Category: Persönliches

Irrationalität

Kleine Kritzelei mit Kugelschreiber 2004 im Notizblock

Süsser_Zwang

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In einem früheren Artikel von mir,  “Die Milchflasche“deutete ich schon das Thema “Zwang” an.
Gängigstes Beispiel einer “Zwangs-Gestimmtheit”, englisch mit OCD (obsessive compulsive disorder) bezeichnet,  dürfte allgemein bekannt wohl unendlich vieles Händewaschen oder das wiederholte Kontrollieren eines Herds sein.

Bei mir treten nun ab und an sowohl Zwangsgedanken als auch Zwangshandlungen auf. Und das seit frühester Kindheit und daher nicht völlig abzuschütteln.

Ein “harmloses” Beispiel unter vielen:
An einem Abend, gegen 18:00,  war ich auf dem Weg zu einem Jazzkonzert mit Mitwirkung des Blogkollegen Stefan Hetzel.

Ich parkte auf einer Strasse unweit der Musikkneipe.

Höchstparkdauer zwei Stunden las ich plötzlich. Was hies das? Auch abends?!? Ich nahm also mein Auto  wieder weg (!) und fuhr ins nächste Parkhaus, obwohl ich für den Platz auf der Strasse schon gelöhnt hatte! Auf der besagten Straße hatte ich abends übrigens schon öfters mal geparkt, aber plötzlich hatte ich an diesem Abend die Eingebung: Womöglich immer Glück gehabt! Heute schleppen sie es vielleicht ab!

Kaum war mein Auto im Parkhaus geparkt, kam mir der nächste Gedanke: War das jetzt im Parkhaus etwa ein Dauer-Parkplatz gewesen? Soll ich es wieder rausholen? Was mache ich bloß jetzt???

Ich konnte meine aufgeschaukelte Angst ,was recht ungewöhnlich ist, dann doch abschütteln. Striktes Vermeiden des Daran-Denkens war die Maxime, sodaß ich das Konzert dann doch gut verfolgen konnte.

In äusseren Krisenzeiten kann dieses beschriebene Phänomen stärker werden und den vollen Alltag bestimmen. Die obige Zeichnung stammt aus solch einer Krise.

 

 

 

Kurze Notizen zu Büchern – Candite

Ab und an veröffentliche ich ganz lose Notizen und Anmerkungen  zu Büchern , die ich gerade gelesen hatte.

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Ich sties unlängst auf eine Notiz des bedeutenden Biologen Salvador E. Luria in seinem Werk: “Leben – das unvollendete Experiment“, die mich aufhorchen lies.
Sie bezieht sich auf eine Figur aus Voltaires Roman Candite (1759).

Voltaire legte einer immer wieder geschändeten und verstümmelten Frau in den Mund: Hundert Mal wollte ich mich töten, doch ich habe das Leben noch geliebt.

Ich las diese Zeilen, als ich zeitgleich zu Lurias Buch Edith Egers Autobiographie über ihre Zeit in Auschwitz und auch danach las.

Voltaire gefiel Leibniz These der “besten aller möglichen Welten” nicht.

 

“Kann das weg”?

Oft, wenn ich mit meinem Fotoapparat auf der Suche nach Insekten bin, stosse ich auf etwas, dem man sonst wohl kaum positive Aufmerksamkeit geben würde: Irgendein “Kraut-Tierchen”, ähnlich wie die Silberfischchen, also “unterste Gattung”!

Aber stimmt das wirklich?

Unten1

Hier an der Wand solch ein “unschönes” Tierchen.

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Guckt man nach, so wird eine andere Geschichte daraus:

Unten2

Und plötzlich ist das Insekt spannend und sogar auf seine Weise schön!

“Der Zug kam zum Stehen!”

zug

 

Wer eine Reise macht, kann was erzählen :-).

Unser Rückflug von den Kanaren hat Verspätung.
Delayed” steht da, ohne weitere Angabe. Warum, wieso, das weiß niemand.
Ich war mal vor 20 Jahren in Ägypten, da verzögerte sich der Flug in Frankfurt um 6 Stunden plus…

Dieses Mal waren es 90 Minuten.
Die Erklärung des Piloten: “Formalitäten vor Abflug und dann hier eine Nichtfreigabe des Landens, also Ehrenschleife”. Andere Flüge schienen das Schicksal dieses Flugs nicht zu teilen.

Eine Stunde vor einem möglichen IC-Anschluß landet der Flieger schliesslich in Frankfurt.
Bis er zur Ausstiegshalle vorfährt, vergehen nochmal 10 Minuten.
Die Koffer bekommen wir 4 Minuten (!) vor Abfahrt des Zuges.

Nun ist der Fernbahnhof des Flughafens  eine ordentliche Fußstrecke entfernt. Man braucht etwa 10 Minuten, falls man die Hinweise schnell lesen kann.
Der Zug ist weg.

Verschwitzt von sehr engen Sitzverhältnissen im Flieger geht es mit je 3 Gepäckstücken in den “wunderbaren” Fern-Bahnhof. Fast futuristisch gestaltet, aber zugig. So war er schon immer!
Zwei höhere Plattformen “SQUARE EAST” und SQUARE “WEST” bieten die Möglichkeit, noch ein Bier zu trinken und etwas zu essen.
Warm ist es da nicht, eben riesige Hallen, aber nach all dem Gewusel eine Möglichkeit, etwas zu verschnaufen.

Unser IC geht 75 Minuten nach dem verpassten Zug.
23:30 sollte dieser dann in Würzburg ankommen, aber er tut es erst nach 23:50.
Grund: 10 Minuten Verspätung und kurz vor Würzburg ein Halt, der nach dem allmählichem Stehenbleiben durch den Schaffner per Ansage so kommentiert wird:

“Der Zug kam zum Stehen”.

Aha!

Durch all die Verspätungen kommt auch der Nachbar nicht zum Abholen. Also geht es mit dem Taxi nachhause.
Erkälten muß man sich eigentlich im Winter nach einem Urlaub in der Sonne nicht –  nur dann eben, wenn man Stationen durchlaufen muß, bei dem Schwitzen in zugigen Hallen und Bahnsteigen inclusive ist. Dann ist es fast unausweislich!