Category: Etüden

Aus der Welt gefallen

Kleine Notizbuchzeichnung

Dank Christiane geht es wieder mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von Ludwig Zeidler.
Folgende Worte sind zu verwenden:

Idee
engelhaft
vergraben

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Ist Redlichkeit aus der Welt gefallen?

Ein Freund von mir gebrauchte dieses Wort “Redlichkeit” jüngst , als er in einem Dreiergespräch Auskunft über seine Urteilskraft geben sollte.
Sofort reagierte ich darauf: Offenbar bedeutet mir Redlichkeit sehr viel.

Ursprünglich, so las ich nach, verstand man unter der Idee der Redlichkeit, wenn Handeln und Reden in der Person eins sind.

Ich selbst fasse Redlichkeit so auf, daß man nicht vorschnell urteilt, stattdessen (immer wieder aufs Neue) abwägt, in seinem Urteil stets offen bleibt und sich Veränderungen in der Erkenntnis nicht verschliesst.
Das ist Arbeit! Und ein fast engelhaftes Bemühen, denn redliches Bemühen schliesst nicht Fehler und Missverstehen aus.

Das mit der Redlichkeit ist wohl ganz tief in mir vergraben.
Um etwas psychologisch zu werden: Ich war als Vorschulkind stolz darauf, ehrlich meiner Mutter gegenüber zu sein. Offenbar wurde in meiner Familie viel Wert darauf gelegt.

Nun ist Ehrlichkeit etwas anderes als Redlichkeit. Aber sie könnte eine der Wurzeln sein.

Ideen müsste man haben

Dank Christiane geht es wieder mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von Ludwig Zeidler.
Folgende Worte sind zu verwenden:

Idee
engelhaft
vergraben

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Eine Idee müsste man haben!
Der Autoschlüssel war nicht mehr aufzufinden.
Mit engelhafter Geduld suchte er an allen möglichen und unmöglichen Plätzen. Ja, er erinnerte sich, daß der Schlüssel mal vom Sofa runtergerutscht war und es sich neben dem linken vorderen Sofabein bequem gemacht hatte. Doch unter und neben dem Sofa war nichts!

Schliesslich kam er sogar auf die Idee, daß Fips, sein Hund, ihn geschnappt und im Garten vergraben hatte.

Ne, das war dann doch zu absurd.

Nun nahm er notgedrungen mit dem Zweitschlüssel vorlieb.

Es wurde Winter.
Er ging daran, die grossen Keramikpötte vor dem Haus in die Garage zu schaffen. Also Wasserpflanzen rausnehmen und das Wasser ausschütten!
Und siehe da: In einem der Pötte lag der Schlüssel zuunderst. Da er immer die Angewohnheit hatte, beim Reinschaffen der Einkäufe den Schüssel nebst Mäppchen schnell in die Hosentasche zu stopfen, muß dieser unbemerkt den Weg in den rechten Wasserpott gefunden haben.

Trinkgefässe

Teetasse von Yvon Gauchot (FR)

Dank Christiane geht es munter mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von Herr Stepnwolf vom Blog Weltall. Erde. Mensch…und Ich. Sie lauten:

Reagenzglas
übermächtig
vergessen.

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Aus wieviel verschiedenen Trinkgefässen habt ihr schon getrunken?

Ich erinnere mich an die 0,1l- Biere, Stößchen genannt, die es in Köln und Düsseldorf in den Outdoorkneipen zu kaufen gab. Vom Inhalt her wie ein grösseres Reagenzglas , so kam das mir vor.

In den USA gab es zum Essen mal “1 can”, fast schon vergessen, das war ein Dosenbier, etwa 0,6 – 0,7 l stark. Dagegen sind die in manchen Gegenden Unterfrankens möglichen imposanten 0,5 l Pils-Gläser fast schon mickrig zu nennen.
In NY kaufte ich mal in einem Deli zur Nacht “Root Beer”. Leider musste ich das warme Getränk dann auf dem Zimmer wegschütten. Mit Bier hatte das nichts zu tun 🙂

Im Süden der USA, bei einem Fest am Mississippi, gab es Plastikkelche, da passte fast ein Liter rein. Man trug sein Gefäß, wohl so 40 cm lang, mit der Hand an der Öffnung bequem durch die Gegend.

