Category: Gesellschaftliches

Weg der Erinnerung

Am Berliner Ring in Würzburg fiel mir kürzlich zum ersten Mal eine Tafel auf, die auf die Deportation der Juden in der NS-Zeit hinwies.

Weg der Erinnerung

Mein Gefühl war, ob zurecht oder nicht, daß diese Tafel allgemein kaum bekannt ist.

Als ich im Mai dieses Jahres auf der Rückreise von Südtirol für zwei Tage im Ostallgäu Station machte, war ich vor Ort ganz entsetzt, übers Internet zu erfahren, daß unweit der Herberge einst ein Arbeitslager existierte, bei dem in kurzer Zeit die Hälfte der Belegschaft umkam.
Ich suchte am nächsten Tag die schwer zu findende jüdische Gedenkstätte am Rande eines Walds auf:

Riederloh

Movienotes

The Florida Project

(USA 2017)

Haley, eine sehr junge, görenhafte Mutter, lebt mit ihrer 6 Jahre alten Tochter ganz in der Nähe von Disneyworld /Florida in einem Motel. Sie verdient sich den Unterhalt durch allerlei Gelegenheitsgeschäfte.

Der Film zeigt in epischer Breite das Leben der kleinen Moonee, die mit Spielkameraden und -kameradinnen allerlei Schabernack anstellt. Der Manager des Hotels, dargestellt durch Willem Dafoe, toleriert weitestgehend die Streiche der Kleinen. Wie ein “Diener des Herrn” managt er die verschiedenen Bedürfnisse und Schwierigkeiten der Bewohner dieses  Motels der Armen, ohne sich selbst darin zu verstricken.

Die junge Mutter Haley gerät durch zunehmende Zahlungsschwierigkeiten in dubiosere Gelegenheitsgeschäfte und dann auch offener als bisher Prostitution. Die Firnis ihrer Existenz gerät gänzlich ins Wanken, als sich eine Mitbewohnerin des Motels, eine enge Freundin, von ihr lossagt.
Moonee scheint von der Existenznot wenig mitzubekommen. Allerdings: Die besagte Freundin der Mutter, eine Serviererin, gibt nichts mehr durch eine Hintertür eines Imbisses, ein Fremder taucht unerwartet in der Wohnung auf, ein weiterer reklamiert Diebstahl. Alles Alarmzeichen, aber ihr Leben im täglichen Spiel draussen geht weiter.

Bis dann plötzlich das Jugendamt aufmerksam wird. Ab da bricht das Kartenhaus gänzlich zusammen und in einer bewegenden Schlussszene rennt Moonee mit ihrer kleinen Freundin Hand in Hand in einem schier endlos scheinenden Lauf zu einem Phantasieschloß des Disneyland.

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Kritik:

Der epische und breite Erzählstil war der Richtige, um diese Welt der Armen im Gleichklang der Tage zu schildern.
Die Hauptdarsteller überzeugten, allen voran Haley (Bria Vinaite ). Dann natürlich die Kinderdarstellerin Brooklynn Prince. Und zuletzt auch der wunderbare Willem Dafoe, den ich seit “Lightsleeper” (1992) so schätze.

Ein guter Film!

 

Movienotes

Arthur & Claire
(I’ll walk out in Tomorrow)

 

Zwei, die mit dem Leben abschliessen wollen, ein Mann etwa 60 und eine junge Frau!
Er krebskrank und sie beladen mit der Schuld am Tod ihrer 5-jährigen Tochter.

Sie treffen rein zufällig aufeinander, in einem Amsterdamer Hotel.
Unterschiedlicher können beide nicht sein. Er ein ruhiger Pedant, sie eine schön zu bezeichnende, aber kalt und agressiv wirkende Frau.
Die letzte Nacht verbringen sie gemeinsam gewollt/ungewollt in Bars und auf der Strasse.

Nach sehr kurzer ( unamoröser ) Nacht bricht Arthur in Hetze auf, um sich wie verabredet die Giftspritze geben zu lassen. Sorge macht ihm dabei sein ungewaschener Zustand!
Was sie dagegen macht, weiß man nicht. Es zeigt sich: Ihr Vorhaben Tabletten streicht sie kurzerhand aus dem Repertoire und übergibt dem Meer die Erinnerung an ihre Tochter und ihre Schuld. Sie ist willens, mit dem Bus nachhause zurückzukehren.

