Gerd Kempermann – Die Revolution im Kopf

Einleitung:

Das Folgende musste ich nochmal flugs neu erfassen, nachdem mein Artikel über Kempermanns Buch, den ich recht umfangreich, dem Werk angemessen, angelegt hatte, plötzlich…leer war.

Buchbesprechung:

Seit langem ist bekannt, daß Nervenzellen sich plastisch verhalten können. Sie können u.a. die Verbindungen untereinander stärken oder neue Fortsätze bilden.
Dennoch gilt das Gehirn seit jeher als regenerationsunfähig!
Im Gegensatz zu Haut oder Darm, der sich laut Slogan von Mahlzeit zu Mahlzeit erneuere, bewegt sich hier so gut wie nichts. Es gehen nur Zellen verloren, im Älterwerden oder durch Demenz.

In den 60ern erfuhr man über das Beispiel von Singvögeln, die jedes Jahr aus Balzgründen neue Lieder lernen (und die alten nicht mehr zur Verfügung haben), daß sich im Hippocampus, dem Ort des Lernens und der Erinnerung, doch eine sehr geringe Zahl an neuen Nervenzellen bilden können. Diese neuen Nervenzellen stellen in jeder Beziehung ein Mysterium dar, wie der Autor, Gerd Kempermann, sehr ausführlich darlegt.

Er beschreibt in sehr präziser Sprache den Kampf um Wissen auf diesem Gebiet, die vielen Versuche und Irrtümer, die Trugschlüsse und dennoch immer kleinen Erfolge auf dem Weg, die sogenannte adulte Neurogenese, also die Neubildung von Nervenzellen beim Erwachsenen erstmal überhaupt dingfest zu machen und letztlich zu begreifen, was da überhaupt vor sich geht.

Was genau die sehr geringe Zahl an neuen Nervenzellen konkret bewirkt, was diese Nervenzellen technisch machen, ist nicht klar. Nur, daß das Gehirn als Folge leistungsfähiger wird. Aktive körperliche Bewegung (!) und reizvolle Umwelt sorgen dafür.
Damit verbindet sich die Hoffnung, Demenz vorzubeugen.
Als noch in der Zukunft liegendes Thema taucht die Möglichkeit auf, das Gehirn von aussen anzuregen, neue Nervenzellen für den Ersatz krankheitsbedingt verlorengegangener Zellen zu bilden. Dennoch wäre in diesem Falle überhaupt nicht klar, ob eine solche Bildung, falls sie gelänge,  technisch zu einem Ersatz der verlorengegangenen Zellen führen würde. Eine Fuhr neuer Zellen müsse ja auch konkret eingebunden werden, ihr Vorhandensein bedeute noch garnichts.

Kempermann weist immer wieder darauf hin, daß wir mit einem aktiv geführten Leben selbst für ein leistungsfähiges Gehirn im Alter sorgen können – die Forschung beweisst das detailliert und zweifelsfrei.

Ein spannendes und trotz der Komplexität des Themas gut lesbares Buch!
Es ist in einem Wissenschaftsgeschichte und gleichzeitig Beleg für das für Laien ungeahnte Ausmaß der Schwierigkeiten so manch wissenschaftlicher Forschung. Kempermann wertet die letzten 50 Jahre als äusserst fruchtbar für das Thema “adulte Neurogenese”. Das es so ist, ist der unermüdlichen und findungsreichen (Zusammen-) Arbeit zahlreicher Wissenschaftler zu verdanken.

4 thoughts on “Gerd Kempermann – Die Revolution im Kopf

  1. Ob unser Gehirn regenerationsfähig sein kann oder nicht, lasse ich mal dahingestellt. Ich bin einfach unendlich dankbar, dass es noch funktioniert und fürchte seine Beeinträchtigung mehr als jede andere Einschränkung.
    Lieben Gruss,
    Brigitte

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