Vorauseilender Gehorsam

Dies ist ein Artikel zu Christianes Einladung.

Bei dem Wort “Fluchtsieger” fällt mir das Fluchtverhalten von Insekten ein.
Als ich im September Insekten auf der Goldrute fotografierte, stellte ich fest, daß sie i.d.R. spätestens ab Abstand 20 cm von mir flohen. Dieses Ad-hoc-Verhalten ist zu verstehen, denn zu der Zeit kreisten Hornissen um den Busch, in der Hoffnung auf Beute. Weniger für sich als für den Nachwuchs.
Nähert man sich sehr sacht, dann kann man seine Kamera beliebig füttern, sie dulden die Gegenwart. Wichtig ist ebenso ein bedachter Rückzug.

Das oft unnötige Auffliegen der Insekten wird ihnen wenig Energie kosten. So wenig, daß vielleicht 500 Kurzflüge pro Nektaraufnahme an einer Blüte möglich sind. Sicher gibt es dazu Untersuchungen, die ich aber jetzt nicht aufzufinden suche.

Große Insekten werden auch oft durch kleinere vertrieben. Wunderbar demokratisch ist das. Das Recht des Stärkeren ist da ausgesetzt. Auch grasen oft sehr unterschiedlich große Insekten auf einer einzigen Blüte, ohne sich etwas wegzunehmen. Da wird eng an eng Nektar gezogen. Man weicht sich da nur aus, um weitere Weidegründe zu erschliessen.

Das Bild oben zeigt so einen Fall im Oktober 2022: Ein Marienkäfer teilt sich mit einer kleinen Fliege den Nektar eines Efeu-Diskus.

Wortungetüme

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Das Neuwort des Jahres 2023 könnte durchaus “Fluchtsieger” werden , ein Wort das ich bisher bei Google nicht finden kann. Dazu allerdings müsste es in Christianes Etüdenbeutel recht ordentlich klingeln! Sowas von! 🙂

Wieso komme ich eigentlich – auf Umwegen – auf Klingelbeutel? Vielleicht weil ich seit Ende der 90er nicht mehr so gut mit “Schwarzkitteln” kann. Da rumort es ständig in mir. Aber ich bin nicht alleine damit.

Weg von den Beuteln: Ich las unlängst wieder in Bastian Sick’s wunderbarem Buch über die deutsche Sprache.
Was man da an Sprachsünden liest, füttert die Phantasie ziemlich stark. Sick deutet ja immer an, wie manche existenten Wortungetüme noch etwas extremer sein könnten. Und zeigt auf, daß manches tatsächlich schon mal vorkam.

Aber wer bin ich denn? Kann ich als ein ordentlicher Nutzer der deutschen Sprache firmieren? Mit meinem Deutsch?
Das müssen andere beurteilen. Vielleicht schlackern mir dann die Ohren.

Ich werde das aushalten.
Ich stehe ja nicht in der breiten Öffentlichkeit, in der manchmal Leute mit der deutschen Sprache auffällig locker umgehen. Was haben wir da nicht schon alles an Unwörter gehört in letzter Zeit!?
Vielleicht wollen diese Leute damit aber letztlich nur in die oben genannte Liste?! 🙂

Die Flucht nach vorne antreten

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Ich war schon immer der Leichtathletik zugetan. Vielleicht war der Nachbarjunge daran schuld, der mich eine Zeit lang zum Frühlauf vor der Schule animierte.

Als Heranwachsender trainierte ich mit anderen Jungs zeitweise die 400 m.
Mein Bruder war auch dem Laufen zugetan, ich hatte vor, mit ihm Marathon zu laufen. Aber mit Mitte 20 versagten meine Gelenke plötzlich den Dienst. Ich gab das Laufen völlig auf.

Dennoch blieb ich der Leichtathletik erhalten, wenn auch es zu Anfang sehr schmerzte, anderen zuzuschauen.

Auf Sportfesten fand ich am spannensten Mittel und Langstrecke.

Auf diesen kann man als Spitzenläufer während des Laufs “zurückstecken”, sich also nicht ganz nach vorne schieben. Man täuscht so evtl. Unsicherheit vor, ein fehlendes Vertrauen in seine Fitness. Der Konkurrent, der das so liest, ergreift meist die Flucht nach vorne, kann aber dann belehrt werden, dass er nicht wie erwartet “Fluchtsieger” wird, sondern auf den letzten Metern vom vorher Zögernden überholt wird.

Wunderbar ist es natürlich, wenn der lange Sprint, das Nachvornelaufen von Anfang an dennoch zum Erfolg führt. Solche Start-Zielsiege füttern das Renommee des jeweiligen Läufers, sie gehen meist in die Annalen ein.

Solche Läufe sehe ich mir immer wieder gerne in der Wiederholung an. Sie verlieren ihren Reiz nicht.

Ein Statement der besonderen Art

Dieser Prospekt steckt seit Mitte 2020 in einer Baumkerbe.

2020 dachte ich zunächst an ” Kunst im öffentlichen Raum”. Wieso in Zeiten der Pandemie nicht den Naturraum nutzen für Installationen aller Art?!

Ich fand damals Reifen, verrostetes Gestell. Attrappen, verwegen angemalte Zäume von Schrebergärten. Biergläser in einem Astloch. Und vieles vieles mehr.
Alles moderner Prägung.
Fast hätte ich selbst etwas in den Wald eingestellt !

Anyway: Der Prospekt steckt immer noch.

Vielleicht war es damals ein stiller Protest, weil die Theater geschlossen wurden?! Hermetisch dicht waren sie ja.

Wie dem auch sei: Der Verursacher hat seine Botschaft nicht wieder aufgehoben, sie prangt immer noch neben einem Spazierweg in einem Bau m.
Ich entfernte sie auch nicht, schon gar nicht am letzten Tag des Jahres 2022.
Denn ihre Bedeutung kann sich ja immer noch wandeln.
So ist das nun mal mit Kunst.