
Als ich heute im Garten war, radelte ein Freund aus meiner Kindheit vorbei.
Mit ihm baute ich einst eine Baumhütte.
Er rief mir nur meinen Namen zu, dann war er mit seiner Frau verschwunden. Ich rannte ihm noch nach, ohne die beiden aufhalten zu können.
Dasselbe passierte mir im Grunde vor Tagen, als ich nach fast zwei Jahren Pause eine ehemalige Mitfahrerin im Bus von der Arbeit wiedersah. Auch hier keine Zeit.
Unlängst telefonierte ich auch zu dritt mit zwei engen Freunden, die ich 7 Wochen nicht mehr gesprochen hatte. Der eine meinte, er wäre lieber für sich, alles wäre ihm zuviel.
“Aber man muss doch gerade in diesen Zeiten mit jemand Vertrautem sprechen – und nicht nur mit dem Ehepartner?!” Das lies er nicht gelten, er brauche gerade jetzt seine Ruhe.
Zu gutem Schluss: Als ich heute wieder der schwarzen Holzbiene an der Sal-Weide nachstellte, trippelte eine 82-jährige Frau vorbei, die im letzten Sommer ihren Mann verloren hatte. Ihr Leben war bis zu seinem Tod nur auf Zweisamkeit ausgerichtet gewesen.
Ihre Tochter und Cousine wimmeln jetzt auch ab, wenn sie mit ihnen reden will. Also macht sie ihre kleinen Spaziergänge, um nicht ganz zu versauern.
Keine Zeit.