Was genau hat den Wandel bewirkt? Vielleicht solche Sätze wie in der Nacht, als sie ihm vorwirft: “Als Mann erschiesst man sich, lässt sich nicht töten.” Das Umherkreisen zwischen beiden war ein sich ständig Spiegeln im anderen. Sie hat die Spiegelung erkannt.
Arthur erkennt ebenso kurz vor knapp, daß er noch weiter leben möchte, vielleicht ein halbes Jahr.
Der Zufall will es, daß sie beide in den gleichen Bus finden – und ein Stück miteinander weiter reisen.

 

A Tale of Two Worlds. Experimentelle Kunst Lateinamerikas der 1940er- bis 80er-Jahre im Dialog mit der Sammlung des MMK

Vor ein paar Tagen war ich in Frankfurt unterwegs.
Von den drei Museen, die ich mir dabei zu Gemüte führte, gefiel mir das MMK1 am meisten.
Das MMK, das sind jetzt drei Ausstellungsorte, wobei das MMK1 der “älteste Bau” ist und von mir immer wieder besucht wird, zeigt seit jeher feine Gegenwartskunst und ist neben der Bonner Kunsthalle, die ähnlich unterwegs ist, immer Substantielles .

Die Ausstellung des MMK1 lautet “A Tale of Two Worlds. Experimentelle Kunst Lateinamerikas der 1940er- bis 80er-Jahre im Dialog mit der Sammlung des MMK“, Sie läuft vom 25. November 2017 – 15. April 2018.
Im MMK1 waren 16 Räume jeweils einem künstlerischen Thema zugeordnet. Einem oder mehreren Künstlern der Sammlung des MMK wurden jeweils lateinamerikanische Künstler zugeordnet, die auf die anderen/den anderen in gewisser Weise antworten. Als bekannte Namen waren u.a. Roy Lichtenstein, Francis Bacon , Lucio Fontana, Joseph Beuys  und On Kawara  vertreten.
Alle möglichen Kunstrichtungen fanden in dieser Ausstellung “Gehör”, von Mobile und konkreter Kunst bis zur schamanischen, von Wortkunst bis politischer Kunst, von Performance bis hin zu weiteren gesellschaftlich relevanten modernen Kunstströmungen.

Ich war von der Kreativität der gezeigten Arbeiten beeindruckt!

Hier einige Beispiele, die ich vom MMK zur Verfügung gestellt bekam:

 

Red_Ana_Mendieta_Raumansicht_MMK

Ana Mendieta mit ihrer sogenannten schamanischen Kunst. Einer der Filme zeigt, wie sie sich dem Element Wasser als eine Art Bündel übergibt. Die Konfrontation und der Kontakt des weiblichen Körpers mit den Elementen.

Flavio_de_Carvalho_Experiencia_No3_1956

Flávio de Carvalho, Experiencia n° 3, 1956

Eine zeitgeschichtlich sehr frühe “Performance” .

 

Gego_Tronco_n_2_ca_1975

Gego, Tronco n. 2, ca. 1975
Eine ganz feine Drahtstruktur, die sich im Luftzug bewegt.Ulises_Carrión_S.t._Print_pen_13___Untitled__not_dated__ca_1972_

Ulises Carrión, Sin titulo (Print + pen # 13), not dated, ca. 1972

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Nicht vergessen werden darf ein Raum mit Thomas Bayrle, von dem ich hier schon einmal berichtet hatte.

Dann natürlich auch Fotos der Aktion von Joseph Beuys und seinem lateinamerikanischen Kollegen, die mit Grünfärbung eines Canales in Venedig und des Rheins auf die zunehmende Vergiftung unserer Umwelt hinwiesen.

Politisch wird es, wenn von Repressalien und Folter die Rede ist. Eine Fotoserie etwa zeigte rotgefärbte , verschnürte Leinensäcke , an einem Ufer liegend. Dies eine dokumentierte Aktion.

