Month: November 2016

Turm nach nirgendwo

Turm nach nirgendwo

Vor einigen Jahren interessierte mich in der Keramik eine Idee, eine mehr oder weniger beliebige Grundform seriell in Rotation anzuordnen.

Dies hier ist ein solches Resultat.

Ausgehend von einer Grundform, die in der Mitte  aus technischen Gründen hohl  zu sein hat,  fertigte ich diverse Ableger, die ich dann nach einer gewissem Zeit des Trocknens sukzessive verband, wohl wissend, daß jede Grundform sorgsam und pflichtgemäss mit der vorhergehenden zu verbinden ist.

Dies dauerte etwa 2 Tage.

Die Glasur des hier mehr als 360 Grad verdrehten Stücks war wiederum eine Sache für sich. Nach dem ersten Schrühbrand (etwa 960 Grad) wurde die Glasur durch Schüttung besorgt. Dies ergibt eine eher zufällige, aber letztlich gleichmässige “Textur”. Man sieht Pinselspuren nicht.

Bei den jeweiligen Bränden merkt man, ob man wirklich sauber gearbeitet hat. Hat man die einzelnen Elemente nicht wirklich sauber verbunden, hat man plötzlich Einzelteile in der Hand.
Hier wie so oft gilt: Geduld und Sorgsamkeit sind integraler Part der Arbeit!

 

Geraden in der Natur

Geraden in der Natur

Kann es sie überhaupt geben? Irgendwo las ich, daß Geraden nicht zur Natur gehören.
Umso erstaunter war ich, als ich mit meinem Macro eine Grasart fotografieren konnte, deren nach unten gerichteter blitzgerader Stengel drei “Strahlen” von sich gab, ausgerechnet drei und diese sich wie ein Regenschirm nach unten fortsetzten…wiederum in feiner schnurgerader Weise!

Dunkelkammer – ein Kammerspiel

Das Theater am Neunerplatz in Würzburg zeigte am 25.11. das Stück “Dunkelkammer”.

In dem 5-Personen-Stück ging es um Schuld und das Wie des Lebens.

Merve, die Hauptfigur, fragt sich immer wieder, was die Wahrheit ihres Lebens ist und geht dabei beständig in Dialog mit einer anderen Instanz in ihr, die von einer Gegenspielerin am entgegengesetzten Ende der Bühne verkörpert wird.
Merve hat ihren Vater früh verloren, zunächst durch Trennung von seiner Frau, dann durch seinen ebenso frühen Tod.
Er steht nicht mehr zur Verfügung. Dringenden Rat von ihm zu erhalten, ist nicht mehr möglich. Dennoch kann sie das nicht akzeptieren. Ihr Gegenüber sagt ihr eins ums andere Mal, daß sie jetzt lebt und die Vergangenheit “nicht (mehr) existiert”. Sie ist nicht vorhanden und quasi unsubstantiell.
Eine tiefe Wahrheit, aber Merve kann sie nicht annehmen.

Zu dem frühen Verlust gesellen sich weitere Verluste, an denen sie sich jeweils schuldig fühlt. Ihr kleiner Bruder, auf den sie aufpassen soll, verunglückt tödlich. Ebenso ein Freund.
Wo ist ihre Schuld dabei? Ihr “anderes Ich” sagt ihr: Es gibt keine Schuld!”. Das prallt bei Merve ab. Antworten, die sie verwerten könnte, gibt es bei ihrem Gegenüber für sie nicht . In der Dunkelkammer hängt ihr zweites Ich immer wieder Abzüge auf, die allesamt schwarz sind.
Ganz zum Schluß scheint eine Lösung aufzuscheinen. Merve scheint sich von ihrem Gewissen befreien zu können. Ob das eine temporäre Lösung war oder nur Schein, das bleibt offen.

Das Stück wurde von Ulrich Winkelmann und Sebastian Schubert-Legner in Szene gesetzt.

In minimalistischer Ausstattung, mit sparsamen, stimmigen Electro-Klängen und einer klugen Gestaltung des Bühnenraums wirkte das Stück sehr dicht.
Der Hinterraum der Bühne, der  durch einen Gazestoff abgetrennt war und in dem das Geschehen in der Aussenwelt stattfand, das Merve zu denken gab, lies den Eindruck zu, alles spiele sich wie auf einer Leinwand ab. Das Leben als Film, als etwas, dass sich so oder so entwickelt und seinen Gang geht.

Mir gefielen besonders die minimalistischen, stoischen und einstudierten Bewegungen der Frau in der Dunkelkammer. Was sie tat und zu sagen hatte, geschah oft in einer bestimmten Form. Dennoch geriet sie des Öfteren  in Rage ob der Unbelehrbarkeit von Merve.

Dieses beeindruckende Stück ist noch heute und am 4.12. zu sehen.

 

 

 

 

Carlsen versus Karjakin

Der WM-Kampf im Schach zwischen dem norwegischen Weltmeister Carlsen und dem Herausforderer, dem Russen Karjakin steht nach 10 Partien und noch zwei ausstehenden Partien bei 5:5.

Der haushohe Favorit Carlsen sties bisher auf harten Widerstand, viel härteren, als er nach den  Erfahrungen mit Karjakin vor der WM gedacht hatte. Zudem entfaltete Carlsen nicht seine besonderen Fähigkeiten in bestmöglicher Weise. Seine typische Genauigkeit und Präzision vermisste man eins ums andere Mal. So gelang es ihm bisher nicht zu dominieren.

Laut Kasparov, dem früheren Weltmeister im Schach, sollte ein Weltmeister das Spiel revolutionieren, zumindest einen neuen Aspekt ins Spiel einführen. Das sei sozusagen seine Pflicht, sein Tribut an das königliche Spiel.
Von einigen Weltmeistern kann man das durchaus so konstatieren. So brachte Karpov Mitte der 70er peinlich umfangreiche Eröffnungsarbeit ein. So genau hatte bisher niemand seine Eröffnungssysteme untersucht. Es genügt ihm nicht, jeweils an einem bestimmten Züge-Horizont eine Bewertung abzugeben, nein, sie musste durch weitergehende Forschung untermauert werden.
Carlsen brachte als Neues hervor, daß die sogenannte Remisgrenze eine viel engere ist, als gedacht. Selbst in harmlosen Stellungen pflegt Carlsen bei bestem Spiel noch unscheinbare Züge zu finden, die das Gleichgewicht nach und nach  verändern. Von dem einstigen Remistod  des Spiels, irgendwann Mitte des 20. Jahrhunderts befürchtet, ist jedenfalls nicht mehr die Rede.
Kasparovs Diktum finde ich persönlich als zu anspruchsvoll. Nicht jeder Weltmeister kann auf rein schachlichem Sektor  etwas völlig Neues beitragen. Was Karjakin bisher auszeichnete, waren ein gutes Grund-Selbstvertrauen und eine besondere Zähigkeit in schlechten Stellungen. Resilienz eben. Er ist zudem ein universaler Spieler, d.h. er ist sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung superb.

Diesen Samstag und Sonntag finden die letzten 2 Partien statt. Sollte da keine Entscheidung fallen, dann gibt es ein Stechen mit kürzerer Bedenkzeit.