Category: Kreatives sonst

Eignung und danach leben

Als kleiner Bub ritzte ich eine Zeichnung eines Frauenkopfs in den Sand.
Der Kopf gelang sehr gut, ungemein gut sogar und ich musste Mutter unbedingt zeigen, was ihr Kleiner am Rand der Strasse vollbracht hatte.

Als Schüler am Gymnasium waren  Kunstunterricht, Mathematik und anfangs Deutsch meine Paradefächer.
Als das Abitur anstand, meinte mein Zeichenlehrer auf die Frage, ob es geschickt wäre, Kunst zu studieren, daß man kaum davon leben könne.
Also studierte ich Mathematik.

Das Künstlerische habe ich in meinem danach folgenden Leben kaum gepflegt. Die Frage “Wieso” ist durchaus berechtigt. Ich kann sie kaum beantworten.
Oder doch, aber das würde zu weit führen.

Erst jetzt, wo mein Arbeitsleben dem Ende zu geht, besinne ich mich auf meine ursprünglichen Eignungen.
Und gebe diesen Eignungen ihren Raum.

 

Wieviel Zeit kostet künstlerische Arbeit?

Je nachdem, welche Sparte der Kunst man “bevölkert”, sei es Musik oder bildende Kunst:

Ich habe den Eindruck , daß in mancher Kunstgattung gute Ergebnisse mit relativ wenig zeitlichem Aufwand einhergehen können.

Michelangelo mit seinem David wird ordentlich Zeit gebraucht haben, auch wenn man weiß, daß der Marmorstein, den es zu behauen galt, schon Jahrzehnte teilbehauen irgendwo auf denjenigen wartete, der ihn schlussendlich zu nehmen wusste.

Hrdlicka fertigte Steinskizzen (!) an, also er behaute  an einem einzigen Tag (!) einen mehr als mannhohen Block und nannte das Skizze!

Von irgendjemand kenne ich das Bonmot, das man gerne benutzen kann, wenn man gefragt wird, wie lange man zu einem Objekt gebraucht hat: 4 Stunden und 40 Jahre!

Ich kenne Maler, die immer wieder, ja jahrelang an einem bestimmten Bild gearbeitet haben.

Ich lernte einen Keramiker kennen, der eine seiner Porzellan-Tassen per Hand aus winzigen Bätzchen aufbaute und wo der körperliche Schmerz dieses Tuns Teil des Gehalts war.

Andererseits gibt es auch Beispiele, in denen jemand sehr rasch zu guten Ergebnissen kommt.

Das was ich über die bildende Kunst sagte, gilt sicher auch für Musik. Stefan Hetzel, ein guter Bekannter, arbeitet (offenbar) immer wieder an seinen ursprünglichen Kompositionen. Diese führen manchmal Jahreszahlen und weisen so auf das Geburtsjahr hin.

Ich frage mich: Gibt es so etwas wie das “optimale Material” oder gibt es eine Reihe solcher, mit denen man schnelle und gleichzeitig gute Resultate erzielen kann? Resultate mit Substanz natürlich?
Oder anders rum gefragt: Sind manche Materialien zu langsam?