Category: Etüden

Einkaufvergnügen

Christianes neuer Etüdenaufruf verlockt mich wieder.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Regentonne
sensibel
schwanken.
enthalten.

*

Meine Regentonne wäre gefüllt, so hat es heute Morgen geschüttet. Aber sie ist eh schon voll.

Ich fahre zum Discounter und merke, daß der Parkplatz voll ist. Ich schwanke, ob ich reingehen soll.

Aber ich brauche einige wenige Sachen, also bleibt mir nichts anderes übrig. “Sei nicht so sensibel!”, sage ich zu mir.

Drinnen ist es voll, es wird viel geredet, man kommt kaum durch.

Ich stehe bald an der ersten Kasse an. Eine Frau schiebt sich vorbei, weil sie meint, an eine andere, bessere Reihe zu kommen. Doch die zweite ist so lang wie die erste. Also kehrt sie zurück und stellt sich hinter mir an.

Ein Mann rempelt sie an, als er zur plötzlich aufmachenden 3. Kasse vor will.

Die Frau spricht mich an, weil ich Blickkontakt anbot. Alle seien so ruppig geworden, dabei würden wir wir doch im gleichen Boot stecken!
Ja, zu den Anfangszeiten der Pandemie glaubte man an Solidarität und Miteinander, meinte ich. Der Lack sei aber ab.

Ich komme aus dem Parkplatz dann nicht raus. Als Linksabbieger sehr sehr schlechte Karten. Immerhin kann ich die Frau an mir vorbeifahren sehen. Und irgendwann dann kann ich auch raus.



Im Lauf der Zeit

Christianes neuer Etüdenaufruf verlockt mich wieder.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Regentonne
sensibel
schwanken.
enthalten.

Ein wehmütiges Thema habe ich heute.

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Einige Bekannte und Freunde von mir sind aus freien Stücken gegangen.
Das hat – zuletzt – vermehrt Eingang in meine Gedanken gefunden. Vielleicht bin ich alt.

Da war der einstige Klassenkamerad, dem ich mal unversehens von Terasse zu Terasse zuwinkte, über eine Strecke von vielleicht 300 m. Reinster Zufall und Magie war das damals!
Ich hörte Jahre später, daß er nicht mehr unter uns weilte.

Er war nur einer in einer Reihe.

Eine Frau (die sich aktuell in bester Gesundheit befindet), erzählte mir einst von einem Weg. Den sei sie des öfteren gegangen, wenn es zuhause schwer wurde. Diese Praxis half ihr offenbar, ihre sonst wohl eine Regentonne füllenden Tränen loszuwerden.

Sind es sensible Menschen, die die Leine ziehen oder schlicht Leute, die unvermittelt einer ganzen Reihe von praktischen Problemen gegenüber stehen?

Beim Gedanken an diese Bekannten schwanke ich manchmal fast. Ich kann das Ganze kaum fassen.



Verschiedene Sprachen

Christianes neuer Etüdenaufruf verlockt mich wieder.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Regentonne
sensibel
schwanken.
enthalten.

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Ich habe den Eindruck: Je mehr Menschen man kennenlernt, umso unklarer erscheinen manchmal ihre Aussagen.

Was meint jeweils ein Satz, was wird da gerade ausgedrückt, was steht hinter der jeweiligen Aussage?

Genauso wie eine Regentonne Myriaden an Tropfen fassen kann, so unterschiedlich können Menschen auf eine Situation reagieren und dies auch noch unterschiedlich in Worte kleiden. Zwar sind die angewandten Worte jeweils bekannt, aber was führt dazu, daß genau die gerade gebrauchten in einer bestimmten Situation fallen?
Manchmal scheinen sie eher zufällig zu sein. Das führt dann dazu, daß jemand nach einer Erwiderung darauf sagt: DAS habe ich SO nicht gesagt!
Bin ich da jetzt zu sensibel? Mancher würde mir wohl dieses Etikett jetzt verpassen.

Aber ich schwanke: Ist es nicht im Grunde unser aller Gefühl, daß wir in verschiedenen Welten unterwegs sind? Wir alle?!



Übers Hörensagen

Christianes neuer Etüdenaufruf verlockt mich wieder.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Regentonne
sensibel
schwanken.
enthalten.

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Du, Schorsch, hast Du den Karl letztens gesehen?
Der hat ja mittlerweile einen Umfang wie eine Regentonne.

Aber gemütlich ist er, Heinz. Wann immer ich ihn sehe, wirkt er völlig ruhig und ausgeglichen.

Naja, das liegt wohl an den vielen Bierchen!

Der schwankt aber keinesfalls, wenn er sich abends nachauseschickt. Ich habe das mal genau beobachtet! Die Ruhe selbst! Eine feine Art hat er.

Ich weiß nicht, ob er wirklich so fein und sensibel ist. Seine Frau Trude habe ich auch schon länger nicht mehr gesehen.

Die ist bei ihrer Schwester, die hat psychische Probleme und da kümmert sie sich um sie.

Was Du nicht alles weisst! Ich hatte gedacht, die wäre geflüchtet.

Woher hast Du denn das ? Karl hat über seine Trude am Tisch kein Wort fallen lassen. Da ist alles in Ordnung, ich wüsste das.

Da weisst Du mehr als ich, Schorsch. Hast Du besondere Quellen?

Ich habe die gleichen Quellen wie Du, bin ja auch oft hier, aber einigen Quellen gebe ich wohl mehr Gewicht!

Und welche sind das?

Ich habe Kontakt mit der Hanna, dann auch mit seinem Schulfreund Peter. Aber ich weiß, Peter magst Du nicht.

Hanna mag ich auch nicht, der glaube ich kein Wort!

Heinz! Lassen wir das! Trinken wir lieber unser Bier und machen uns einen schönen Abend! Wirklich, wirklich!

Prost Schorsch!
Morgen soll es übrigens regnen. Den dritten Tag in Folge. Im Sommer hätten wir uns das gewünscht. Schade. Aber schaun wir, wie es nächstes Jahr wird. Ich bin zuversichtlich. Das Bier schmeckt ja noch! Es wird noch gebraut wie eh und je.

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262 Worte