Category: Etüden

Am Berg

Heinz sein Schuh… Hans sein auch nicht besser. Aber für den “Schlappen” reichts.

Einen weiteren Text in Christianes neuen Etüdenaufruf bringe ich hier ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Biedermeier
niederträchtig
flöten.

enthalten.
Wortspender ist in diesen 2 Wochen Heide.

*

Paule und Heinz trafen sich wie vereinbart am Berg.

Paule schaute sich Heinz an und stellte fest:

„Heinz, Du wirst doch nicht mit deinen alten Biedermeier-Schuhen den Berg hochkraxeln wollen?“

„Wieso sollte ich nicht, Paule? Bequem sind die!“.

„Heinz, aber ganz allgemein wird zum Bergsteigen gutes und festes Schuhwerk empfohlen!“

„Paule, Du glaubst garnicht, wie gut ich in diesen Schlappen laufe.“

„Das glaube ich Dir schon, dass Du Dich da wohl fühlst. Aber, ich will nicht niederträchtig sein, ein bisschen abgelatscht sehen sie schon aus, haha!“.

„Das mag so wirken. Ich fühle mich mit ihnen gut gewappnet.“

„Naja, ich weiß nicht…
Was, wenn Deine Gesundheit am Berg dabei flöten geht?
Auffangen kann ich Dich jedenfalls nicht“ , schaute Paule amüsiert auf Heinz’s Bauchumfang.


„Der Schorsch ist doch vorletztes Jahr bös umgeknickt, mit seinen extra neuen Schuhen… jetzt bist Du dran!!“ raunte Heinz.

Kaum hatte er es ausgesprochen, kam schon Hans, der 3. Wanderer am vereinbarten Treffpunkt an.
„Hast Du auch solche Schuhe an wie Heinz?“ wunderte sich Paule.
Hans: „Heinz hatte gestern zu mir gesagt, auch Turnschuhe gehen. Das klang für mich völlig plausibel“.

Was sollte Paule nun tun? Das wusste er auch nicht. Wirklich nicht.
Nun standen sie am Fuß des Bergs herum und keiner wollte einen Schritt tun.
Dumm standen sie so rum. Richtig dumm, wie ein Gemälde fast: “Rast am Berg”.

Irgendwann drehten sie sich rum und tranken was unten, beim “Schlappen”. So hies die Kneipe nämlich tatsächlich.



Klare Rede

Glasklarer Teich

Einen fünften Text in Christianes neuen Etüdenaufruf bringe ich hier ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Biedermeier
niederträchtig
flöten.

enthalten.
Wortspender ist in diesen 2 Wochen Heide.

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Klar und deutlich kommunizieren, wie geht das?

Wenn ich einige meiner Freunde, mit denen ich – zur Zeit – im Verbund über Email kommuniziere, so betrachte, ist es nicht niederträchtig zu behaupten, das wäre schwer.
Manche schreiben schnell, übers Handy, die Buchstaben fliegen nur so, Schreibfehler inbegriffen.
Nein, Texte sollte man – möglichst – so schreiben, als würde man ein langsames Stück flöten.

Besser noch wäre es im Biedermeierstil, also auf schwerem Schreibtisch und mit wohlbedachter Setzung, zu formulieren.

Aber reicht das aus?
Eigentlich müsste jemand jeweils das Geschriebene gegenlesen. Ist das zu Sagende klar gesagt, für jedermann verständlich?

Gar nicht so einfach, denn in manchem Geschriebenen schwingt etwas mit, was nur verständlich wird, wenn man den Kontext kennt oder das Gefühl.
Wie etwa im Witz, den ich – im Kern – von Fritz Muliar und einer Doppel-CD kenne und den ich in der letzten Etüde erzählte. Die Aufschlüsselung darin war „Die Masse machts…“, die ich von Muliar noch deutlich im Ohr hatte und die von emsiger Geschäftigkeit um jeden Preis erzählte.

