Category: Wissenschaftliches

Erstaunliche Nachahmungsstrategie von Pflanzen

Jüngst auf Pflanzenforschung.de gelesen:

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Die Kletterpfanze Boquila trifoliolata ahmt ihren Wirt nach, indem sie, um sich vor Fressfeinden zu schützen, haargenau solche Blätter erzeugt wie sie der Wirt aufweist.
Ist der Stamm des Wirts stellenweise kahl, macht diese Kletterpflanze dort das nicht.

Wie das genau vor sich gehen kann, steht auf einem anderen Blatt. Jedenfalls ein erstaunlicher Fall von Mimikry.

Fragen zur Mimikry

Im Buch von Ewald Weber ” Der Fisch, der lieber eine Alge wäre” sties ich wieder auf das Phänomen Mimikry.
Pflanzen ahmen hier Tiere nach. Speziell bei den Ophrys handelt es sich um das Nachahmen von weiblichen Insekten in Aussehen und Lockstoffen (Pheromonen).
Die männlichen Insekten versuchen ein Exemplar der Ophrys zu begatten, bekommen aber nur ein Paket Samen zur Verbreitung mit.

Ewald Weber beschreibt diese und andere Phänomene der Nachahmung und Täuschung im Pflanzenreich detailvoll und in allen möglichen Facetten.

Wie es aber zu der Ausbildung der Mimikry kam, ist nicht darin zu finden (zumindest bis Seite 165) . Darwin konnte erklären, wieso mit Mimikry ausgestattete Blütenpflanzen erfolgreich waren und sich ausbreiten konnten. Aber der gestaltende Mechanismus, das Wie zur Form, ist mir nicht klar.
Blosser Versuch und Irrtum kann es nicht natürlich sein. Woher “weiß” ein Organismus, wie ein bestimmtes weibliches Insekt aussieht und wie es riecht? Irgendwie muß ja eine zielgerichtete evolutionäre Entwicklung passiert sein, um dahin zu kommen.

Meine Vermutung als Laie ist, daß Phänotypen, also Aussehen von Organismen, als “Baukästen” in der Natur ganz allgemein genetisch vorliegen und ein Organismus sich in seiner Evolution solcher “Baukästen” in seinen Genen bedienen kann, nach und nach.
Aber selbst eine solche Erklärung wäre nur ein halber Fuß. Woher weiß die Pflanze, daß die Ausbildung genau diese Phänotyps “weibliches paarungsbereites Insekt” Sinn machen würde?

Vielleicht kann ein fachkundiger Leser hier helfen? Und bitte enthaltet Euch des Lachens, daß man so etwas doch wissen müsste 🙂

Gerd Kempermann – Die Revolution im Kopf

Einleitung:

Das Folgende musste ich nochmal flugs neu erfassen, nachdem mein Artikel über Kempermanns Buch, den ich recht umfangreich, dem Werk angemessen, angelegt hatte, plötzlich…leer war.

Buchbesprechung:

Seit langem ist bekannt, daß Nervenzellen sich plastisch verhalten können. Sie können u.a. die Verbindungen untereinander stärken oder neue Fortsätze bilden.
Dennoch gilt das Gehirn seit jeher als regenerationsunfähig!
Im Gegensatz zu Haut oder Darm, der sich laut Slogan von Mahlzeit zu Mahlzeit erneuere, bewegt sich hier so gut wie nichts. Es gehen nur Zellen verloren, im Älterwerden oder durch Demenz.

In den 60ern erfuhr man über das Beispiel von Singvögeln, die jedes Jahr aus Balzgründen neue Lieder lernen (und die alten nicht mehr zur Verfügung haben), daß sich im Hippocampus, dem Ort des Lernens und der Erinnerung, doch eine sehr geringe Zahl an neuen Nervenzellen bilden können. Diese neuen Nervenzellen stellen in jeder Beziehung ein Mysterium dar, wie der Autor, Gerd Kempermann, sehr ausführlich darlegt.

Er beschreibt in sehr präziser Sprache den Kampf um Wissen auf diesem Gebiet, die vielen Versuche und Irrtümer, die Trugschlüsse und dennoch immer kleinen Erfolge auf dem Weg, die sogenannte adulte Neurogenese, also die Neubildung von Nervenzellen beim Erwachsenen erstmal überhaupt dingfest zu machen und letztlich zu begreifen, was da überhaupt vor sich geht.

Was genau die sehr geringe Zahl an neuen Nervenzellen konkret bewirkt, was diese Nervenzellen technisch machen, ist nicht klar. Nur, daß das Gehirn als Folge leistungsfähiger wird. Aktive körperliche Bewegung (!) und reizvolle Umwelt sorgen dafür.
Damit verbindet sich die Hoffnung, Demenz vorzubeugen.
Als noch in der Zukunft liegendes Thema taucht die Möglichkeit auf, das Gehirn von aussen anzuregen, neue Nervenzellen für den Ersatz krankheitsbedingt verlorengegangener Zellen zu bilden. Dennoch wäre in diesem Falle überhaupt nicht klar, ob eine solche Bildung, falls sie gelänge,  technisch zu einem Ersatz der verlorengegangenen Zellen führen würde. Eine Fuhr neuer Zellen müsse ja auch konkret eingebunden werden, ihr Vorhandensein bedeute noch garnichts.

Kempermann weist immer wieder darauf hin, daß wir mit einem aktiv geführten Leben selbst für ein leistungsfähiges Gehirn im Alter sorgen können – die Forschung beweisst das detailliert und zweifelsfrei.

Ein spannendes und trotz der Komplexität des Themas gut lesbares Buch!
Es ist in einem Wissenschaftsgeschichte und gleichzeitig Beleg für das für Laien ungeahnte Ausmaß der Schwierigkeiten so manch wissenschaftlicher Forschung. Kempermann wertet die letzten 50 Jahre als äusserst fruchtbar für das Thema “adulte Neurogenese”. Das es so ist, ist der unermüdlichen und findungsreichen (Zusammen-) Arbeit zahlreicher Wissenschaftler zu verdanken.