Category: Schach

Ohne mich

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Meine Schachmannschaft hat den Klassenerhalt geschafft !

Allerdings ohne mich.

Die im Coronajahr 3 angesetzten Spiele wollte und konnte ich nicht mitspielen. Einem Gegner 5 Stunden eng gegenüber sitzen konnte ich mir nicht vorstellen. Andere in meiner Mannschaft gingen das Risiko ein. Es gab nur einen weiteren Leistungsträger, der auch das Mitspielen verweigerte.

Nun werde ich in der kommenden Saison also weiterhin Mannschaftsschach spielen. Immerhin betreibe ich dieses Hobby schon 51 Jahre. Aufgeben werde ich es nicht , obwohl ich wiederholt daran gedacht hatte.

Aber dann könnte ich auch gleich anderes aufgeben wie etwa meine Insektenfotografiererei.

Wo käme man da hin?


Das Rascheln

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Im Kurort Bad Kissingen, wo ich gerade eine Woche war, gab es früher hochklassige Schachturniere, u.a. auch einmal ein sogenanntes Kanditatenturnier, in dem 8 Top-Grossmeister um das Recht kämpften, den Weltmeister herauszufordern.

Ich schaute damals dabei zu, es war ein grandioses Ereignis, ähnlich vielleicht wie Leonard Bernstein persönlich kennen zu lernen (was ich nie tat).

Ich stand unmittelbar an den Brettern. Keine 3 m entfernt.

Es versteht sich von selbst, daß man sich da an äusserste Ruhe hält.

Ich erinnere mich, daß neben mir jemand seine Schokolade auseinanderbrach und zudem mit der Plastikumhüllung raschelte.

Man muss wissen, daß so mancher große Spieler vielleicht nur einmal im Leben die Chance erhält, im Kanditatenturnier mitzuspielen. Und daß ein falscher Zug aufgrund einer Störung eine Partie zerstören kann. Jeder, der selbst mal Schach unter Turnierbedingungen spielte, weiß das.
Ein Kumpel sagte mal adäquat zum Lärmproblem: “Die Stellung verträgt keinen Hauch!”.

Noch heute denke ich an das mir fatal erscheinende Rascheln. 30 Jahre danach.

Ich erinnere jetzt so manches wieder, was lange schon zurückliegt.


Die gestrige Schnellschach-WM

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Miniemblem von mir

Ein 17-Jähriger gewann gestern die Schnellschach-Weltmeisterschaft.
Ich schaute zu, war erstaunt, daß sich die Koryphäen wie der 31-jährige Carlsen nicht durchsetzen konnten.

Carlsen selbst betrat vor 18 Jahren mit 13 (!) die internationale Bühne, ebenso wie Bobby Fischer in den 50ern.

Die Performance des 17-jährigen gestern verfolgend erinnerte ich mich an eigene Erfahrungen:

Mit 64 Jahren nahm ich vor 3 Jahren als ältester Teilnehmer der Blitzschachmeisterschaft (5 Minuten Partien) von Bayern teil und hatte mir insgeheim erhofft, vorne mitzumischen.
Gegen einen18-Jährigen, der das Turnier dann auch gewann, hatte ich Vorteile, aber verlor durch einen dummen Fehler.
Einem fast gleichaltrigen Teilnehmer klagte ich darauf mein Leid. Der meinte nur salopp “Die lachen Dich aus, die Jungs!”.
Ja, er hatte recht, die sind so schnell, auch in ihrer Auffassungsgabe, rasend schnell und da hast Du als “Alter” meist das Nachsehen, egal, was Du vom Spiel verstehst.
Man geht als Oldie einfach mit Handicap in solche Turniere.


Schach im Internet

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Miniemblem von mir

In Island 1972 fand der Schachweltmeisterschaftskampf Boris Spassky gegen Bobby Fischer statt.
Jeden 2. Tag gab es damals in der Main-Post die Kurznotation der jeweiligen Partie, ein “kleines Gesetzchen” wie man sagte, und ich als Novize des Spiels versuchte durch blosses Nachspielen zu verstehen, was da in der Partie vor sich ging.


Von 1977 bis 2005 gab es gelegentlich TV-Sendungen mit Grossmeister Helmut Pfleger, oft gemeinsam mit Vlastimil Hort. Diese Sendungen waren im Grunde das einzige Medienangebot an die Schachfreunde damals.

Ab Mitte der 90er und danach wurde Schach im Netz immer populärer.

Seitdem die Pandemie herrscht, legten die Anbieter zuletzt noch einen Zahn zu und präsentieren regelmässig Einladungsturniere im Netz. Das letzte Angebot ist eine Turnierserie mit Namen “Meltwater”.

Das Niveau dieser Veranstaltungen hat technisch wirklich ein neues Level gezeitigt. Gab es noch vor 2 Jahren nur Live-Kommentierungen auf Deutsch, Englisch und evtl.Spanisch, so sind es jetzt auf Chess24 12 Kanäle.
Man setzt dort wahre Könner ein, wirkliche Spezialisten wie den gut deutsch sprechenden Rustam Kasimdzhanov (Exweltmeister). Auf alternativen Webseiten findet man auch solche Grössen wie Arkadij Naiditsch. Solche Leute verstehen so viel von dem Spiel, dass ihre Anmerkungen ungemein instruktiv sind.
Besseres kann es nicht geben.

Da diese Turniere online stattfinden, haben sich die eingeladenen Spieler verpflichtet, keine Schach-Software zu benutzen. Würden sie es trotzdem tun, würde es leicht auffliegen, denn eine gut entwickelte Cheatingsoftware prüft die Züge recht zuverlässig.

Ich bin froh, dass es dieses Angebot gibt. Selbst wenn es wieder Offlineturniere für die Großen der Zunft geben sollte, werden diese Turniere im Netz eine gute Alternative bleiben.