Mir ist auch ein Künstler in der Ausstellung in Erinnerung, der u.a. Leute mit einer Kreidefigur umgab und dies zur Kunst erklärte. Ich denke, man nennt das Fluxus. Jedenfalls sprachen mich diese Dinge an.

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Eine mächtige Ausstellung des MMK, für die man sicher gut einige Stunden Zeit zur Verfügung haben sollte! Gerade weil ganz unterschiedliche künstlerische Tendenzen gezeigt werden und so jeder Raum “erobert” werden sollte.

 

 

Feine Museen auf der Achse Koblenz – Bonn

Ludwigmuseum

Ludwigmuseum in Koblenz

Im November war ich im Koblenzer Raum wegen eines Keramikkurses unterwegs. Museale Trips waren dabei fast notwendigerweise für mich inclusive:

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Im feinen Ludwig Museum im Deutschherrenhaus Koblenz sah ich zwei Ausstellungen:

Die farbgewaltige Malkunst einer Ruth Baumgarte und Kader Attia’s nachdenkliches Werk, das aus Fotos und einem preisgekrönten Film bestand.
Kader Attia’s zentrales Thema laut Ausstellung ist:

Geschichte und kultureller Fortschritt werde darin als eine endlose Abfolge von Reparaturen begriffen

So zeigt er in seinem Film Menschen, die ein Gliedmaß verloren und durch geschickte Montage wieder ganz erscheinen.

Hier die PDF zu beiden Ausstellungen, die ich vom Museum dankenswerterweise erhielt:

Ruth Baumgarte-Einladung

Einladung-DIN A5-Kader Attia-f

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Über die aktuellen Ausstellungen des Kunstmuseums Bonn hatte ich zuletzt berichtet. Dieses Museum besuchte ich am Tag danach.

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Den Schluß machte das Keramikmuseum Westerwald, das in seinen Ausstellungen stets dem Anspruch genügt, Kunst zu zeigen.
Das neue Konzept sieht neben Keramik auch Malerei, Fotokunst und Glas vor.
Darüber schreibe ich nochmal dediziert später.

 

 

 

Kunstmuseum Bonn: Nadia Kaabi-Linke

Im Kunstmuseum Bonn das mich zuletzt nie entäuscht hat, gab es gleich drei starke Ausstellungen: Präsentation einer Sammlung Fitting , wobei die Spannbreite von Max Ernst über Chillida reichte.
Die Gegenwartskunst wurde bedient durch Georg Herold und Nadia Kaabi-Linke. Beides sehr stark und beeindruckend.
Nadia Kaabi-Linkes Kunst war unbedingt daran geknüpft, daß man die Hinweistafeln las!

Ausstellungsansichten Kaabi Linke

Nadia Kaabi-Linke, Bonner Mythologien, 2017, Installationsansicht Kunstmuseum Bonn, Foto: David Ertl

Ausstellungsansichten Kaabi Linke

Nadia Kaabi-Linke, Bonner Mythologien, 2017, Installationsansicht Kunstmuseum Bonn, Foto: David Ertl

 

Zwischen 1938 und 1945 wurde das Gebäude des Bonner Arbeitsgerichtes als Außenstelle der Gestapo benutzt.
In seinem  Keller wurden Menschen gefoltert. Dort hat die Künstlerin Staub   und Spinnweben gesammelt.
Im Ausstellungsraum hat sie diese stark vergrößert projiziert und mit Graphit von Hand auf die Wand übertragen.
Die netzartigen Strukturen überwuchern wie Schatten an die Wand.

 

Hoffnungsgebende Meldungen (2)

Der ungeheure Berg an unabbaubarem Plastik in den Weltmeeren macht große Sorge.
Unlängst fand ich einige Meldungen, die von etwas berichten, was zunächst unglaublich erscheint: Es gibt Organismen, die sich von Plastik ernähren können.

Science at home hat schon 2016 von einem Bakterium berichtet, das PET abbauen kann.

Plastikverzehrer

2017 wurde eine Raupe bekannt, die sich von Plastik ernähren kann:

Larve der Großen Wachsmotte

 

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