Category: Wissenschaftliches

Stationarität

Diesen Begriff, so fanden zwei Wissenschaftler in der  Edge-Umfrage 2014 “WHAT SCIENTIFIC IDEA IS READY FOR RETIREMENT”, müsste man wissenschaftlich zu Grabe tragen.

Um was handelt es sich bei der Stationarität?

Ich folge hier dem Physiker Giulio Bocaletti, der als Beispiel die alte Stadt Petra und die damalige Wasserwirtschaft anführt.

https://www.edge.org/response-detail/25438

(Übersetzung Jürgen Schröder, deutsche Ausgabe “Welche wissenschaftliche Idee ist reif für den Ruhestand).

“Einfach ausgedrückt bedeutet Stationarität jedoch, dass die Wahrscheinlichkeitsverteilung eines Zufallsereignisses zeitunabhängig ist”.

D.h. die damaligen Wasseringenieure von Petra gingen von einer alle Zeit stabilen Verteilung an Niederschlägen in Petra aus.
Desweiteren war noch der Begriff “Ergodizität” im Spiel. Er besagt, daß die meisten aller in Frage kommenden Ereignisse definitiv produziert werden, wenn man nur lange genug beobachtet.

Die Wasseringenieure damals wussten also, wie man sich einzustellen hatte und konnten die Stadt allzeit hinreichend mit Wasser versorgen.

Was die beiden Wissenschaftler der edge-Umfrage betonen, ist, daß es heutzutage solche Verteilungen immer weniger gibt. Es gibt unerwartete Abweichungen, man kann offenbar zunehmend weniger sicher planen.

 

Grenzen des wissenschaftlichen Verstehens

Martin Rees hat in dem Buch “Welche wissenschaftliche Idee ist reif für den Ruhestand” des Herausgebers John Brockman, in dem eine große Reihe an Wissenschaftlern die Edge-Frage von 2014 (What sientific idea is ready for retirement) beantwortet haben,  davon gesprochen, daß das geistige Fassungsvermögen des Menschen ihm bald eine (klare) Grenze im wissenschaftlichen Erkennen setzen wird.
Gleiches drückte auch der leider 2015 verstorbene  Biochemiker Gottfried Schatz. in einem wunderbaren Interview mit dem Schweizer Fernsehen aus:

https://www.youtube.com/watch?v=g3l8M596BKI

Er geht ab 46:32 darauf  ein.

Gottfried Schatz

Durch Zufall sties ich Anfang 2015 auf einige Essays des Biochemikers Gottfried Schatz in der NZZ. Diese Essays erklärten in unnachahmlicher Weise einige wissenswerte Dinge aus dem Bereich Biologie und angrenzender Wissenschaften. Staunen machten mich oft die nicht selbstverständlichen und nicht naheliegenden Zusammenhänge zum jeweiligen Thema. Das machte Appetit auf Wissenschaft und das sollte es auch: Schatz hatte es sich zur Aufgabe gemacht, zu vermitteln, die Schönheit der Wissenschaft an den Mann zu bringen.

Leider ist Gottfried Schatz 2015 gestorben.

 

Seine bewundernswerten Essays finden sich bei der NZZ und bei Scienceblog.at

Zum Kobalt, einem unverzichtbaren und sehr ursprünglichen Spurenelement im menschlichen Körper, schrieb er einen besonders aufregenden Artikel:

http://scienceblog.at/der-kobold-mir-%E2%80%94-was-das-kobalt-unseres-k%C3%B6rpers-von-der-geschichte-des-lebens-erz%C3%A4hlt

Inverses Potenzgesetz

Inverses Potenzgesetz

Viele mathematische Verteilungen sähen ähnlich aus, sagte der Mathematiker Rudy Rucker im Buch „Wie funktioniert die Welt“ des Herausgebers John Brockman, weil sie „ inversen Potenzgesetzen“ gehorchen.
Worum handelt es sich da? Er bringt ein Beispiel aus dem Buchgeschäft:

„Aus meiner Sicht als Autor ist mir beispielsweise aufgefallen, dass der Autor, der in der Beliebtheit an 100. Stelle steht, ungefähr hundertmal weniger Bücher verkauft als der Autor auf Rang 1.“

Der Platz entscheidet also genau über die Größe des Kuchens. Ist er der 10. Platz, dann hat der Kuchen etwa ein Zehntel der Grösse des Kuchens des ersten Platzes.
Das fände man z.b. auch in der Größe der Kieseln an einem Strand. Der zweitgrösste dürfte etwa die Hälfte der Grösse des grössten Kiesels ausmachen. Der dritte dann ein Drittel. Und so weiter.
Das müsste man doch mal an einem kleinen Strandabschnitt verifizieren. Oder im Geröll am Strassenrand.