Category: Etüden

Der Alleskönner

Einen vierten Text in Christianes neuen Etüdenaufruf bringe ich hier ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Geheimkünstler sperrig suggerieren
enthalten.

Heinz

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“Du bist ja ein Geheimkünstler, Heinz !”
Als ich den Stoß seiner Zeichnungen sichtete, die da auf seinem weiten Tisch lagen, war ich schon beeindruckt.

Heinz, den ich erst seit einigen Tagen kenne, suggerierte mir anfangs, daß er keinen Nagel in die Wand schlagen könne. Doch wie ich gestern von meinem Freund Horst erfuhr, hat er einst alleine seine Innenräume renoviert.

Im Gespräch gilt Heinz als sperriger Mensch.
Der Horst teilte mir diesbezüglich mit: Fängt man mit ihm über ein Thema zu reden an (sagen wir mal über Politik), dann fängt er alsbald an, z.b. über den Wahrheitsbegriff zu philosophieren. Landet dann am Schluß beim Protogermanisch.
Nicht, daß er mit seinen Kenntnissen angeben wolle: Es fliesse einfach aus ihm raus.

So verwundere es nicht, daß, wenn er mit Leuten zusammensteht, einer nach dem anderen sagt: “Ich muss etwas dringend erledigen”. Und sich verabschiedet.
Am Schluss stehe er alleine da.

Heinz spüre das schon, sagte Horst weiter, aber dennoch habe er sich nicht unter Kontrolle und wolle das auch nicht.
“Er muss einfach zeigen, was er gefunden hat. So wie er als kleiner Knurpel der Mutter sein in den Sand gezeichnetes Frauenportrait zeigen musste. Unbedingt und sofort.”

” Horst, Du bist ja ein wahrer Analytiker!! “, sagte ich darauf. “Aber… was sagst du als Verhaltenstherapeut, haha, wie man mit Heinz umgehen soll?”
“Stehenbleiben, standhaft sein und seinen Tiriaden folgen. Da sind immer wertvolle Hinweise dabei, denen ich zuhause später nachgehe”, meinte er.

“Ah ja, das leuchtet ein, Horst. Vielleicht gelingt es mir dann in Zukunft auch, einen Kreis um mich zu bilden?!
Hätte Lust dazu – als Heinz 2 eben dann”.

Alchemie

Die Frucht der Gedanken

Einen dritten Text in Christianes neuen Etüdenaufruf bringe ich hier ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Geheimkünstler sperrig suggerieren
enthalten.

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Es gibt wohl wenige Wissenschaftler, die so bekannt sind wie Isaac Newton.

Newton beschäftigte sich mit Physik, aber auch mit der Bibel. In der Mathematik gab es eine weithin bekannte Auseinandersetzung mit Gottfried Wilhelm Leibniz über die Urheberschaft der Infinitidezimalrechnung. So weit ich weiß, bezichtigte Newton Leibniz, daß ihm eine schriftliche Anmerkung Newtons die Lösung suggerierte, also daß Newton der rechtmässige Erfinder gewesen sei.
Newton lies nicht locker, bis Leibniz völlig von diesem Streit zerrüttet war.

Weniger bekannt ist, daß sich Newton bis etwa 1696 auch massiv mit Alchemie beschäftigte. Und das weitestgehend geheim. Man kann ihn daher als Geheimkünstler der Alchemie bezeichnen.

Newton war ein sehr sperriger Mensch. So berichtet man.
Als er die staatliche Münze unter sich hatte, verhöhnte ihn ein Münzfälscher, daß er dessen Identität niemals herausfände. Newton lies kriminalistisch nicht locker und sorgte für eine drakonische Strafe – so sehr war seine Ehre verletzt.

Meine Anmerkungen zu Newton sind im wesentlichen der Erinnerung an eine Biographie von Florian Freistetter geschuldet.

Kunst im Geheimen

Kritzelei mit ausgetrocknetem Filzer

Einen zweiten Text in Christianes neuen Etüdenaufruf bringe ich hier ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Geheimkünstler sperrig suggerieren
enthalten.

