Dunkelkammer – ein Kammerspiel

Das Theater am Neunerplatz in Würzburg zeigte am 25.11. das Stück “Dunkelkammer”.

In dem 5-Personen-Stück ging es um Schuld und das Wie des Lebens.

Merve, die Hauptfigur, fragt sich immer wieder, was die Wahrheit ihres Lebens ist und geht dabei beständig in Dialog mit einer anderen Instanz in ihr, die von einer Gegenspielerin am entgegengesetzten Ende der Bühne verkörpert wird.
Merve hat ihren Vater früh verloren, zunächst durch Trennung von seiner Frau, dann durch seinen ebenso frühen Tod.
Er steht nicht mehr zur Verfügung. Dringenden Rat von ihm zu erhalten, ist nicht mehr möglich. Dennoch kann sie das nicht akzeptieren. Ihr Gegenüber sagt ihr eins ums andere Mal, daß sie jetzt lebt und die Vergangenheit “nicht (mehr) existiert”. Sie ist nicht vorhanden und quasi unsubstantiell.
Eine tiefe Wahrheit, aber Merve kann sie nicht annehmen.

Zu dem frühen Verlust gesellen sich weitere Verluste, an denen sie sich jeweils schuldig fühlt. Ihr kleiner Bruder, auf den sie aufpassen soll, verunglückt tödlich. Ebenso ein Freund.
Wo ist ihre Schuld dabei? Ihr “anderes Ich” sagt ihr: Es gibt keine Schuld!”. Das prallt bei Merve ab. Antworten, die sie verwerten könnte, gibt es bei ihrem Gegenüber für sie nicht . In der Dunkelkammer hängt ihr zweites Ich immer wieder Abzüge auf, die allesamt schwarz sind.
Ganz zum Schluß scheint eine Lösung aufzuscheinen. Merve scheint sich von ihrem Gewissen befreien zu können. Ob das eine temporäre Lösung war oder nur Schein, das bleibt offen.

Das Stück wurde von Ulrich Winkelmann und Sebastian Schubert-Legner in Szene gesetzt.

In minimalistischer Ausstattung, mit sparsamen, stimmigen Electro-Klängen und einer klugen Gestaltung des Bühnenraums wirkte das Stück sehr dicht.
Der Hinterraum der Bühne, der  durch einen Gazestoff abgetrennt war und in dem das Geschehen in der Aussenwelt stattfand, das Merve zu denken gab, lies den Eindruck zu, alles spiele sich wie auf einer Leinwand ab. Das Leben als Film, als etwas, dass sich so oder so entwickelt und seinen Gang geht.

Mir gefielen besonders die minimalistischen, stoischen und einstudierten Bewegungen der Frau in der Dunkelkammer. Was sie tat und zu sagen hatte, geschah oft in einer bestimmten Form. Dennoch geriet sie des Öfteren  in Rage ob der Unbelehrbarkeit von Merve.

Dieses beeindruckende Stück ist noch heute und am 4.12. zu sehen.

 

 

 

 

3 thoughts on “Dunkelkammer – ein Kammerspiel

  1. Happy Birthday: Heute vor einem Jahr hatte “Dunkelkammer” Premiere.
    Ein Experiment. Basierend auf langen, langen Gesprächen mit “Merve”, die im wirklichen Leben natürlich nicht so heißt. Und aus diesen Bits entwickelte sich nach Jahren ein Bühnenstück, das all diese Eindrücke verfremden und auf verschiedene Ebenen heben sollte. Ja, vielleicht steckt da noch viel mehr an Möglichkeiten drin, Felix. Entscheidend ist aber nur, was jeder, der das Stück gesehen hat, für sich mitnehmen konnte. Das kann – und sollte auch – sehr unterschiedlich sein; und es ist sicherlich geprägt durch die Erfahrungen, die der Besucher des Stücks im eigenen Leben gemacht hat. Wir haben in langen Nächten (sowohl am Text als auch an der Inszenierung) hart gearbeitet, dass viele Möglichkeiten konsistent blieben. Und wir haben viele unterschiedliche Deutungen gehört – mehr als wir selbst ursprünglich bei der Konzeption des Stücks durchgespielt haben. Unglaublich. Auch “Merve” kam überraschend zu einer Vorstellung und war beeindruckt, sich selbst in dem Stück wiederfinden zu können. Das war aus dem ursprünglichen Blickwinkel ihrer Erlebnisse.
    Herzlichen Dank, Gerahrd, dass du das Stück in deinen Blog aufgenommen hast. Auch deine Rezension zeigt, dass wir transportieren konnten, was uns am Herzen lag – aus deiner Sicht. Lass sie dir nicht nehmen, aber Felix hat für sich eine andere Wahrheit gesehen, die genauso berechtigt ist. Und andere Besucher haben noch einmal ganz andere Eindrücke mit nach Hause genommen.
    Danke an alle dafür.
    Danke an jeden, der sich auf die Dunkelkammer eingelassen hat.
    Möglich ist – alles ist – wirklich! – alles gut!
    Möglich ist alles – ist wirklich alles gut?

    Liked by 1 person

  2. Die Handlung wird korrekt widergegeben – es ist auch interessant, wie die Handlung beschrieben wird – völlig schlüssig.
    Trotzdem habe ich völlig anders gesehen, was mit Merve passiert ist. Hat sie das alles wirklich erlebt? Ist ihr Bruder wirklich zu Beginn gestorben? Das glaube ich nicht. Vielleicht steckt da noch viel mehr drin!
    Hoffentlich gibt es eine Wiederaufnahme!

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