Category: Wissenschaftliches

Jens Soentgen “Von den Sternen bis zum Tau”

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Diese besonderen 6 Punkte unter den Sternen auf dem 1 Cent Stück. Was lässt sich dazu sagen?

Der Durchmesser dieser Punkte ist jeweils genau 54 Mikrometer.
10 Mikrometer lassen sich gerade noch mit dem Auge wahrnehmen.

Jens Soentgen verwendet dieses Beispiel mit dem 1-Cent-Stück, um in seinem Buch “Von den Sternen bis zum Tau” die Größe von Staubkörnern zunächst mal zu veranschaulichen. Danach geht er auf weitere Versuche ein.

Übrigens gilt: Grobstaub ist größer als 10 Mikrometer; Feinstaub kleiner als 10 Mikrometer.

Kleinstes und Größtes, von Molekülbewegungen bis zu kosmischen Größen, durch eigen angestellte Versuche praktisch erfahrbar zu machen, das ist das Anliegen von Jens Soentgen in seinem hervorragenden Buch. Man braucht in vielen Fällen kein teures Instrumentarium, sondern kann sich durchaus mit geeigneten, gewöhnlichen Mitteln behelfen. Jens Soentgen zeigt dies bewundernswert auf.

Dehaene: “Denken”

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Stanilas Dehaenes Buch über das Denken kam schon 2014 raus.
Ich hatte es mir gekauft, nachdem ich mir das Vorgängerwerk über das Lesen gekauft und mit Gewinn 2015 gelesen hatte. Erst jetzt las ich “Denken”.

Ich wage jetzt mal eine schnelle Rezension, flott heruntergeschrieben und ohne Auszüge.

Dehaene gemäss fängt Bewusstsein an, wenn der sogenannte “globale Arbeitsbereich des Gehirns” zu feuern beginnt. Vorher, bei nur lokaler Erregung der mit dem Sehzentrum verbundenen Arealen, können festgestellte Inhalte wirken, aber nur unterschwellig und kurzfristig.

Wenn der globale Arbeitsbereich involviert wird und das bei genügend langem (300 ms)Input, werden Informationen in diesem Bereich hin- und zurückgeleitet, es wird gerechnet, mit anderem Material abgeglichen. Diese immense, vollumfängliche Arbeit sei Zeichen eines Bewusstseins.
Der globale Arbeitsbereich sei aber auch per se aktiv, auch ohne sensorischen Input. Etwa unsere grüblerischen Gedanken rühren letztlich von elektrischen Fluktuationen  her.

Erst ganz zum Schluß dieses für mich persönlich etwas mühsamen Buchs, auf den letzten dreissig Seiten, kommt Dehaene auf das Phänomen “Nachdenken über sich selbst und die eigenen Gedanken”, also das Star-Phänomen der Bewusstseinsforschung.
Hier outet sich Dehaene als Materialist. Er glaubt, daß dieses Phänomen nichts Besonderes sei und letztlich auch zukünftiger Software zustehen werden wird.
Das Phänomen “Qualia” ortet er als eine Art Täuschung. Wenn die Wissenschaft fortschreite, werde dieser Knackpunkt sich von sich auf auflösen.

*

Ich habe in diesem Buch wieder sehr viel über Gehirnvorgänge gelernt. Auch über trickreichste Versuchsanordnungen, um Bewusstsein dingfest machen zu können und nicht einer Täuschung oder Fehlinterpretation zu unterliegen. Dennoch lässt mich das Schlusskapitel etwas ratlos zurück.
Dehaene bleibt weiter in meinem Fokus, zu gut war das Buch übers “Lesen”.

 

 

 

McGurk-Effekt

Stanislas Dehaene erwähnt in seinem Buch “Denken” den sogenannten McGurk-Effekt:

Das Gehirn erzeugt bei widersprüchlichem Input (linkes Auge gegen rechtes Auge) oder Sehsinn gegen Hörsinn eine unterbewusste Lösung, die es dann dem Bewusstsein anheim gibt.
Durch solche und ähnliche Effekte hat man immer mehr verstehen gelernt, wie ein Gehirn verschaltet ist.
Was das Sehen angeht, ist die explizite Forschung dazu mindestens 200 Jahre alt. Das verblüffte mich.

 

Buch: Klaus Lunau: Warnen, Tarnen , Täuschen

In Klaus Lunas Buch, das ich von einem Biologen als Geschenk zum Geburtstag bekam (daaaaaanke) , geht es ganz allgemein um Signale in der Tierwelt, die etwas anzeigen sollen oder auch vortäuschen wollen.

Die Vielfalt der in der Tierwelt angewandten Strategien, um zu warnen und zu täuschen, ist enorm und oft wahrhaft komplex, anders kann man es nicht sagen.

Um nur zwei Beispiele willkürlich herauszugreifen:

Die Fliege Poecilobothrus nobilitatus schafft 12,5 Körperdrehungen um die Körperhochachse pro Sekunde bei Schauflügen für Weibchen!

Solcherlei Artistik signalisiert sexuelle Fitness. Da der Aufwand für solche Künste enorm ist, zeigt das immer ein Tier an, das es sich neben all den notwendigen Features einer Kreatur leisten kann! Das Weibchen jedenfalls honoriert die Fitness.

Das Buch endet nach vielen haarsträubenden Beispielen in einem Kapitel “Ausblick”. Damit ist aber nicht eine Vorausschau an Mimkrythemen gemeint, sondern ein Blick auf jüngste Fälle der Forschung, wie es sich für einen Forscher wie Lunau geziemt:

Lunau erzählt vom sogenannten Nasling.

Die mausgroßen Säugetiere besitzen erstaunlich entwickelte Nasen. Bei Ranucolonasus pulcher sind alle sechs Nasenlappen zu Fangarmen differenziert. Jeder Fangarm endet in einem vierlappigen Fangapparat, der in Fangstellung in Form und Färbung einer Hahnenfußblüte gleicht. In Blumenwiesen kann Ranucolonasus pulcher die Fangarme unabhängig voneinander in Höhe der Blüten in Fangstellung platzieren. Ein spürbarer Buttermilchgeruch lockt blütenbesuchende Insekten an, von denen sich das Tier ernährt…

So oder so ähnlich sind viele Beispiele, eine Unmenge davon in einem scheinbar schmalen, aber großformatigen Band von 147 Seiten!

Dieses Buch ist das bisher beste über Mimkry, das ich bisher gelesen habe.

Natürlich kann es nicht explizit beantworten, wie Tiere und Pflanzen jeweils Mimikry entwickeln können. Die allgemeine Antwort ist hier Co-Evolution! Aber dennoch: Wie kann ein Schmetterling (als einfacheres Beispiel) ein Auge imitieren, wie genau geschieht das? Woher weiß das Tier, wie ein Auge aussieht? Woher weiß es, wie ein Auge für dieses oder jenes Wesen aussieht? Und dergleichen mehr.

Was das Buch bietet, ist, eine unerschöpfliche Menge verschiedenster Phänomene aufzulisten, die allesamt verifiziert und mit entspr. Versuchen geprüft sind. Und darin, wie gesagt, findet sich wohl kein zweites Buch.