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Bitten by the bug

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Das kann vielleicht ein längerer Artikel werden.

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Ich saß wieder mal über Fotos eines Insekts, diesmal einer merkwürdig dicklichen Wespe. Ich hatte sie noch nie gesehen, erkundigte mich im Netz, wie sie denn heisst und dann auch, wie ihr Lebensablauf ist:
Nun: Ei, Larve, fortpflanzungsfähiges Insekt. Dennoch sehr spannend und mit unerwarteten Details gespickt.

Ich klagte ein wenig meiner Frau gegenüber, die das Foto der Wespe zufällig auch sah, daß ich zuviel Arbeit reinstecke…und letztlich wozu? Für wen?

“Für Dich” meinte sie, “Dich erfreut das”. Was es alles Interessantes zu entdecken gibt und wie alles zusammenspielt.

Nun, das ist ein starkes Argument! Mich interessiert das, für mich ist das wie Wandeln auf Gold.

Meine Funde allerdings sieht kaum jemand.

Jeden Tag wandern 5 – 30 sehr gute Fotos in sogenannte Extrakt-Ordner. Leicht bearbeitet und sauber bestimmt.
Wie gesagt, die allermeisten der Fotos sieht niemand – ausser mir.
Manchmal stelle ich ein paar in den Whatsapp-Status. Oder nehme mir ein, zwei Fotos daraus und schreibe einen Artikel.
Die Fundstücke gelingen meist durch eine gewisse Hartnäckigkeit. Manchmal bin ich 3, 4 mal am Tag für kurze Zeit draussen, etwa an einer Hecke mit 10 m Länge. Dadurch entgeht mir nicht allzuviel. Ohne diese Emsigkeit hätte ich auch diese Wespe oben nicht entdeckt, “in 10 Jahren nicht”.

Aber das alles kostet Zeit. Nimmt gehörigen Raum ein.
Ist so etwas auf Dauer gerechtfertigt?

Macrolophus pygmaeus

Diese Raubwanze ist vielleicht nur 3 mm lang, wirkt mit bloßem Auge wie Pflanzenstreu.

Ich vermutete eine Zwergzikade, die oft genauso lang ist und auch etwa 1 mm breit.

An den schwarzen Fühleranfängen dieses Winzlings erkennt man die Art dieser Weichwanze.

Mein Interesse geht immer mehr zu den echten Winzlingen, die trotz ihres Mikrogehirns alles können, was sie für ihre Existenz benötigen.

Es ist noch ein Geheimnis, wieso sie dazu in der Lage sind.

Transformation einer Erzwespe

Welche bauchige Schönheit! Die winzige Leucospis dorsigera
Kopfstudie
Der Hinterleib, mit dem es etwas auf sich hat
Hier spriesst plötzlich wie aus dem Nichts ein Stachel! Der Legebohrer (Ovipositor) ruhte, nach oben umgeschlagen, auf dem Hinterleib (Abdomen).

Im Netz lese ich:

Leucospis dorsigera wählt zur Eiablage nicht den Nesteingang der Wirtsbiene, sondern bohrt die Brutzelle des Wirts durch das Holz bzw. die Stengelwand neben dem Nesteingang an. Dazu krümmt sie das Ende ihres Hinterleibs stark nach unten und treibt den aus seiner Scheide gerutschten Legebohrer unter ihrem Körper ins Holz. Wenn diese zeitraubende (bis 20 min dauernde) Prozedeur geschafft ist, legt die Erzwespe ein sehr schmales Ei in den Kokon der (schon weit entwickelten) Wirtslarve. Die geschlüpfte Erzwespen-Larve tötet zunächst eventuell vorhandene konkurrierende Artgenossen und saugt dann die Wirtslarve vollständig aus. Sie spinnt keinen eigenen Kokon und überwintert als Ruhelarve.

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Auch nicht die feine Art. Aber irgendwo wird so der Bohrleistung Tribut gezollt.

Von dem Gelingen ihrer Aktion erfährt natürlich die Wespe nichts mehr. Das ist alles auf Treu und Glauben gebucht.