüsselte Schriften und Unsagbares findet Platz im Buch, bevor Girst zum Schluß auf Unvollendetes zu sprechen kommt. Dessen Existenz schon in einem Zitat von Maurice Maeterlincks deutlich anklingt:

Sobald wir etwas aussprechen, entwerten wir es seltsam. Wir glauben in die Tiefe der Abgründe hinabgetaucht zu sein, und wenn wir wieder an die Oberfläche kommen, gleicht der Wassertropfen an unseren bleichen Fingerspitzen nicht mehr dem Meere, dem er entstammt. Wir wähnen eine Schatzgrube wunderbarer Schätze entdeckt zu haben, und wenn wir wieder ans Tageslicht kommen, haben wir nur falsche Steine und Glasscherben mitgebracht; und trotzdem schimmert der Schatz im Finstern unverändert.
Dieses Buch stellt eine feine, geistige Reise dar. Und lädt ein, das eine oder andere dabei zu vertiefen.
*

Und damit konnte ich auch nun preisgeben, über welche Buchseite die sehr eilige Platanen-Netzwanze in einem meiner letzten Beiträge huschte.

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Mother Earth

Mother earth
Notizbuchzeichnung aus den Nullerjahren

English below

“Erde”, ein Film von Nikolaus Geyrhalter, der zur Zeit in den Kinos läuft, zeigt den schonungslosen Umgang mit Mutter Erde – was  Steinbrüche und Minen betrifft.

Etwa 165 Millionen Tonnen Erde werden täglich durch den Menschen bewegt, durch Naturkräfte wie Wind und Wasser dagegen sind es 65 Millionen.

Der Film zeigt Szenen aus dem San Fernando Valley (USA), Kanada und Europa.  Meiner Erinnerung nach sind es 7 Großbausstellen.

Im San Fernando Valley wird ein Berg abgetragen, um auf 2000 ha Siedlungsraum zu schaffen.

In einem Salzbergwerk in Deutschland, das laut einem 79-er Film als absolut sicher zum Lagern von Atomabfällen bezeichnet wurde, ist man genötigt, Flickarbeit zu leisten, denn es kann Wasser in diesen Raum einsickern. Ein neues Endlager wird gesucht.

In Carrara ist man in der Lage, 100 mal mehr Marmorblöcke abzubauen als vor 30 Jahren. Technologie macht’s möglich.

Und so weiter und so fort.

Die Mitarbeiter auf diesen Megabaustellen schwanken zwischen “Freude am Tun mit einem großartigen Team ” bis hin zu Gewissensbissen. Doch auch diese sagen (sich): Was haben wir für Alternativen?

*

“Earth”, a film by Nikolaus Geyrhalter, which is currently in the cinemas, shows the relentless handling of Mother Earth – concerning quarries and mines.

About 165 million tons of earth are moved daily by humans, on the other hand there are 65 million by natural forces such as wind and water.

The film shows scenes from the San Fernando Valley (USA) to Canada. In my memory, there are 7 major construction sites.

In the San Fernando Valley mountains are cleared to create 2000 ha of settlement space.
In a salt mine in Germany, which according to a 79-film was absolutely safe for the storage of nuclear waste, one is forced to perform patchwork, because unexpectedly water seeps into this room.
In Carrara you are able to break down marble at least 20 times faster than you did years ago.
And so on.

The employees on these megabanks fluctuate between “joy of doing with a great team” to conscience. But these also say (themselves): What do we have for alternatives?

 

Besuch auf einer Erinnerungsstätte

Meiner Frau zeigte ich am 5.5.2019 den Ehrenfriedhof /die Kriegsgräberstätte bei Gemünden / Main-Spessart.
Ich war schon einige Male dort.

Statue

Seit Mitte der Fünfziger existiert diese Anlage.

Geht man über sie, stellt man fest, daß dort ab und an für ganz junge Männer ein Gedenkstein zu finden ist: 20-Jährige, 19-Jährige, auch 16-Jährige finden sich darunter.
Auch Frauen und alte Männer sind dort verzeichnet.
In Gemünden fand Anfang April 1945 ein Kampf um die Stadt statt.

Ein Onkel von mir ist dort auch in den Registern verzeichnet. Er war der 1. Sohn väterlicherseits.
Knapp nach seinem 29. Geburtstag ist er in Kuban/Russland gefallen.
Kurz zuvor war er auf Heimaturlaub, zusammen mit meinem (zukünftigen) jüngeren Vater, der woanders stationiert war, und er erzählte ihm bei dieser Gelegenheit, daß er  sicher nicht mehr heimkommen würde.
Das ist etwas, das mir mein Vater immer wieder erzählt hat.
Dem war auch so: Er fiel am 22.7.1943. Man hat dort in Kuban eine Stellung (für einen erneuten Zugriff) zu halten versucht, die gerade an diesem Tag maximalem Artilleriefeuer ausgesetzt war.

Ich lernte meinen Onkel nie kennen: Er war gelernter Kirchenmaler, Musiker (Geige)  und ein weltgewandter Mensch. Seine wenigen Gemälde sind verschollen.
Als Sohn einer musischen Mutter erbte er womöglich ihre diesbezüglichen Gene und auch in mindestens zwei Enkeln dieser Mutter lassen sich diese kunstwilligen Gene  finden.

Ich fand nur 2 Besuchereinträge für 2019 im Besucherbuch der Gemündener Anlage. Heißt das, daß solche Stätten immer weniger besucht werden?

 

Weg der Erinnerung

Am Berliner Ring in Würzburg fiel mir kürzlich zum ersten Mal eine Tafel auf, die auf die Deportation der Juden in der NS-Zeit hinwies.

Weg der Erinnerung

Mein Gefühl war, ob zurecht oder nicht, daß diese Tafel allgemein kaum bekannt ist.

Als ich im Mai dieses Jahres auf der Rückreise von Südtirol für zwei Tage im Ostallgäu Station machte, war ich vor Ort ganz entsetzt, übers Internet zu erfahren, daß unweit der Herberge einst ein Arbeitslager existierte, bei dem in kurzer Zeit die Hälfte der Belegschaft umkam.
Ich suchte am nächsten Tag die schwer zu findende jüdische Gedenkstätte am Rande eines Walds auf:

Riederloh

Werner Finck

Werner Finck

Ich sties vor kurzem wieder auf den Kabarettisten und Schauspieler Werner Finck, der mir seinerzeit, in den frühen Siebzigern, in seiner Wesensart ausgesprochen gefallen hat. Ich besitze auch sein Buch “Alter Narr, was nun?”.

Hier ein schönes Gespräch mit Friedrich Luft:

https://www.youtube.com/watch?v=oyFOYMW8b2c

Ich möchte nach und nach an einige Schauspieler erinnern, die auf mich in den 60ern und 70ern erheblich Eindruck gemacht haben.