Christianes neuer Etüdenaufruf verlockt mich doch wieder sehr. Hier mein zweiter Beitrag zur Runde: Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte Brechreiz anschmiegsam buchstabieren. enthalten.
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So buchstabiert man Liebe!
Manche Sätze werden in TV-Stücken schnell und fast unbemerkt von sich gegeben. Eine Frau distanziert sich von ihrem Mann. Sie habe Brechreiz verspürt, wenn er sich schwitzend über sie gebeugt hatte. Ihr Sohn, der bei dieser Äußerungen anbei steht, könne ja nichts dafür.
Dass diese Frau einst anschmiegsam war, war kaum zu erahnen. Sich so drastisch zu äussern, das verlangt einiges.
Christianes neuer Etüdenaufruf verlockt mich doch wieder sehr: Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte Brechreiz anschmiegsam buchstabieren. enthalten.
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Manche Menschen verspüren schon nach wenigen Schlucken Alkohol einen Brechreiz. Da hat die Natur sozusagen weise vorgesorgt, denn in diese Falle können sie nicht mehr tappen.
Der kleine Käfer oben weiß um die Gefahren. Er buchstabiert uns diese Droge vor, damit wir ihr nicht anheimfallen.
Ein wenig Alkohol, also ein Gläschen, kann aber am Abend Spannung von uns nehmen, uns anschmiegsamer machen. Die die das verstehen, bei denen steht das Gläschen nach einer guten halben Stunde noch halbvoll auf dem Tisch. Und das bleibt dann noch so eine weitere Weile. Am Schluss des Abends wird dann das Gläschen gespült, es hat seinen feinen Dienst getan, vor allem den Gastgeber oder die Gastgeberin in gutem Lichte erscheinen lassen. Maßvolles Geniessen zeichnet eben aus, es adelt.
Eine winzige Wanzenlarve klettert über eine Buchseite
Fürchtet sie zu fallen oder fürchtet sie Fallen? Gefallen tut sie mir auf alle Fälle, so klein und emsig und soooo belesen.
Fallen klingt wie lallen, schallen, Narren, scharren und karren.
In Flora und Fauna gibt es diverse Fallenstellungen. Man möchte fressen oder nicht gefressen werden. Einige Pflanzen locken mit tierischen Düften an, aber statt Auffinden eines Weibchens dient man als Männchen letztlich nur der Bestäubung.
Wieder steht für zwei Wochen Christianes Aufruf für eine Etüde an.
Ich nehme daran teil.
Die Wortspende für die Textwochen 25/26 des Jahres 2022 stammt von Donka mit ihrem Blog OnlyBatsCanHang. Sie lautet:
Wiedergeburt blümerant antanzen.
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“Zwei Bier!”
Heinz und Horst sitzen mal wieder beim Schorsch zusammen.
Nach dem zunächst dringlichen Bewerten der letzten Fussballergebnisse kam Horst mit einer unerwarteten Bemerkung daher:
“Glaubst Du eigentlich an Wiedergeburt, Heinz?”
“Da wird mir ganz blümerant zumute. Wenn schon, dann bitte als Brad Pitt, Horst! Haha. Aber: Ich musste schon dieses Mal ungefragt auf der Bühne antanzen, ob ich nun wollte oder nicht! Den ganzen Weg durchlaufen vom Säugling, Knirps, Schüler bis hin zum Investment-Banker. Ein zweites Mal möchte ich das nicht.”
“Naja, vielleicht winkt Dir ja auch eine Existenz als Guru, im fernen Asien?”
“Sind die besser dran”?
“Nicht unbedingt. Manche wollen nicht mehr Lehrer sein, sie sind es oft leid, Vorbild zu sein.”
“Ja, das verstehe ich. Von mir wollen die Leute immer Rendite. Die kann ich ihnen nicht unbedingt zusagen. Ein Guru ist ebenso nicht für das Glück der “Klienten” zuständig, findet sich aber genau dort wieder”.
“Wenn nicht Guru, wenn nicht Banker, was denn dann?””
“Schmetterling!”
Da war Horst verblüfft.
“Ich könnte flattern tagein tagaus, hätte nichts im Kopf!”
“Lass das den Gerhard nicht hören, Heinz! Die haben nach ihm einiges im Köpchen, fliegen nur dort hin, wo es ordentlich Rendite gibt”.
“WAS, DIE AUCH? Ich bin entsetzt”.
“Musst du nicht, Rendite ist das a und o…ALSO kannst du doch wieder Banker werden! Noch zwei Bier, Schorsch!”