Wieviel Zeit kostet künstlerische Arbeit?

Je nachdem, welche Sparte der Kunst man “bevölkert”, sei es Musik oder bildende Kunst:

Ich habe den Eindruck , daß in mancher Kunstgattung gute Ergebnisse mit relativ wenig zeitlichem Aufwand einhergehen können.

Michelangelo mit seinem David wird ordentlich Zeit gebraucht haben, auch wenn man weiß, daß der Marmorstein, den es zu behauen galt, schon Jahrzehnte teilbehauen irgendwo auf denjenigen wartete, der ihn schlussendlich zu nehmen wusste.

Hrdlicka fertigte Steinskizzen (!) an, also er behaute  an einem einzigen Tag (!) einen mehr als mannhohen Block und nannte das Skizze!

Von irgendjemand kenne ich das Bonmot, das man gerne benutzen kann, wenn man gefragt wird, wie lange man zu einem Objekt gebraucht hat: 4 Stunden und 40 Jahre!

Ich kenne Maler, die immer wieder, ja jahrelang an einem bestimmten Bild gearbeitet haben.

Ich lernte einen Keramiker kennen, der eine seiner Porzellan-Tassen per Hand aus winzigen Bätzchen aufbaute und wo der körperliche Schmerz dieses Tuns Teil des Gehalts war.

Andererseits gibt es auch Beispiele, in denen jemand sehr rasch zu guten Ergebnissen kommt.

Das was ich über die bildende Kunst sagte, gilt sicher auch für Musik. Stefan Hetzel, ein guter Bekannter, arbeitet (offenbar) immer wieder an seinen ursprünglichen Kompositionen. Diese führen manchmal Jahreszahlen und weisen so auf das Geburtsjahr hin.

Ich frage mich: Gibt es so etwas wie das “optimale Material” oder gibt es eine Reihe solcher, mit denen man schnelle und gleichzeitig gute Resultate erzielen kann? Resultate mit Substanz natürlich?
Oder anders rum gefragt: Sind manche Materialien zu langsam?

 

 

12 thoughts on “Wieviel Zeit kostet künstlerische Arbeit?

  1. @Gerhard: Erst mal danke, dass du dieses Thema angeschnitten hast (und auch so liebenswürdig warst, meinen Namen zu erwähnen).

    “Gibt es so etwas wie das ‘optimale Material’ oder gibt es eine Reihe solcher, mit denen man schnelle und gleichzeitig gute Resultate erzielen kann?” – Gibt es den Stein der Weisen? – – Ja, sicherlich, aber nur für die, die ihn finden will. Objektiv gibt es ihn ganz sicher nicht. Was für den Einen der Stein der Weisen, ist für den Anderen der des Anstoßes. Ich habe mir sagen lassen, dass es wesentlich mühsamer ist, die Grundlagen des Violinspiels zu lernen als die des Klavierspiels. Dennoch wird man auf einer Violine niemals wirklich die Freuden der Polyphonie erleben. Auf der anderen Seite wird ein Klavierton niemals so ausdrucksstark und der menschlichen Stimme ähnlich sein wie ein Violinton. Und so geht das unendlich weiter, see what I mean…

    “Sind manche Materialien zu langsam?” – *Alle* “Materialien* sind jedenfalls langsamer als der Geist.

    Ein bisschen Kreativitätspsychologie, erwirtschaftet aus meinen Selbstbeobachtungen: Fügt sich ein Material dem eigenen Wollen sehr schnell, ist erst mal Befriedigung erreicht und Frustration abgewehrt. Schön. Gut. Aber sofort (und zwanghaft?) stellt sich anschließend ein Misstrauen ein: “Nee nee, das war jetzt zu einfach. Da muss ich weiter dran feilen.” Und das mache ich dann auch – selbst wenn sich viel später herausstellen sollte, dass die erste Lösung doch die beste war.

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    1. @Stefan, ein guter Beitrag, danke!

      Um auf das “Zwanghafte” einzusteigen:
      “Zwanghaft” ist wohl, möglichst viel zu produzieren. Zwanghaft ist es sicher auch, möglichst viel Bücher gelesen zu haben.Zwanghaft ist es wohl ebenso,seine Marathonzeit weiter runterdrücken zu wollen.
      Dieses Nichtzufriedenseinkönnen kann schon wirklich eine Seuche sein.
      In der Keramik habe ich des öfteren das Gefühl: Es ist genug mit dem “Feilen am Stück”. Es ist zwar nicht perfekt (die Idee umgesetzt schon), aber ich will einfach nicht mehr, bin müde und will mich demnächst einer anderen Idee widmen. (Raus aus dem Gefängnis).
      Ich packe daher fast nie meine Arbeiten ein, lasse sie also trocknen (womit sie unbearbeitbar werden).

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  2. von Giacometti weiß ich, dass er erst spät zu der Form gelangt ist (Bronzeguss der hohen Figuren), die ihn berühmt machte. Er zeichnete unermüdlich und arbeitete Skulpturen in Gips und Ton – sog. “schnelle” Materialien. Dennoch war er das Gegenteil eines “schnellen” Künstlers.
    Übrigens soll er zu Picassos Überproduktion bemerkt haben: Was will er nur mit all diesen Bildern?

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    1. Manchmal denke ich, daß meine vielleicht 100+ Keramiken, die ich bisher geschaffen habe, nicht viel sind. Manches davon hat wenig Zeit gekostet, anderes wieder recht viel.
      Eigentlich ist Arbeiten in Ton eine meditative Tätigkeit und Zeit sollte da keine Rolle spielen.
      Das Tun ist wichtig, die Arbeit mit “Erde”.

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  3. Ich denke, die Zeit für die Entstegung eines Kunstwerkes, ist für den Künstler nicht wichtig! Aber für den Käufer hört es sich gut an, wenn er weiß, der Künstler hat sehr lange daran gearbeitet.
    Was dann auch wieder relativ ist!

    LG Babsi

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