Certain women

Dieser schon im Frühjahr 2015 gedrehte und jetzt im “CENTRAL“ Würzburg gezeigte Film von Kelly Reichardt beeindruckte mich.
Der Film erzählt in leiser Tonart drei Geschichten, Ausschnitte aus der Realität vierer Frauen in Montana/USA.
Ausschnitte deswegen, weil die Erzählungen irgendwo „mittendrin“ im Geschehen beginnen und abrupt in die nächste, völlig andere Geschichte einmünden.
Nicht völlig unwichtiges Detail dabei ist im übrigen, daß zwei Hauptpersonen in jeweils einer weiteren der 3 Geschichten zufällig auftauchen. Das klammert die Geschichten irgendwie und hat zusätzlich für mich die Bedeutung, daß Geschehen natürlich generell als verwoben anzusehen ist und natürlich an zig Orten passiert und sich manchmal freiwillig oder unfreiwillig berührt.
Die erste Story schneidet aus dem Alltag der Anwältin Laura Wells (Laura Dern) die Auseinandersetzung mit einem verzweifelten Klienten (Jared Harris – phänomenal! ) heraus.
„Sehr überzeugend“ spielt Laura Dern eine gehetzte, unzufriedene Frau, die sich nicht  gegen Überforderung wehren kann, ausser indem sie innere Abschottung aufsucht.
Dieser Plot endet abrupt, geht in die nächste Episode über.
Gina (Michelle Williams) versucht, an Natursteine auf dem Grundstück eines alten, einsamen Mannes zu kommen. Man besucht ihn und trägt das Ansinnen vor.
Schliesslich erreicht man den Abtransport der Steine. Die Hauptdarstellerin spürt, daß sie Unrecht tat, doch offiziell tat sie ja nichts Falsches.
Michelle Williams überzeugt hier durch extrem subtiles Spiel. Schon die Anfangseinstellung mit ihrem Gesicht in Großaufnahme ist so beredt, daß das subtile Mienenspiel bei den Verhandlungen mit dem alten Mann nicht mehr überraschend daherkommt.
Die Hauptdarstellerin ist offenbar gefangen in ihrer aktuellen Situation (Schwierigkeit in der Ehe und pubertierende Tochter) und antwortet darauf mit einer mehr oder weniger versteckten Kaltblütigkeit.
Auch hier ein abrupter Schnitt.
Die junge Pferdepflegerin Jamie (Lily Gladstone) begegnet in einem Abendschulkurs der Lehrerin Beth (Kristen Stewart). Sie verliebt sich unmerklich in sie.
Doch kaum haben die Begegnungen begonnen, da sind sie auch schon wieder Geschichte!
Der Versuch Jamies, verzweifelt ihre Liebesgefühle zu leben, verläuft trocken, nüchtern und irgendwie gnadenlos.
Lily Gladstone spielt die in ihren Bewegungen männlich wirkende Agrararbeiterin ungemein interessant. Ihr Mienenspiel, ihre sinnliche Freude, gerade als sie die bewunderte Frau auf dem Rücken ihres Pferds mitnehmen kann, sie gleichsam damit einwiegt in eine gemeinsam erträumte Geschichte, ist superb.
Auch diese Geschichte findet ihren abrupten Schluß.
Im 4. Teil des Films werden die aufgegebenen Fäden der 3 Stories weitergeflochten, doch nur  in Standbildern, wenn man so will. In einzelnen Szenen.
Ausser im 1. Plot hatte sich nichts zum Besseren gewendet. Der von Jared Harris gespielte Klient der Anwältin war mittlerweile ganz tief angekommen, da, wo er offenbar zu sein hatte, um wieder Geschmack und Lust am Leben zu finden.

 

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