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Georg Stefan Troller, ein Filmessyaist, der in diesem Jahr 100 Jahre alt wird, verfasste immer wieder interessante TV-Portraits. Die waren nie langweilig, denn seine Akteure befanden sich meist am Rand der Gesellschaft, waren Individuen im Wortsinne und hatten eine ganz eigene Welt um sich herum.

An ein Essay erinnere ich mich besonders: Da ging es um Salvador Dalí und um das, was von ihm blieb.
Dieser Künstler, obwohl alles andere als kontaktscheu, war offenbar dennoch auch ein Geheimkünstler.
Denn Troller war einem Vermächtnis Dalís auf der Spur. Dalí sollte eine Spur gelegt haben, die erst posthum entdeckt werden konnte und sollte und sozusagen zu einem Werk von ihm jenseits des Todes führen sollte.

Sehr verrätselt war das. War diese Reportage Fiktion oder Realität? Oder sprach der Film eher über Verwalter seines Erbes, die nicht akzeptieren konnten, daß der Meister tot war?!
Für mich war das nicht zu klären. Aber diese wohl fiktive Reportage lies mich nicht los.

Ich war eigentlich nie ein besonderer Fan von Dalí, manches war mir zu sperrig, aber sein Handwerk verstand er wie kein Zweiter. Das merkte man auch an seinen Zeichnungen.

Der Surrealismus suggerierte FÜR MICH eigentlich wenig Tieferliegendes, obwohl er das anstrebte. Vieles war mir zu gewollt.
Mehr sagte mir nach einer gewissen Begeisterung für diese Maler um Breton dann die phantastische Malerei zu, deren Ursprünge ja schon lange zurückliegen.
Die phantastische Malerei zeigte Fabelwesen, aber auch Hintergründiges, Verqueres und Geheimnisvolles in der Realität. Was seine Fortsetzung dann auch in unserer Gegenwart in einer Sparte der Konzeptfotografie fand. Ich denke da z.B. an Gregory Crewdson. Auf WordPress-Bloggerseite an Rabirius.

Aber meine Betrachtung fing mit Troller an, an ihn wollte ich erinnern.

Kleine Betrachtung zur Kunst

Foto am Abend des 2.10.2021

Einen ersten Text in Christianes neuen Etüdenaufruf bringe ich hier ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Geheimkünstler sperrig suggerieren
enthalten.

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Einen gerühmten Bildhauer, der sein Atelier nicht weit von unserer Ferienwohnung hatte, suchten wir unlängst auf. Ich berichtete davon in einem der letzten Etüden.
Zu Gesicht bekamen wir diesen Geheimkünstler nicht. Zum 2. Mal nicht. Dafür aber sein Werk, das phänomenal war. Ich sollte etwas davon zeigen, von der Kraft, die darin steckt.

Ganz anders verhält es ich mit dem Heimlichen bei Performancekünstlern. Eine sehr bekannte ist ja Marina Abramović.

Als sperrig wird oft das Oeuve von Beuys angesehen. Ich kaufte mir vor vielen vielen Jahren einen Katalog über ihn, obwohl ich damals wenig von seinem Anliegen verstand.
Denn einen Katalog zu einer Ausstellung nicht kaufen, das ging gar nicht, hatte ich doch 1990 in meinen “musealen” Anfängen einen nicht gekauft und lief dem später lange hinterher.

Manche zeitgenössische Kunst suggeriert ihre dahinter liegende Intention, zumindest bietet sie eine an. Ob diese richtig gesehen wird oder in all ihren Facetten, das ist wiederum ein anderes Ding.
Kaum ein Künstler mag über seine Werke reden.
Zu oft macht man den Gehalt kaputt, wenn man “einen Stempel” drauf setzt. Eine Aussage will sich frei entfalten. Und allzu oft bekommt Kunst ja erst im Nachhinein eine erweiterte und stimmigere Auslegung als zur Zeit nach der Entstehung. Eine Bedeutungs(aus)wirkung über die Zeit hinweg geschärft also.