Die winzigen keramischen Schnapsstamperl, wohl für 0,05 l gedacht, sammele ich ebenso wie die etwas grösseren Espressotassen. Letztere ziehen mich oft übermächtig auf Keramikmärkten an. Es ist einfach schön, eine feine Reihung auf seinem Küchenbord zu wissen. Sogar kleine Vasenformen nehme ich manchmal als Espressotasse.

Wie sind Eure Erfahrungen mit Trinkgläsern und – kelchen ? Welche besonderen Stücke habt ihr?

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Erinnerungen einer Nation

Dank Christiane geht es munter mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von Herr Stepnwolf vom Blog Weltall. Erde. Mensch…und Ich. Sie lauten:

Reagenzglas
übermächtig
vergessen.

Ich versuche mich diesmal mit einer sehr mageren Buchrezension, denn es gilt ja, die 300-Worte-Regel nicht zu überschreiten…

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Neil MacGregor, Gründungsintendant des Humboldt-Forums, versucht in dem Buch “Erinnerungen einer Nation” anhand meist künstlerischer Artefakte, deutsche Geschichte nachzuzeichnen.
In 30 Kapiteln untersucht er sehr präzise und mit tiefer, vorurteilsfreier Einscht, was es eigentlich heißt, Deutscher zu sein.
Auch wenn man geschichtlich schon gut bewandert ist, verhelfen diese Schritte durch die Epochen zu einem umfassenderen Verständnis des Deutschtums.

MacGregors Blick durchs Reagenzglas oder Brennglas erweist sich als ein sehr abgeklärter Blick, ohne Vorurteile und sieht Europa als Ganzes.

Man liest vom sehr prägenden Bauernkrieg und der machtvollen Hanse. Von den Preussen und der Auflösung dieses Reiches.
Die Geschichte der Juden in Deutschland wird nicht vergessen und ausgespart. Mein Titelbild von Rudolf Arnheim, den ich mal skizziert hatte, mag als Referenz an dieses Kapiel dienen.
Luthers Übersetzung der Bibel wird beleuchtet, auch der Versuch, dies in England gleich zu tun, wird gestreift.
Gutenberg’s einmaliges Genie, die bisher schon zur Verfügung stehenden handwerklichen Fertigkeiten so zu bündeln und komprimieren, daß ein Serienbuchdruck von Büchern möglich war, beeindruckt. Seine Erfindung war ein Multipliaktor hohen Ausmasses für die Verbreitung von Wissen.
Riemenschneiders Kunst wird ein ganzes Kapitel gewidmet. Ebenso natürlich darf Dürer nicht fehlen, dessen Signum oft kopiert wurde. Gegen Kopien seiner Werke hatte Dürer wenig, nur die Kopie seines “AD”-Zeichens, die sties ihm sauer auf.
Der übermächtige Goethe darf in der geschichtlichen Betrachtung nicht fehlen.
Und natürlich darf auch Käthe Kollwitz und Ernst Barlach nicht fehlen. Barlachs schwebender, pazifistischer Engel mit dem Gesicht von Kollwitz wurde in der NS-Zeit zerstört. Nur durch eine damalige heimliche Kopie hat dieses Werk überlebt und hängt nun gleich an 2 Orten in Deutschland.

Die wichtige Bauhausbewegung klingt im Buch mehrmals an.

Die Phase von Napoleons demütigenden Siegen Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur Gründung des deutschen Kaiserreichs 1871 wird eingehend beleuchtet.
Vergessen wurde wenig in diesem kenntnisreichen Buch.

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300 Worte