
Schwere Ballung
Eine Künstler-Geschichte bringe ich in Christianes neuen Etüdenaufruf ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text Text soll die Worte “Schlick ominös putzen” enthalten.
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Im Urlaub fiel es Ferdinand ein, einen gerühmten Bildhauer, der sein Atelier nicht weit von seiner Ferienwohnung hatte, aufzusuchen.
Ferdinand kannte seine künstlerische Richtung ein wenig, denn seine Frau Hermine besaß eines seiner Stücke. Er war auch dabei gewesen, als die Frau des Meisters es seiner Frau in einer Galerie verkaufte. Ominös war damals nur, daß der Bildhauer selbst nicht anwesend war.
Ferdinand und Hermine traten also nun in den Garten des Bildhauers ein. Unangemeldet. Spontan.
Plötzlich war eine Stimme zu hören. Es war wohl seine Stimme, die des Meisters. Sie drang von einer freistehenden Mauer herüber, hinter der er offenbar gerade seine Gartengeräte putzte.
Es entspann sich ein kleiner Dialog. Zu sehen war er selbst dabei nicht, zu keinem Zeitpunkt! Obwohl die Einfassung der Mauer nur vielleicht nur 50 cm betrug.
Zum Schluß verwies er auf seine Frau, die im hinteren Garten beschäftigt war.
Sie machte Ferdinand und seiner Frau auf und sie bestaunten in der Folge die Werke des Meisters, die wirklich aussergewöhnlich waren: Frisch, durchwirkt von fast magischer Kraft. Ein Traum an Kreativität!
Schliesslich kauften sie etwas Mittelgrosses – Ferdinand war es, der eigentlich darauf drängte.
Ferdinand kramte im Studio des Meisters die ganze Zeit im Schlick seiner Erinnerungen: An ihn als Person, auch von Fotos her, konnte er sich nicht erinnern. Seine Frau dagegen war ihm gleich wieder vertraut gewesen. Eine wunderbare, ältere Frau mit Grazie.
Als sie das Anwesen unter vielen Wünschen verliesen, war der Schöpfer des Ganzen wiederum nicht zu sehen. Weit und breit keine Regung.
Plötzlich sah Ferdinand einen Hinterkopf im Garten, den konnte er gerade noch so in etwa erhaschen.
In diesem Kopf des Meisters also … waren all diese wirklich großartigen Dinge entstanden !!
Vielleicht hatte er recht, daß er sich nicht zeigte. Seine Werke waren – vielleicht – in einem Fluidum entstanden und hatten mit ihm, seiner Person, eigentlich nichts zu tun.
So kann man es sehen – und so sah er es wohl selbst, vermutete Ferdinand.
Ein wahrlich großer Künstler, ohne Gesicht. Nur in seinen Werken zeigte es sich.





