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Auf einem kleinen Spaziergang traf ich meinen alten Nachbarn.
“Immer unterwegs?!”, meinte ich.
“Ja, ich bin gerne draussen. Meine Frau nennt mich einen Bewegungsneurotiker. Sie geht kaum nach draussen!”.
Ich selbst bin nur mässig unterwegs diese Tage. Gerade mal zum Efeu des Nachbarn – und dann wieder zurück.
Aber es gab Zeiten, da war ich mindestens 5 x die Woche spätnachmittags unterwegs, direkt nach der Arbeit. Meine Nachbarn sahen mich praktisch täglich hoch zum Wald gehen, es war immer die gleiche Strecke.
Das Gehen beruhigte mich, erdete mich auch ein wenig. Das war nötig, denn ich war oft nervös.
Ein, zwei Jahre vor diesem “neurotischen Spaziergehen” war ich ja eifriger Läufer gewesen, das tat mir ungemein gut damals. Federleicht und mit wenig Mühsal glitt ich die Anhöhen hoch.
Bis ich dann plötzlich Probleme bekam. Ich hatte keine Schmerzen, sondern nur ein merkwürdiges Gefühl ums linke Knie herum. Was es war, wusste ich nicht, aber ich gab das Laufen auf.
Ab und an lief ich noch, so einmal pro Monat, hatte dann aber immer leichtes Entzündungsgeschehen im Hüftgelenk.
Schweren Herzens gab ich das Laufen ganz auf, das war sehr sehr bitter, denn es war ein mächtiger Stein, auf den ich bauen konnte – ich war damals oft richtig glücklich gewesen.
Recht bald ging ich aber aufs Spazierengehen über, das war immer ohne Probleme und entschädigte mich etwas für den Verzicht. Bewegung an sich ist ja etwas Schönes.
Der notorische Spaziergänger, der ich war, ist nun ein Gelegenheitsspaziergänger geworden.