Auch ein Editor Lektor eines Buchs tut sich manchmal schwer: Wenn ein Wort falsch ist, aber zufällig in den Satz passt. Was dann?

Wie dem auch sei: Kommunikation ist ein schwierig Ding. Man sollte immer Missverständnisse einkalkulieren. Aber nicht ständig, sonst kann man ja nicht reden.

Und muß schweigen.



Ausser sich

Rudy ausser sich

Einen vierten Text in Christianes neuen Etüdenaufruf bringe ich hier ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Biedermeier
niederträchtig
flöten.

enthalten.
Wortspender ist in diesen 2 Wochen Heide.

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„Der Kasch drüben ist ganz niederträchtig, der verkauft kleine Teddybären für zu wenig. Das ist absolutes Dumping. Dass man den nicht aus dem Markt wirft?!“

„Was regst Du dich so auf, Rudy. Deine Teddybären erinnern mich an Biedermeier und sind doch viel schöner! Das kann doch jedermann erkennen“.

„Klar, Heinz, das schon. Aber zuerst laufen die Kunden dort vorbei, kommen direkt aus der Hohen Gasse vom Bahnhof her. Das ist ein idealer Platz. Dann sehen sie anschliessend meine Bären, etwas teurer, und machen kehrt, hin wieder zum Kasch!! Damit sind sie mir flöten gegangen.

„Aber hey, Deine Teddys sind doch viel toller. Mensch! Das sagte ich Dir doch gerade!“

„Das ist egal, Heinz, das zählt wenig. Ich kaufe meine ja für siebzehn ein, was soll ich machen?!“.

Heinz merkte, mit Rudy konnte er nicht weiter reden, das machte keinen Sinn.


Am nächsten Tag kam er dennoch nochmal auf den Graf-Eberhard-Platz.

Was sein Erstaunen, als Rudy kaum mehr was auf seinem Tisch hatte. Alles fast verkauft.
Dann sah er ein Schild auf dem Tisch: „Teddys, 3 für 50 Euro!“.

„Hey, Rudy, ich bin baff. Das macht doch keinen Sinn!“ entrüstete ich mich.

„Wieso, Heinz… die Masse machts!! Hah! Siehst ja, fast alles verkauft! “



Wohlmeinend

Aus meinem Kritzelfundus

Einen dritten Text in Christianes neuen Etüdenaufruf bringe ich hier ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Biedermeier
niederträchtig
flöten.

enthalten.
Wortspender ist in diesen 2 Wochen Heide.

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Beim Gang durch den Garten fiel mir plötzlich das Wort „wohlmeinend“ ein.

Zwar mag das Wort nach Biedermeier riechen, nach Gemütlichkeit und feiner gediegener Einrichtung, aber ich kann mir wohlmeinende Menschen mit auch weniger gutem Auskommen vorstellen.

Wohlmeinende Menschen argumentieren nicht harsch. Sie betrachten die Dinge aus einer Mitte heraus.

Niederträchtige Ansichten über ihre Mitmenschen kommen kaum über ihre Lippen und wenn, dann nur als Nebennnote in einer Betrachtung über etwas anderes und Allgemeineres.
Sie sind eher geneigt, mit Charme und Nachsicht zu reagieren, wenn die Sprache auf Eigenschaften der Nächsten, Freunde und Bekannte kommt.

Sie wenden sich mit Gemach an ihren Partner, flöten und säuseln eher ihre Wünsche.

Es braucht für sie nicht die Gewalt starker Worte.

Von zeitaktuellen Diskussionen in Social Media halten sie sich fern, davon wissen sie in der Regel nichts Genaueres. Nur vom Hörensagen vielleicht.
Sie leben ihr Leben in Ruhe, haben ihre Fixpunkte wie gute Musik, Literatur und Ballett. In der Kunst sind sie befasst mit den Großen wie Renoir, Velasquez oder Jan Vermeer.

Sie sind also gebildet,
aber nur dort, wo es sich für sie lohnt.