Category: Etüden

Die Enthüllung

Eine Maikäfer-Larve enthüllt sich (23.09.2021)


Einen neuen Text bringe ich in Christianes nun zweiten Etüdenaufruf ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte

Prophezeiung
anständig
verkrümeln.

enthalten.

***

Horst verkrümmelt sich gern in seine Stube. Liest die Griechen, löst Schachstudien, bloggt über seine Dinge. Wobei ich immer noch nicht weiß, was ist das: Bloggen?!

Einerlei.

Ich enthüllte ihm jüngst eine Prophezeiung, die Trude über ihn gemacht hatte: “Der verwächst noch mit seinem Stuhl – so wie er ist. Komplett mit dem Stuhl. Es gibt ihn garnicht ohne seinen Stuhl.”

Anstatt anständig zu schimpfen, lies er diese Botschaft von mir über sich ergehen.

Ja, das hatte er selbst schon gemerkt. Kürzlich sah er in einem Fotoband Aufnahmen von Paaren in ihrer Wohnung, im Abstand von etwa 10 Jahren. Erstaunlich war nicht, daß zwar die Leute älter geworden sind oder nun allein lebten, sondern daß sich am Interieur kaum was geändert hatte. Immer noch die verstaubten Bände von den Lieblingsautoren auf dem Schemel, die Reklams in der Nische am Gasleuchter, das Bild der Eltern daneben. Allerlei Krimskrams.

Da sah er plötzlich: Ich verstaube ja auch! Und dachte sich: Da muss/sollte ich was ändern.

Ich war erstaunt über Horsts Einsicht.

7 Monate später sah ich Trude wieder. Sie erzählte mir, daß Horst tatsächlich anders geworden ist.
Sein Studierzimmer ist wie neu. Statt Schach und den Griechen hat er sich der neueren Literatur und der Kunstgeschichte verschrieben. Er hat dort mächtig aufgeholt und kennt die massgeblichen Namen. Seine liebste Epoche sei die des Informel.
Er hat wahrlich im Turbo alles aufgesaugt, was an Kunsthistorie zu bekommen war. Ohne dabei selbst in einer Ausstellung gewesen zu sein.
Und … er hat einen neuen Stuhl.



Regen bringt Segen

Kritzelei von vor etwa 20 Jahren. Sollte mich in 2025 darstellen.


Einen neuen Text bringe ich in Christianes nun zweiten Etüdenaufruf ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte

Prophezeiung
anständig
verkrümeln.

enthalten.

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Jeder Glatzköpfige trägt gerne Hut.

Naja, nicht jeder. Aber die meisten schon.

Nicht so Gerald. Ich denke, da muss es wohl schon anständig regnen, bevor er einen Hut aufsetzt.
Neulich traf ich ihn wieder ohne Hut an, noch dazu bei bei starkem Regen.
Als ich ihn fragte, wieso er seinen Hut nicht aufsetze, meinte er: „Deswegen wird es ja mit dem Regen nicht aufhören!!“
Er fügte hinzu: In so einem Falle wie jetzt verkrümele ich mich nicht.

So manche Prophezeiung sagt ja, daß häufiger Regen auf der Glatze Haare spriessen lässt.
Vielleicht wolle er davon profitieren, fragte ich ihn.
Nein, davon wisse er nicht. Von Haaren halte er eh nichts, das sei weit überschätzt. Er sei froh, daß er sie nicht mehr zu kämmen brauche.

Gerald lies ich jetzt alleine.
Als ich mich nochmal umdrehte, hatte er plötzlich seinen Hut auf. Wohl nicht wegen mir, sondern aus eigenen Gründen.


Das Traumgeschehen

Looking back


Einen neuen Text bringe ich in Christianes nun zweiten Etüdenaufruf ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte

Prophezeiung
anständig
verkrümeln.

enthalten.

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Manchmal, in letzter Zeit, besonders wenn ich mit dem Auto untwerwegs bin, tauche ich überraschend für einen Moment in frühere Befindlichkeiten ein. Wie im Flash.

Es ist mir dann, als wäre ich aus der Jetzt-Zeit gefallen und befände mich recht frisch und unmittelbar in einer ehemaligen Lebenssituation.
Eine Situation, die nicht scharf umrissen ist. Ich sehe mich da meist mit wacher Aufmerksamkeit und verjüngt irgendwo stehen, mit den Gedanken und Empfindungen, die mich damals so begleitet haben dürften.

Diese Eindrücke oder Bilder flackern anständig stark für Sekunden, aber wie Dunst kann ich sie nicht “bergen”, ihnen weiter folgen.

Welche Prophezeiung hatte die damalige Zeit für mich? Die des Wachstums vielleicht, die des Ausprobierens, die des Schnupperns? Oder war es damals in Wirklichkeit ganz anders, war ich de facto eher in Niederungen unterwegs?!

Das sagen mir meine Spontanbilder nicht, sie malen mir ein rosa Bild.

In der heutigen Zeit, um einiges mehr älter, möchte ich mich zuweilen in eine Höhle verkrümeln, in der Hoffnung, wieder verstärkt Anschluss an diese Träume, an diese feinen Empfindungen zu kommen.
Manche machen wohl genau das, gehen auf lange Wanderungen oder einen Retreat. Um wieder Wurzeln im Alten zu schlagen und echte Luft zu atmen.

*


Ein Dialog

Stilisierter Dialog – von Gerhard M.


Einen neuen Text, diesmal eine Art Humoreske, bringe ich in Christianes nun zweiten Etüdenaufruf ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte

Prophezeiung
anständig
verkrümeln.

enthalten.

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“Nun gerieren sie sich doch nicht so!
Soll ich ihnen das wirklich abnehmen, was sie da gerade vorgebracht haben?”

“Sie meinen, ich wüsste nicht, wovon ich rede?
Das sagen ausgerechnet Sie, einer, der alles glaubt, was ihm gemeinhin vorgesetzt wird !!”

“Und worauf gründet sich dann ihr Wissen? Auf anständigen Quellen hoffentlich?!”

“Das lassen sie mich beurteilen!! Ich habe starke, sehr sehr starke Quellen sogar… und die haben auch manche Prophezeiung beinhaltet, die jetzt – leider , oh Wunder – Wirklichkeit geworden sind oder es bald werden.”

“Was wurde denn vorausgesagt?!”

“Sie fragen eins ums andere Mal und hören mir auch nicht zu – ich gehe jetzt”.

“Nun verkrümeln sie sich doch nicht! Wir können doch über alles reden.”

“Ja, ja…ok … über was denn noch?”

“Gut!… Also wo genau wollen wir denn mit unserem Abgleich anfangen?”

“Bei Adam und Eva jedenfalls nicht, das möchten sie wohl gerne!. Zudem ist es mir zu spät. Meine Frau wartet auch sicher schon mit dem Abendessen!!”.

“Ja, dann guten Appetit! Gut, daß wir miteinander versucht haben, zu sprechen!”

“Ja, wir sind uns sehr einig – das zeigte sich deutlich, überdeutlich!”.