Buch: Klaus Lunau: Warnen, Tarnen , Täuschen

In Klaus Lunas Buch, das ich von einem Biologen als Geschenk zum Geburtstag bekam (daaaaaanke) , geht es ganz allgemein um Signale in der Tierwelt, die etwas anzeigen sollen oder auch vortäuschen wollen.

Die Vielfalt der in der Tierwelt angewandten Strategien, um zu warnen und zu täuschen, ist enorm und oft wahrhaft komplex, anders kann man es nicht sagen.

Um nur zwei Beispiele willkürlich herauszugreifen:

Die Fliege Poecilobothrus nobilitatus schafft 12,5 Körperdrehungen um die Körperhochachse pro Sekunde bei Schauflügen für Weibchen!

Solcherlei Artistik signalisiert sexuelle Fitness. Da der Aufwand für solche Künste enorm ist, zeigt das immer ein Tier an, das es sich neben all den notwendigen Features einer Kreatur leisten kann! Das Weibchen jedenfalls honoriert die Fitness.

Das Buch endet nach vielen haarsträubenden Beispielen in einem Kapitel “Ausblick”. Damit ist aber nicht eine Vorausschau an Mimkrythemen gemeint, sondern ein Blick auf jüngste Fälle der Forschung, wie es sich für einen Forscher wie Lunau geziemt:

Lunau erzählt vom sogenannten Nasling.

Die mausgroßen Säugetiere besitzen erstaunlich entwickelte Nasen. Bei Ranucolonasus pulcher sind alle sechs Nasenlappen zu Fangarmen differenziert. Jeder Fangarm endet in einem vierlappigen Fangapparat, der in Fangstellung in Form und Färbung einer Hahnenfußblüte gleicht. In Blumenwiesen kann Ranucolonasus pulcher die Fangarme unabhängig voneinander in Höhe der Blüten in Fangstellung platzieren. Ein spürbarer Buttermilchgeruch lockt blütenbesuchende Insekten an, von denen sich das Tier ernährt…

So oder so ähnlich sind viele Beispiele, eine Unmenge davon in einem scheinbar schmalen, aber großformatigen Band von 147 Seiten!

Dieses Buch ist das bisher beste über Mimkry, das ich bisher gelesen habe.

Natürlich kann es nicht explizit beantworten, wie Tiere und Pflanzen jeweils Mimikry entwickeln können. Die allgemeine Antwort ist hier Co-Evolution! Aber dennoch: Wie kann ein Schmetterling (als einfacheres Beispiel) ein Auge imitieren, wie genau geschieht das? Woher weiß das Tier, wie ein Auge aussieht? Woher weiß es, wie ein Auge für dieses oder jenes Wesen aussieht? Und dergleichen mehr.

Was das Buch bietet, ist, eine unerschöpfliche Menge verschiedenster Phänomene aufzulisten, die allesamt verifiziert und mit entspr. Versuchen geprüft sind. Und darin, wie gesagt, findet sich wohl kein zweites Buch.

13 thoughts on “Buch: Klaus Lunau: Warnen, Tarnen , Täuschen

    1. Danke, Joachim!
      Andreas Wagner hat ja in seinem Buch “Arrival of the fittest” eine Idee formuliert, die die Lehre Darwins intelligent ergänzt. Für mich als Laie ein sehr wichtiges Buch.

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  1. Je mehr wir versuchen, in die Geheimnisse des Lebens einzudringen, desto mehr erkennen wir auch, dass in Anbetracht seines komplexen und unüberschaubaren Wesens die Evolutionstheorie nur noch wie eine Schablone (one theory fits all mentality) geworden ist, mit der man glaubt, alles erklären zu können. Das Buch muss sehr interessant sein, lieber Gerhard.

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    1. Die Evolutionstheorie erklärt, kurz formuliert, das “Survival of the fittest”, aber nicht das “Arrival of the fittest”.
      Soweit ich das verfolge, braucht es zusätzliche Theorien, die die Evolutionstheorie begleiten. Andreas Wagner schrieb dazu “Arrival of the fittest” 2015. Ein für mich großes Buch!

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  2. lieber gerhard, ich lese im obigen text vom geburtstag (wann war/ist der denn?) 🙂 ein schönes wort habe ich in deinem text gefunden, was ich bislang nicht kannte und das wort lautet: schauflug. das ist so ein lebendig-fröhliches wort, das mir richtig gut gefällt. liebe sonntagsfluggrüße von der beobachterin 🙂

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      1. okay, ich dachte, ich hätte den termin vielleicht überlesen, aber kann sogar sein, dass ich gratuliert hatte. dass du nicht sofort das buch zur hand und darin gelesen hast, macht doch nichts. ich habe beispielsweise so viele bücher, dass es mir auch so ergeht, dass manchmal ein buch länger liegt, bis ich mich ihm zuwenden kann (zumal ich dauernd neue kaufe 🙂 ). aber schön, dass du nun dazu gekommen bist und es dir so gut gefallen hat. das freut den schenker sicher auch, dass er dir ein schönes geschenk gemacht hat. 🙂

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  3. Lieber Gerhard, vor zwei, drei Jahren gab es in der Schweiz eine wunderbare Ausstellung “Lügen”, hier war auch das Phänomen Mimikry Thema, lügen = täuschen, ich stellte mir damals ähnliche Fragen: woher weiß das Tier etc. … das sind wieder so die Geheimnisse des Lebens und der Evolution!
    herzliche Sonntagsgrüße, Ulli

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        1. In dem Buch ist an zwei, drei Stellen, so ich mich erinnere, diskutiert worden, wie sich Merkmale entwickelt haben könnten. Da Evolution eine lebendige Angelegenheit ist und sich die jeweilige Umwelt ändern mag, ein schwieriges Unterfangen.
          Lunau hat selbst auch eine Theorie zur Ausbildung der Zweigeschlechtlichkeit von bestimmten Blütenpflanzen entwickelt.
          Da diese Zwischenstufen ja auch einen Evolutionsgewinn bringen mussten, eine haarige Angelegenheit.

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  4. Man merkt, wie begeistert du von diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen bist – und diese Begeisterung steckt an. Ja, die Natur ist ein wunderbares Forschungsfeld oder einfach zum intensiven Schauen und Staunen da.
    Lieben Sonntagsgruss,
    Brigitte

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