Category: Etüden

Der Hof des Königs

Was hast Du gesagt? – Zeichnung Gerhard M.


Einen neuen Text bringe ich in Christianes nun zweiten Etüdenaufruf ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte

Prophezeiung
anständig
verkrümeln.

enthalten.

*


Wer in früheren Zeiten einem Herrscher schlechte Nachrichten brachte, der musste sich alsbald verkrümeln.

Oder er überbrachte seine Nachricht eingebettet in eine kunstvolle Prophezeiung, die man so oder so auslegen konnte.
Das ist eine fürwahr anständig schwere Kunst gewesen.

Und was macht man heute, wenn vom Climate change die Rede ist?
Entweder man leugnet lange einen solchen, zumindest einen selbstgemachten.
Oder man sagt: Da haben wir gewievte Leute für, die können das abbiegen.
Oder man meint: Das können wir schaukeln, sogar mit wachsendem Wohlstand, ohne jegliche Einbuße oder Verzicht.

Ja, wenn so viele das sagen, wo ist dann das Problem?
Und können so den Hof des Königs verlassen ohne Unbill. Der König ist’s zufrieden …


Die Socken

Der Horst sprachlos über den Heinz

*

Heinz seine Erlebnisse

*

Vom Cafestuhl in den Schlick Heinz fiel
der war ungemein dick und viel

Wer lachte da reihum gemein?
das fand er wahrlich nicht fein!

Zu putzen war da wahrlich nix
Alles ausziehen wollte er, sofort, fix.

Mittendrin hielt Horst ihn zurück
mit ernstem und hartem Blick!

“Was ist denn da so ominös?”
Heinz wurde fast richtig bös!

“Heinz, so bedenke doch!
Deine Socke hat ein Loch!”

Da hatte Horst wahrlich recht
Das mit der Socke wäre schlecht

Wie würde das denn aussehen
Die letzte Socke und die Zehen?

Das wäre ein Fauxpas ohnegleichen
Also lies er sich erweichen.

Packte seine Siebensachen zusammen
Alle hatten jetzt deutlich Erbarmen

Rosie gab ihm ihren frischen Cappu
Seine Stimmung hob sich im Nu.

Dreckig war er freilich nach wie vor
Aber er hatte vermieden ein Eigentor.


Eine weitere Geschichte also für Christianes neuen Etüdenaufruf .
Mein max. 300 Worte umfassender Text Text sollte die Worte “Schlick ominös putzen” enthalten.

Der angenehm Blaue

Blauer Erlenblattkäfer Agelastica alni, ein prächtiges und 6 – 7 mm kleines Tierchen.

Gefunden am 6.9.2021

Wie der leuchtet in herrlichem Blau!

*

Welcher Blaue ist eigentlich angenehm?!

In meinem Leben bin ich einigen begegnet. Etwa den, der meine Frau neben mir deutlich anmachte und offenbar meinte, ich bekäme es nicht mit.

In den Schlick warf ich ihn nicht …

Ich kenne auch Leute, die eher dem seligen Hans Moser gleichen. Die sind charmant, liebenswürdig und zeigen ihre schönste Seite, so ominös das jetzt klingen mag.

Eine besondere schauspielerische Leistung ist mir von Günter Lamprecht aus dem Film “Rückfälle” von Peter Beauvais, in Erinnerung.
Der Moment des Rückfalls: Er setzt die Flasche an, putzt sie fast ganz runter und warf die Flasche danach wütend und entsetzt aufs Trottoir.
So wie er konnte das kaum jemand spielen.

Ja, da lobe ich mir den Moser, der mal spätnachts sein Schlüsseloch nicht fand und das auch noch liebevoll vertonte…das ist deutlich weniger tragisch.

Eine weitere Geschichte also für Christianes neuen Etüdenaufruf .
Mein max. 300 Worte umfassender Text Text sollte die Worte “Schlick ominös putzen” enthalten.

Gehörtes

Hörwindungen – Zeichnung Gerhard M.


Eine weitere Geschichte bringe ich in Christianes neuen Etüdenaufruf ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text Text soll die Worte “Schlick ominös putzen” enthalten.

*


Vor vielen Jahren war es, da unterstützte ich einen kleinen Club in den Bergen.

Nach dem freitagabendlichen Schachtraining im örtlichen Wirtshaus saß ich noch eine Weile dort allein, im Schlick meiner Müdigkeit.

Nur drei ältere Kartenspieler sassen am vorderen Tisch, alle anderen Tischen schienen schon geputzt.
Zwei Einheimische und ein Italiener, nennen wir ihn Giacomo, sassen noch zusammen.

Die Spiel-Kommentare kamen sehr rasch und ruckartig, zunächst von den zwei älteren Deutschen.
Sprachlich verstand ich wenig bis nichts. Es war eben Dialekt und auch schnell herausgestossen, wie vielleicht Spucke.

Ich kannte das Spiel selbst nicht, es schien mir “Schafbock” zu sein.

Ich wunderte mich nur, daß Giacomo die abrupten Kommentare der anderen auf ominöse Weise verstand.

Was mich aber noch mehr verwunderte, war, daß Giacomo mit ebenso schnellen Kontern antwortete. Was ich zuvor bei den anderen Zwei noch in etwa verstand, war bei ihm völlig unverständlich. Es war für mich reinste Lautmalerei.

Aber die drei verstanden sich offenbar sehr gut.