Category: Etüden

Kraut und Rüben

Fröhlich lockt Christianes neuer Etüdenaufruf.

Die Wörter für die Textwochen 01/02 des Jahres 2022 stiftete Ludwig Zeidler. Sie lauten:

Hoffnungsschimmer
unverzeihlich
nähen.

und sind in einen max. 300 Wörter umfassenden Text einzubringen.

Wie ein Fisch im Wasser…

*


Erna hat schon wieder eine 5-Minuten-Schachpartie gegen Horst, ihren Spielkameraden verloren. Durch Zeitüberschreitung.
Bitter beklagte sie sich bei ihrem Opi:
„Opi, ich stand die ganze Zeit besser und dann gewinnt der Horst nur, weil ich keine Zeit mehr auf der Uhr hatte. Der hatte nix gezeigt, so was von nix…grrh.“

Opi lächelte, nahm Erna zur Seite und deutete auf die Nähmaschine der Omi.

„Schau, du musst einfach ziehen wie die da arbeitet. Kontinuierlich, Zug nach Zug, so wie diese Maschine näht“.

„Aber dann mache ich ja Fehler, Opi, wenn alles so schnell geht“.

Unverzeihliche Fehler wirst Du schon nicht machen und wenn, dann gibt es doch eine nächste Partie, Erna“.

„Aber ich mache nicht gerne Fehler, Opi!“.

„Erna! Und was denkt denn Horst? Sobald er einen Hoffnungsschimmer hat und merkt, daß Du keine Zeit mehr hast, wirft er Dir weitere Brotkrumen hin, dass Du noch mehr Zeit verbrauchst. Die Stellung interessiert ihn dann schon lange nicht mehr, Hauptsache 1:0 durch deine Zeitüberschreitung, weil die 5 Minuten rum sind“.

Erna stutzt.

„Wähle einen Mittelweg, Erna, hab beides im Auge, deine Zeit und das Brett. Keiner sieht Dich schief an, wenn Du mal Kraut und Rüben spielst. Aber lass Horst mit seinem Schnell-schnell nicht so einfach durchkommen.“

Das Aquarium

Einen Text in Christianes neuen Etüdenaufruf bringe ich hier ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Museum
biografisch
erinnern.

enthalten.
Wortspender ist in diesen 2 Wochen ist Erinnerungswerkstatt

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Als sich Paule erhob, es war spät geworden, fiel sein Blick auf das Aquarium im Lokal.
“Nano-Fische sind das!” sagte sein Freund, als er ihm in den Mantel half.

“Ah, sehr schön!”

Das Aquarium war nicht sehr groß, die bunten Zierfische hatten wenig Auslauf, bewegten sich stetig hin und her. Es dünkte es ihm, als sehe er in ein Museum. Kaum je war das Bild gleich, es änderte sich ständig. Nie war ein Moment wie der andere. Nie!

Sein Freund brachte ihn nachhause.
Mühsam stieg er die Treppen hoch und setzte sich in seiner Wohnung erst mal aufs Bett.
Müde und alt saß er da, in seinem Mantel … und den Hut noch auf.
In einem Buch, so erinnerte er sich, hatte er gelesen, daß jeder Mensch großen inneren Reichtum von Hause aus besässe, alles Glück und alle Schönheit lägen in ihm bereit. Er müsse nur diese seine Schätze heben.
Hatte er sich in seinem Leben daran gehalten? Wenn er über seine biographischen Eckpunkte nachdachte, musste er das verneinen.

Und nun?

Ihm kam der Gedanke, sein Leben Revue passieren zu lassen und genau zu schauen, was er so alles erlebt hatte. Unter dem Laub musste all das Bunte liegen, an dem er sich jetzt erfreuen konnte.
Gleich am frühen Morgen wollte er sich dransetzen und die Schätze heben.
Das gab ihm Schwung und Zuversicht -den Fischen sei Dank.

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Sammelleidenschaft

Einen Text in Christianes neuen Etüdenaufruf bringe ich hier ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Museum
biografisch
erinnern.

enthalten.
Wortspender ist in diesen 2 Wochen ist Erinnerungswerkstatt.

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Während eines Urlaubs in Südtirol vor etwa 4 Jahren besuchte ich dort ein kleines Museum.
Es handelte sich um eine Mineralien- und Insektensammlung. Sie gehörte Josef Frei alias “Bachler Sepp” .
Seit frühester Kindheit an Mineralien und später auch an Insekten interessiert, vermachte er in späten Jahren seine Funde dem Ort Schenna.

Was der lebenslange Sammler zu erzählen hatte, war ausserordentlich! Er erinnerte sich an manchen Fund, verknüpfte diesen mit biographischen Anekdoten.

Wie ich jetzt hatte er früher auch Insektenfotografie betrieben, aber diese Leidenschaft dann auf andere Dinge verlagert.

Die Zeit im Museum war knapp bemessen. Es hatte nur für 2 Stunden die Woche auf.

Der “Bachler Sepp” stammte aus einfachen Verhältnissen. Neben seiner Berufstätigkeit als Schuster und Maurer entwickelte er sich zu einem gefragten Sachverständigen, was Insekten und Mineralien betraf. Seine Frau hatte offenbar bei allem Verständnis, gerade wenn er nachts auf der Suche nach besonderen Faltern war.

Dieses Fasziniert- und Fokussiertsein in seinem Leben kann ich gut nachvollziehen.


Das, was im Regal steht

Einen Text in Christianes neuen Etüdenaufruf bringe ich hier ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Museum
biografisch
erinnern.

enthalten.
Wortspender ist in diesen 2 Wochen ist Erinnerungswerkstatt.

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Manche Leser “arbeiten” sich offenbar fast ausschliesslich an alten Autoren ab.
Ich selbst lese eher Neues.

Ich sage deshalb nicht, daß Klassiker ins Museum gehören, keinesfalls.
Doch oft kenne oder kannte ich die biographischen Begleitumstände ihres Schaffens nicht.
Die sind aber immer wichtig, um zu verstehen, was den Autor veranlasst hatte, genau dieses Buch zu schreiben.

Vorgestern sah ich mir im TV einiges zu Dostojewski an. Auch zu Musil, Büchner und Frisch.

Dostojewskijs “Dämonen” hatte ich als junger Mann, ich erinnere mich, 2, 3 mal angepackt, aber nie zu Ende lesen können. Sein Werk “Schuld und Sühne” schon.
Dostojewskij ist aktueller denn je. Auch sicher manch andere klassischen Autoren.
Grund genug also, wieder mal ins Regal zu greifen, um sich mit ihnen erneut zu beschäftigen.