Anstelle und anstatt

Gerdas Schaffenswut, die gestern in Kommentaren bei ihr Thema war, hat mich zum Veröffentlichen der folgenden länger schon angelegten biographischen Notiz angeregt.

Sie ist in Maßen ernst zu nehmen 🙂

*

Mich interessieren viele Dinge.
Bis vor kurzem war Musik-Hören überwältigend bedeutsam. Ich lernte immer wieder neue Produzenten kennen und schaute auch gleichzeitig immer auf die 200+ Produzenten, die ich länger schon verfolge. Seit ungefähr 2000 geht das so.
Meine Frau meinte kürzlich: “Wieso immer mehr und mehr Material aufhäufen? Wir haben das bisherige neu hinzugefügte Material noch garnicht richtig gehört!”
Recht hat sie. Diese Gier, die neuen Pfade und möglichen Winkel der Musik abzutasten, macht eigentlich kaum (mehr) Sinn. Zumal es hinter diesen Winkeln noch weitere Winkel gibt.

*

Mit Ton arbeiten könnte ich dagegen öfter. Lieber spiele ich aber online Schach.

Zeichnen könnte ich öfter. Lieber schaue ich Youtube Videos.

Lesen könnte ich öfter. Stattdessen kaufe ich weitere Bücher , die mich in den Buchläden, die ich natürlich ab und an frequentiere,  interessieren, hinzu.

Sport treiben könnte ich öfter, stattdessen studiere ich die Laufkarrieren von Hicham El Guerrouj und anderen “von der Couch” aus. Naja, nicht ganz. Mein Laufband bringt mich schon zum Schwitzen.

Schach tief studieren könnte ich wieder mal, so wie früher, stattdessen treibe ich mich auf Schachservern herum und spiele belanglose Blitzpartien (2-Minuten-Partien) oder sogar Bulletpartien (1 Minute pro Partie).

Das Thema hatte ich – natürlich – schon mal! Ich bin nicht so konsequent wie Gerda. “Mein Wirkungskoeffizient” ist geringer als ihrer.
Gerda, bist Du wirklich konsequent? 🙂
Ich glaube schon!

 

 

 

 

10 thoughts on “Anstelle und anstatt

  1. Das Angebot von all den Dingen, die man im Laufe des Tages machen könnte, ist zu groß und überwältigend, so dass man am Ende gerade das macht, was nicht befriedigt. Man wird mit dem Paradox konfrontiert: Viel ist wenig, und wenig ist viel. Liebe Grüße aus dem fernen Kanada!

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  2. Nun bringst du mich ganz schön in die Bredouille, lieber Gerhard. Lässt sich denn Mensch mit Mensch vergleichen? Da hilft auch dein pseudo-mathematischer “Wirkungskoeffizient” kein bisschen weiter. Du tust das, was grad für dich ansteht – und wie ich sehe, ist das ja nicht grad wenig -, ich tue es genauso. Im übrigen arbeite ich gar nicht so viel, wie du meinst. Heute habe ich noch gar nichts Neues gemacht, sondern nur die Fotos von Ulli und mir zu Paaren geordnet. Jetzt aber will ich doch noch etwas tun, denn ein Tag ohne wirkliche Kreativität fühlt sich für mich nicht gut an.
    Und die Moral von der Geschicht? Hör auf, dich mit anderen zu vergleichen!

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  3. Es braucht einen Fokus und es braucht auch den inneren Schaffensdrang, die Freude am Tun, dann stellt sich die Konsequenz von alleine ein, vielleicht dann aber auf Kosten von anderem?

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    1. Den EINEN Fokus habe ich nicht.
      Vielmehr bin ich manchmal getrieben.
      Konsequent will ich im Grunde auch nicht sein, sonst rennt man nur (kopflos).
      Und die Konsequenz kann dann sein, daß man unsozial, unpartnerschaftlich, unfreundlich und egozentriert….wird.

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      1. -m- ich weiß nicht Gerhard, ob Konsequenz unweigerlich mit (kopflosem) Rennen verbunden ist, ich nehme das anders wahr, mich befriedigt es, wenn ich meinen Aufgaben konsequent folge, die Zeit und das Tempo bestimme ich dabei selbst.
        Mit einen Fokus haben meine ich, dass ich selbst nicht in die Vertiefung komme, wenn ich mich nicht zeitweise einem Thema widme, dieses also im Fokus halte, das heißt ja nicht, das nicht andere drumherum kreisen… das ist nun wiederum das Thema der Prioritäten, die man sich setzt.
        Das klingt jetzt alles so, als wäre ich Meisterin des Ganzen, bin ich nicht!

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        1. Wer ist schon Meisterin.
          Vertiefung ist nötig: Unlängst fragte ich einen Journalisten, ob ere Bücher quer lese, um schneller voranzukommen. Selbst er, der sich in manchen Themen wahrhaft auskennt, meinte, daß man dem Autor nicht genüge tun würde…denn dieser hätte ja ordentlich Zeit und Gehirmschmalz reingesteckt.

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