Im Jahr 2020 geht es dank Christiane mit den Etüden weiter. Die Wortspende stammt diesmal von Corlys Lesewelt. Ich beteilige mich gerne an dem Projekt, nun schon in der 5. Etüden-Ausgabe des Jahres.
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Schnapper nannten wir Jungen ihn frech. Oft kam der gehbehinderte alte Mann kurz vor Sonnenuntergang ins Lokal, um Automat zu spielen. Zudem war es in der Wirtsstube warm.
Meist aber waren wir Jungs schon da und versuchten verzweifelt, den Geldautomat auszutricksen. Der Alte musste sich derweil gedulden, saß zwei Tische hintenan und wartete.
Wir wollten den Mann etwas ärgern: Wir taten so, als würden wir gerade gewinnen. Stattdessen liesen wir nur unser eingeworfenes Geld heraus, die Münzen flogen nur so. Einen Freudestanz vollführten wir dazu. Der alte Mann wurde ganz unruhig, weil Geldausschüttung bedeutete, daß der nächste Spieler kaum mehr etwas gewinnen würde. Er bezahlte daher und ging.
Diese Geschichte kommt mir immer wieder mal in den Sinn, werde ich doch jetzt selbst alt. Noch habe ich kein derartiges Leiden wie der alte Geldautomatenspieler. Und bin auch nicht einsam! Habe also andere Möglichkeiten noch.
Das Überseemuseum Bremen, das direkt neben dem Hauptbahnhof liegt, wollte ich zunächst bei meinem 5-Tage-Trip nach Bremen links liegen lassen. Ich las einige negative Kritiken, was sich aber vor Ort als nicht zutreffend herausstellte. Das Haus präsentierte sich liebevoll, es gab eine Unmenge sorgfältig präsentierter Exponate und auch die Themen waren absolut up to date.
Im Erdgeschoss war der asiatische Raum präsent.
Eingangs sties man dabei auf ozeanische Kunst:
Das Seelenboot (Indonesien):
Ahnenfiguren und Schildkröte sitzen im Boot. Das Boot spielt bei der Initiation eine Rolle.
Im vorderen Teil des unteren Stockwerks werden auch die Religionen des asiatischen Raums präsentiert.
Weiter hinten gibt es einen Gegenüberstellung historischen und gegenwärtigen Lebens in Asien. Dicht an dicht.
Spannend fand ich eine Gegenüberstellung von Shanghai und Bremen, was Umweltprobleme betrifft wie Abwasser und Müll. In manchen Bereichen geben sich die beiden Städte nichts.
Zeitgenössiche Kultur in Japan.
Im nächsten Stock wird Afrika thematisiert. Hier interessierte mich die Geschichte der Herero in der ehemaligen Kolonie “Deutschsüdwestafrika”:
Eine weitere grosse Tafel zeigt berühmte Männer und Frauen des afrikanischen Kontinents, die ihre Stimme erhoben haben.
Eine Etage höher ist der amerikanische Kontinent vertreten.
Blick aus der Mitte hinunter:
Fazit:
Dieses Museum schafft es auf engen Raum vieles exemplarisch zu verbinden:
Tradition und Moderne Natur und Technik Religion und landestypische Überzeugungen Vergangenheit und Zukunft
Man könnte eine solche Schau als ein Durcheinander begreifen. Aber ich denke, die Museumsleiter sind mit dem verfügbaren Raum sehr clever umgegangen. Nichts ist verstaubt, vieles aktuell. Ich fand diese Schau sehr beispielhaft.
Wer sich inspiriert fühlt, kann sich ja über jedwedes Thema zuhause selbst informieren: Über Fasane, Paradiesvögel, Urwaldleben, Hochgeschwindigkeitsbahn, Lebenswirklichkeiten in Indonesien, Japan, China, Brasilien, USA ect. Insofern toll anregend!
Ich hatte früher die Angewohnheit, mich durch kleine “Selbstportraits” auszuloten. Ich führte dazu zeitweise ein kleines Notizbüchlein.
Beim Durchblättern dieser Aufzeichnungen heute sties ich auf dieses Selbstportrait vor der Jahrtausendwende.
Was drückt es aus?
Eine spannende Frage! Ist doch die Deutung des Gesichtsausdrucks, las ich heute, für die KI noch schwierig. Sie scheint nicht in der Lage, Emotionen auf Gesichtern allzeit richtig und zweifelsfrei zu lesen. Emotionen sind eben kontextabhängig und dieser wird ja KI meines Wissens nicht mitgeliefert. Im “Universum” Bremen, wo ich im Februar war, gab es zufälligerweise einen Stand, an dem man Gesichtern zuschreiben sollte, ob sie Freude, Zweifel, Ekel, Angst, Erleichterung ect ausdrücken. Etwa 75 % der Gesichter bewertete ich richtig. Ein recht guter Prozentsatz, dennoch lag ich einige Male sehr daneben. Selbst wenn man sich länger Zeit lässt, hat man Schwierigkeiten, einen der vielleicht 8 Kategorien zuzuordnen.