Category: Schach

Die innere Logik des Schachs

Fast für die ganze Zeit meines Lebens bin ich Schachspieler.

Ja, ich  b i n  Schachspieler. Auch wenn es mich eigentlich sträubt, mich als solchen zu bezeichnen. Aber … ich bin einer! Voll und ganz. Mit Haut und Haar!

Die Erforschung dieses Spiels hat mir sehr viel gegeben.

Schon sehr bald merkte ich, daß das Spiel kaum auszuloten ist.
Es ist im Grunde zu schwierig, “nicht von dieser Erde”, wie es so schön heißt.

Nun, das Spiel (oder deutlich besser: die mathematische Aufgabe Schach (!)) ist nicht zu schwierig, um recht weit im Verstehen des Spiels zu kommen, wenn  man sich nur genug und ausdauernd hineinkniet (das tat ich natürlich) und – zudem – spürt,  daß die Materie für einen selbst nachgiebig ist, sich also aufschlüsseln lässt….und auf einen “gerne zukommt”.

Hat man dann irgendwann ein “deutliches” Niveau erreicht, beschleicht einen gern … die Hybris!! Man meint insgeheim, man wäre … Gott! Weil man z.b. instinktiv und sofort den Gehalt einer Schachposition im Vorübergehen erkennen kann. Also kommt mit der Erkenntnis oft das Gefühl von “Grösse” einher!
Aber – da es immer jemanden geben wird, der etwas tiefer blicken kann und das Geheimnis dieses Spiels besser versteht, und hier kommt die im Titel angesprochene Logik des Spiels zum Zug – reicht dieses bisschen Mehr an Verständnis aus, um meist überlegen zu sein.

Verstehen ist offenbar nicht nach oben begrenzt.

 

Analysen

Analysen

Meine Zeit der engagierten Beschäftigung mit Schach liegt schon eine gute Weile zurück.
In den 80ern und noch Anfang der 90er spielte ich in den 3 höchsten Klassen.
Je höher man spielte, umso zäher waren die Kämpfe, leichte Fehler oder falsche Auffassungen einer Schachstellung führten in den Mannschaftskämpfen oft zu langanhaltenden Verteidigungssituationen.
Dieses sportliche Element hatte was für sich – zäh war ich ja schon immer.
Was ich aber im Grunde noch mehr schätzte und was ich später in meiner langen schachlich inaktiven Zeit  vermisste, waren die Analysen der gespielten Partien mit den Kameraden bzw. Gegnern direkt nach den Mannschaftspartien.

Diese gemeinsamen Analysen verbreiterten oft das Verständnis der „erlebten“ Stellungen. Eine etwas andere Auffassung oder Kenntnislage, die emsige Suche nach der Wahrheit bereicherte. Man war ja auch immer gesteigert aufmerksam nach der Partie – das half. Es wurde meist nicht vorschnell geurteilt, wohlwissend, daß sich die Wahrheit nicht so leicht erhaschen lässt.

Dieser intensive Austausch fehlt mir jetzt, weit mehr als der sportliche Aspekt des Spiels.
Doch wenn ich nachfühle, waren diese gemeinsamen Analysen immer recht selten.
Aber ich empfinde sie jetzt als sehr wertvoll. Mehr vielleicht als damals.

Carlsen versus Karjakin

Der WM-Kampf im Schach zwischen dem norwegischen Weltmeister Carlsen und dem Herausforderer, dem Russen Karjakin steht nach 10 Partien und noch zwei ausstehenden Partien bei 5:5.

Der haushohe Favorit Carlsen sties bisher auf harten Widerstand, viel härteren, als er nach den  Erfahrungen mit Karjakin vor der WM gedacht hatte. Zudem entfaltete Carlsen nicht seine besonderen Fähigkeiten in bestmöglicher Weise. Seine typische Genauigkeit und Präzision vermisste man eins ums andere Mal. So gelang es ihm bisher nicht zu dominieren.

Laut Kasparov, dem früheren Weltmeister im Schach, sollte ein Weltmeister das Spiel revolutionieren, zumindest einen neuen Aspekt ins Spiel einführen. Das sei sozusagen seine Pflicht, sein Tribut an das königliche Spiel.
Von einigen Weltmeistern kann man das durchaus so konstatieren. So brachte Karpov Mitte der 70er peinlich umfangreiche Eröffnungsarbeit ein. So genau hatte bisher niemand seine Eröffnungssysteme untersucht. Es genügt ihm nicht, jeweils an einem bestimmten Züge-Horizont eine Bewertung abzugeben, nein, sie musste durch weitergehende Forschung untermauert werden.
Carlsen brachte als Neues hervor, daß die sogenannte Remisgrenze eine viel engere ist, als gedacht. Selbst in harmlosen Stellungen pflegt Carlsen bei bestem Spiel noch unscheinbare Züge zu finden, die das Gleichgewicht nach und nach  verändern. Von dem einstigen Remistod  des Spiels, irgendwann Mitte des 20. Jahrhunderts befürchtet, ist jedenfalls nicht mehr die Rede.
Kasparovs Diktum finde ich persönlich als zu anspruchsvoll. Nicht jeder Weltmeister kann auf rein schachlichem Sektor  etwas völlig Neues beitragen. Was Karjakin bisher auszeichnete, waren ein gutes Grund-Selbstvertrauen und eine besondere Zähigkeit in schlechten Stellungen. Resilienz eben. Er ist zudem ein universaler Spieler, d.h. er ist sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung superb.

Diesen Samstag und Sonntag finden die letzten 2 Partien statt. Sollte da keine Entscheidung fallen, dann gibt es ein Stechen mit kürzerer Bedenkzeit.