Schon immer habe ich “Tagebuch” geführt- zwar meist nur stossweise, aber mein Leben ist letztlich durchsetzt mit biographischen Notizen, seit ich erwachsen bin.
Ich weiß noch, als ich wohl Mitte der 80er “an meinem Leben” litt und meinte, es sei in meinem Leben nichts los. Um das zu überprüfen, begann ich wieder mal das Schreiben und stellte alsbald fest, daß sich mehr in meinem Leben abspielte, als ich gedacht hatte.
Als ich mir dann 1999 einen PC kaufte, tat ich das nur, um besser Tagebuch führen zu können.
Durch das Schreiben am PC war es möglich, die Sätze immer wieder umzuschreiben. An ihnen zu feilen. Passagen wieder zu löschen ect.
Diese Art zu schreiben war aufwendig, aber es schulte mich gleichzeitig darin.
Einen weiteren Effekt bemerkte ich alsbald: Es wurde auch zu einem therapeutischen Werkzeug. Manches in meiner Vita und im Tagesgeschehen wurde mir durchs Schreiben verständlicher. Das Schreiben wurde mir zum Dialog und diente meiner Aufklärung.
Nachwievor schreibe ich, zwar nicht mehr täglich, aber die Tage dennoch in Gedanken und Notiz abschreitend und ableuchtend, sodaß wenig verloren geht.
Daß ich manchmal nachschauen kann und könnte, wann was stattfand, ist nur Nebensache. Ich hatte zu Anfang primär Wert daraufgelegt, meine Emotionen zu beschreiben – darum ging es mir. Jetzt ist das Schreiben aus Zeitmangel fast zu einer Faktenhuberei “verkommen”.
Ich brauche etwa 20 – 30 Minuten, um einen Tag zu beschreiben.
Dennoch passiert es ab und an, daß ich kontempliere – und es näher wissen will. Das sind dann die wertvollen Momente!
Das Tagebuch wird wohl für niemanden sonst als mich nützlich sein. Nur ich kann wissen, was mich gewöhnlich umtreibt.
Dennoch ist es so, daß, wenn man am Ende des Jahres die vielleicht 160 – 250 Seiten des Jahres durchgeht (ich habe das einige wenige Male getan), sogenannte rote Fäden im Denken sichtbar werden, denen man sich nicht bewusst war.
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und er mahlt gerne die immer gleichen Körner in seinem Denken auf und ab. Aber: Das Denken verändert sich dennoch im Laufe der Zeit! Man wird ein anderer mit der Zeit – das zweifelsfrei. Und das feststellen zu können, ist schön!
(Dritte Version)