Der “Tiefengrund” eines Begriffs

Vor etwa 4 Jahren hatte ich zufällig eine Begegnung mit,  wie es sich nachträglich herausstellte, einem Meisterschüler von Beuys .

Er wollte wissen, wer in Würzburg künstlerisch-kreativ tätig sei, ob er jemanden davon vielleicht kenne.
Als ich sagte, ich kenne eigentlich kaum einen Künstler dort persönlich, entgegnete er : “Ich bin kein Künstler, ich bin Bildhauer !!!“.

Das traf mich wie mit einem Hammer! Und zwar buchstäblich!

Denn ich hatte eigentlich schon immer eine Aversion gegen den Begriff “Kunst” oder “Künstler”. Ich hätte mich immer “Spieler mit Farben und Formen” genannt.

Was störte mich an dem Begriff? Das damit oft verbundene Statusdenken?!

War es also, bei näherer Beleuchtung… einfach nur Neid? Neid auf die Künstler, die sich um Geltung bemühen?
Wollte ich also auch etwas darstellen und gelten? Und war mir Geltungsbedürfnis eigentlich “verboten“?
Schaute ich daher mit Argwohn auf “das Heer” der Künstler?

Man sieht: Die Beweggründe eines Gefühls können vielschichtig und recht verborgen sein.

Zeit, sich zu versöhnen. Etwas gelten zu wollen, ist ganz normal.

 

3 thoughts on “Der “Tiefengrund” eines Begriffs

  1. Eltern, Großeltern und Tante … sie bläuten uns Kindern ein, “die Künstler” zu meiden. Es seien lauter Verrückte, die zu faul zum Arbeiten sind, sich nicht ordentlich kleiden, Leute die stinken und sich über anständige Menschen lustig machen. Tatsächlich schien es mir als kleineres Kind so, als könnte all dieses Verachtenswerte wie ein Haufen Flöhe auf mich überspringen, hielte ich mich auch nur in der Nähe eines Künstlers auf. Ich bin nicht sicher, ob es uns tatsächlich verboten war – zumindest in meiner Erinnerung ist es so; als Kind durfte ich nur zum Einkaufen in den Ort, aber nicht einfach nur so, weil sich dort oft Künstler “rumtrieben”. Als Kind verstand ich das tatsächlich so, dass von einem Künstler eine mehr oder weniger große Gefahr ausgeht und hatte entsprechend Angst. Die Sechziger in Worpswede.

    Erst in den Siebzigern lockerte sich das etwas, als mein Opa einmal wöchentlich die Museumstreppen fegte, um etwas Geld zu verdienen. Ich glaube, es waren die Treppen zum Museum hinauf, bin nicht ganz sicher. Aber das ist ja auch unwichtig, entscheidend war, dass ich meinen Opa dort mal aufsuchte und ihn zu meiner Überraschung gut gelaunt(!) fegen sah. Von diesen furchterregenden Künstlern war auch gar nichts zu sehen! Naja, aber darüber beschweren sich ja heute noch die Touris, hahaha.

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