Category: Etüden

Leuchtmittel

Christianes Etüdenaufruf verlockt eins ums andere Mal.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Rolle
halbherzig
belohnen.

enthalten.

Die letzte Wortspende für die Textwochen 46/47 des Jahres 2022 stammt von Ulrike mit ihrem Blog Blaupause7.

“Wir alle spielen Rollen. Am Ende des Lebens haben wir nur Stücke gespielt!
Waren nie wir selbst.
Halbherzig waren wir auf der Suche nach unserem wahren Selbst.
Die Sache mit der Suche ist, daß man belohnt wird damit, ganz authentisch aus sich selbst zu leben. Endlich!
Dieses wahre Selbst kann man z.B. durch Meditation erfahren.
Wer nur lange genug meditiert, kommt seinem eigentlichen Kern näher. Einem unverrückbaren, wahren Kern.
Einem Kern, der sich als eigentümlich transpersonal erweist.
Wer nämlich weit genug geht, kann merken, daß das Ich eine Illusion ist. Kein festgefügtes Ganzes mehr. Einfach Raum, in dem alles fliesst.”


Peter legte das Buch weg.
Für ihn war das nur wenig einleuchtend.
Der Weg zum Erleuchtetsein war ihm offenbar verbaut.
Er knipste das Leuchtmittel aus und ging zu Bett.
Das war das einfachste, was ihm gerade einfiel.



Harte Maßnahmen

Christianes Etüdenaufruf verlockt eins ums andere Mal.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Rolle
halbherzig
belohnen.

enthalten.

Die letzte Wortspende für die Textwochen 46/47 des Jahres 2022 stammt von Ulrike mit ihrem Blog Blaupause7.

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Klein-Hans war wieder mal etwas abwesend im Unterricht. Als ihn der Lehrer mit dem schwarzem Gewand herbeizitierte, hatte er einen angstvoll-zögernden Gang drauf, der diesen zusätzlich erboste.

“Ich werde Dich schon recht belohnen“, sagte er, packte ihn am Ohr und zog ihn zum Pult.

Ein klagender Ton entsprang Klein-Hans. Es tat furchtbar weh.

Zuhause zeigte er sein Ohr der Mutter. Sie tat Salbe drauf, es sah nicht gut aus, das Ohr.

Vater hatte keine Zeit, er war vom Nachtdienst gekommen.

Mutter setzte sich hin und schrieb einen Brief an die Lehrerperson. Wut verbot sie sich von Hause aus, diese schien bestenfalls halbherzig in ihren Worten durch. Sie wollte ihn fragen, wieso er das ihrem Hänschen angetan hatte!

Kaum hatte der Schwarzkittel den Brief erhalten, war er völlig von der Rolle und fuhr sofort mit dem Fahrrad zu Hänschens Mutter.

Hänschens Mutter war allein. Er zwang sie, vor ihm niederzuknieen und um Verzeihung für den Brief zu bitten. Was blieb ihr übrig, so wie sie erzogen war.

Als der Vater nachhause kam, merkte er, wie verstört seine Frau war.

Er erfuhr, was passiert war.
Da konnte er nicht drüber hinweggehen! Niemals!
“Ich fahr runter und stelle ihn zur Rede”, sagte er. Seine Frau wusste, was das hies. Der Bösewicht wäre körperlich nicht ungeschoren davon gekommen.

“Wenn Du das machst, sind wir geschiedene Leut!”.

Solcherart gestoppt, war es wirklich zu viel für ihren Mann. Das hielt er kaum aus!

Er sprach diesen Tag kein Wort mehr mit seiner Frau!



Kein Wort!

Christianes Etüdenaufruf verlockt eins ums andere Mal.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Schildkröte
großzügig
flehen
enthalten.

Die Wortspende für die Textwochen 44/45 des Jahres 2022 stammt von Natalie mit ihrem Blog Fundevogelnest.

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Eines meiner Hobbys erinnert mich an den Schildkrötengang. Behäbig, das Ziel in weiter Ferne:
Arbeiten mit Ton.
Am anderen Ende des Kontinuums steht bei mir das Bulletschach, in meinem Fall 1 oder 2 Minuten pro Partie. Da kommt es auf rasche Reaktion an und zwar auf eine sehr rasche.

Als Besucher hörte ich auf einem Keramikmarkt jemanden einen Töpfer fragen: “Wie lange haben sie für das Stück gebraucht?” Der Töpfer antwortete überraschend. “2 Jahre”. Oder hörte ich ihn sogar “15 Jahre” sagen?!
Großzügig bemessen waren es beim angefragten Stück vielleicht 20 Stunden, sicher verteilt auf mehr als einen Tag , denn alle Stadien des Stücks bedürfen eine Verweilzeit.

Ein flehender Ton erklang derweil von der Ecke drüben. Eine mir bekannte, ansonsten sehr sehr lebhafte Person saß da ganz gekrümmt auf dem Boden. Was war geschehen?
“Der Weissager sagte mir vorgestern, daß ich nur 15 Milliarden Worte im Leben sagen darf. Meinem Gefühl nach bin ich schon bei 13,9 Milliarden angelangt.
“Dann mässigen sie sich doch”, sage ich! “Ich selbst darf bei Christiane nur 300 Worte pro Etüde nutzen! Wenn ich das kann, können Sie das auch!!”

Als wenn es nicht grössere Probleme gibt, als… einfach mal still zu sein!
Beim Bulletschach und beim Töpfern rede ich jedenfalls kein Wort!! 🙂

P.S : Der angebliche Weissager hatte im übrigen keine Ahnung von großen Zahlen. 10 Worte pro Sekunde, dann käme man vielleicht an besagte Grenze. Ich kenne niemanden, der so schnell reden kann.

238 Worte.



Der Tore sind acht

Christianes Etüdenaufruf verlockt eins ums andere Mal.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte
Schildkröte
großzügig
flehen
enthalten.

Die Wortspende für die Textwochen 44/45 des Jahres 2022 stammt von Natalie mit ihrem Blog Fundevogelnest.

In Anlehnung an eine Novelle von Kafka.

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Ein Mann vom Lande traf an dem Kuppelbau des Gesetzes, der ihm gewiesen wurde, ein.
Ein Türsteher, ein großer Mann mit langem Bart, erwartete ihn und sprach ihn an.
“Acht Tore siehst Du hier! Eines musst Du wählen, um ins Innere zu gelangen!”.

“Aber welches ist das richtige?”

“Das ist einerlei, Wichtig ist auch die Art und Weise, wie Du eintrittst. Im Schildkrötentempo, gemächlich oder flugs”,

“Aber welche Art ist denn die richtige?”

“Das wird sich weisen.”

“Wie weisen?! Ich verstehe nicht”.

“Es gibt da nichts zu verstehen!”

“Ich flehe Sie an : Was soll ich tun”?

Der Mann mit Bart schüttelt den Kopf. Ob dieses Mannes, der von ihm Ratschläge will. Immerfort und immerzu.
Nun, da der Mann ganz verzagt wurde und apathisch fast, gab er ihm großzügig dann doch einen Tipp!

“Warten Sie doch einfach, bis sie sich für ein Tor entscheiden – und auch für die angemessene Art, es zu durchschreiten. Irgendwann werden sie wissen, was zu tun ist!”.