Nichts an sich ranlassen

Vor 3 Wochen habe ich 3 Freunden bei einem Besuch bei mir eine CD eines geschätzten lokalen Musikers geschenkt.
Die CD gefiel mir, weil die Stücke ausgefeilt und feinjazzig ausgearbeitet waren. Deshalb hatte ich sie gleich mehrmals gekauft.

Von den 3 Freunden kam noch keine Response.
Was könnte der Grund sein? Keine Zeit? Oder Indifferenz gegenüber der speziellen Musik hier?

Einen Hinweis bekam ich durch wiederholtes, direktes Nachfragen bei einem von ihnen: Die Leute haben offenbar andere Präferenzen! Sie hören Musik kaum oder garnicht!
Der eine, bei dem ich nachgefragt hatte, bezeichnet sich als Cineast – er ist primär an Kino interessiert und steckt sein Interesse zum großen Teil in dieses Feld.

Ein weiterer könnte etwa sagen, daß die Bücherwelt so übermächtig einladend ist, daß er sich mit nichts anderem beschäftigt/beschäftigen mag. Bücher, Artikel, Vorträge, Seminare. Wieder ein weiterer könnte sagen: Ich mache selbst Musik, höre mir also den Output von jemand Fremden nicht an. Oder: Mein Alltag ist einfach übervoll. Oder: Ich habe grad keinen Nerv dazu. Oder sonst etwas anderes.

Insofern war also die gedachte  Anregung  gar keine Anregung, sondern nur ein Staubfänger.

5 thoughts on “Nichts an sich ranlassen

  1. Wenn man von einem Freund ein Album geschenkt bekommt, gebietet es der Anstand, dass man reinhört und wenigstens ein kurzes Feedback dazu abgibt. Tut man das nicht, ist es nicht nur eine Geringschätzung des Albums, sondern auch der Freundschaft. 30 Min. einmaliges zeitliches Investment muss in so einem Fall möglich sein, außer es handelt sich um eine Alleinerziehende mit drei kleinen Kindern. Tut mir leid, da bin ich altmodisch!

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    1. Du als Musiker musst Dich getroffen fühlen!
      Der örtliche Musiker hat jedenfalls buchstäblich ein Jahr damit zugebracht, neben Broterwerb und sonstigem Zeug, diese CD fertigzustellen und sie ist in der Tat ein kleines Meisterwerk geworden, auch flankiert mit einem sehr schönen Begleitheftchen.
      Es ist m.E. so, daß Musik im Grunde vielen…nichts bedeutet! Das würde niemand so zugeben, aber im Grunde ist Musik oft nur Beiwerk, Hintergrund oder ähnliches. Oder man bekennt sich nur zu einer oder zwei Sparten.
      Vielleicht bin ich da zu rigoros in meinem Urteil. Aber das da was dran sein könnte, sieht man, wenn in einem Festival was gewagt wird: Unbekannte Namen oder/mit unbekanntem Sound. Schon hast Du fast leere Tribünen!

      Das Nicht(s)-an-sich-ranlassen ist aber auch eine ganz allgemeine Tendenz. Nur wenige probieren etwas aus. So scheint es mir jedenfalls. Das soll nicht heissen, daß ich immer und allzeit offen bin, nein gewiss nicht, aber ein Gutteil meiner Kenntnisse habe ich gerade durch Offenheit gewonnen.

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      1. Gut ist, dass der eine zugibt, Musik kaum oder gar nicht zu hören. Denn Musik wird leider inflationär gebraucht/gehört, ohne so recht zu würdigen, was für den einzelnen Künstler an Mühe dahintersteckt. Ich finde nicht, dass in jedes Restaurant, jede Kneipe und jeden Supermarkt Musik gehört. Mir ist lieber, ich kann dann mit meiner Begleitung quatschen, ohne laut werden zu müssen. Musik höre/mache ich gerne bewusst.

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      2. Guter Kommentar! Das lässt mich weiter denken: Ich meine, es gibt sehr viele unterschiedliche Zugänge zu Musik. Lässt sich gar nicht leicht erfassen, wie es beim Einzelnen aussieht.
        Musik ist mir mittlerweile zur Nahrung geworden. Also essentiell. Und dann doch wiederum nicht: Im Urlaub kann ich sie plötzlich entbehren.

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      3. Gut finde ich, dass der eine auf Ansprache zugibt, kaum oder keine Musik zu hören. Denn Musik wird leider allzuoft inflationär gebört/gebraucht, ohne den betreffenden Künstler wirklich zu würdigen. Ich brauche in keinem Restaurant, in keiner Kneipe und keinem Supermarkt Musik. Mir wäre lieber ohne. Dann kann ich mit meinen Freunden besser quatschen und dann, wenn ich Musik höre/mache, das bewusst tun.

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