Category: Wissenschaftliches

Grössenordnungen

Grössenordnungen

Das Bild zeigt eine Zeichnung von mir als Knirps. Ich war offenbar sehr von Zahlen fasziniert.

Sehr viel später hat mich mal interessiert, wie groß eigentlich eine Milliarde oder selbst eine Million ist? Wie kann man die tatsächliche Größe dieser Zahlen begreifen?

Ich sties dabei auf den Künstler Chris Jordan, der 2007 in seinem Werk „Running the numbers“ dies vorbildlich hauptsächlich anhand unserer Wegwerfprodukte tat.
Er zeigt in diesen Arbeiten sehr deutlich, wie groß die jeweiligen Zahlen wirklich sind.

Man sieht in seinen ausserordentlichen Beispielen in der Regel ein monochromes Bild oder ein pointillistisches Gemälde, in das man hineinzoomen kann. Nach einiger Zeit des Zoomens stösst man auf das eigentliche Gewebe dieser Bilder: Wegwerfprodukte pro Zeiteinheit, Verbrauchsmaterialien in unsäglich großer Anzahl, dicht an dicht. Auf diese Weise hat man einen handhabbaren Eindruck davon, was eine bestimmte Zahl konkret bedeutet.
Hier das Beispiel Plastikbecher, die in einer bestimmten Zeiteinheit weggeworfen werden:

http://www.chrisjordan.com/gallery/rtn/#plastic-bottles

Erklärung für Istzustand

“Alles ist so, weil es so geworden ist.”

Dieser auf den ersten Blick unscheinbar wirkende Aphorismus stammt vom Biologen D’Arcy Thompson.
Er wurde u.a. vom Entwickungspsychologen Paul Bloom in dem hervorragenden Buch “Wie funktioniert die Welt?” des Herausgebers John Brockman (Übersetzter Sebastian Vogel) als ein wie-funktioniert-die-weltausgezeichnetes Motto vorgestellt.

 

Das Buch behandelt die edge-Frage von 2012, die an diverse englischsprachige Wissenschaftler gerichtet wurde:

WHAT IS YOUR FAVORITE DEEP, ELEGANT, OR BEAUTIFUL EXPLANATION?
Oft wurde bei dieser Umfrage 2012 Darwin und die Evolution aufgeführt, sogar von fachfremden Experten. Bloom fand den Aphorismus von Thompson als besonders ansprechend und weithin anwendbar.
So gibt er z.b. folgende Auslegung an (Zitat in der deutschen Ausgabe):

Kreative Erwachsene sind häufiger später geboren (weil sie gezwungen waren, sich ihre eigenen, charakteristischen Nischen zu suchen).

Was er noch für Beispiele anführt, kann man im Original nachlesen:

https://www.edge.org/response-detail/11184 (engl.)

 

 

Bernhard Kegel: Die Herrscher der Welt: Wie Mikroben unser Leben bestimmen

Vor etwa 5 Jahren war ich in Jena im optischen Museum und konnte im  Mikroskop dort einige Präparate unter die Lupe nehmen. Das erweckte ein lebhaftes Interesse an Mikro-und Nanofotografie, dem ich alsbald mit dem Kauf vortrefflicher Bildbände zum Thema frönte.
im phylogenetischen Museum am gleichen Ort 2 Jahre später sties ich auf sorgsam präsentierte  Entwicklungsgeschichte der Arten. Das weckte nochmal nachhaltig mein Interesse an Biologie.
Bernhard Kegels Buch „Die Herrscher der Welt: Wie Mikroben unser Leben bestimmen“ setzt hier nahtlos fort.
Alle mehrzelligen Arten, Pflanze und Tier, sind mit Mikroben symbiotisch verbunden. Es gibt kein Leben ohne diese Helfer. Bernhard Kegel zeigt sehr schön, wie mächtig die „Biomasse“ an Mikroben in den Wirtskörpern ist. Jeder Wirt hat zudem sein ureigenes, spezifisches Holobiom, also eine Reihe von „Bakterien-Zusatzwelten“, Mikrobiome genannt, die für den Wirt vielfältiges erledigen. Von der (gar nicht so ) „schnöden“ Nahrungsverwertung über Verteidigungsmassnahmen bis hoch sogar zum Steuern von Gerüchen, Emotionen und mentalen Prozessen. Letzteres wird in der Mikrobiologie zur Zeit unter die Lupe genommen.
Es wird im Buch klar und auch so ausgedrückt, daß es den Begriff Individuum im Grunde so nicht mehr geben kann, denn jedes Leben ist ein Zusammenleben  und -Existieren von Verbänden. Man muß sogar den Begriff Evolution neu überdenken, denn es handelt sich ja immer um eine Co-Evolution. Tierart und Holobiom gegen gemeinsam voran.

Das Buch ist reich an Erkenntnissen. Es ist zudem reich an Hinweisen, über was der Mensch schon bescheid weiß und welche unglaublichen technischen Möglichkeiten ihm mittlerweile zur Verfügung stehen, immer tiefer in die hochkomplexe Materie vorzustossen. Man hat schon weitgehend verstanden, wie ein einfacher Holobiont, also ein Wirt und ein einzelnes Bakterium zusammenarbeiten. Wie sie zusammenfinden und sich gegenseitig (!) steuern. In Realita sind es aber meist komplexe Regelkreise, in denen z.b. Bakterien andere Bakterien anweisen/steuern, also ein riesiges Konzert an Beteiligten, die mit nichts anderem als chemischer Sprache kommunizieren. Wie solche Lebensgemeinschaften so fein abgestimmt werden konnten, auch wenn Jahrmilliarden zur Verfügung standen, das bleibt für mich ein gefühltes Mysterium.
Ich denke, auch da wird man klarere Antworten finden, wenn es sie nicht schon im Prinzip gibt.
 

Sachbuch Wissenschaft Biologie

Continue reading “Bernhard Kegel: Die Herrscher der Welt: Wie Mikroben unser Leben bestimmen”