Category: Wissenschaftliches

Große Zahlen

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Oben eine Zeichnung von mir mit den Zahlen von 1 bis 1000.

Wie lange braucht man zu so etwas?
Jemand soll mal auf eine Kritik am Elternsprechtag gesagt haben: “Die Zahlen bis eine Million hätte ich schnell hingeschrieben!” 🙂
In der Tat braucht man aber dazu lange. Ein polnischer Künstler schrieb einst fortlaufend Zahlen nieder und kam während seines Lebens auf etwas mehr als 5,5 Millionen!

Nachzulesen hier

Wieso ich das alles erzähle? Weil gerade bei Abfällen, z.b. Plastik, die pro Zeiteinheit (Minute, Stunde, Tag) angefallene Menge in die Hundertausende, Millionen oder sogar Milliarden geht. Niemand kann sich vorstellen, was etwa eine Milliarde Plastikbecher sind. Wieviel ist das?

Ein amerikanischer Künstler, Chris Jordan, half hier um 2006 für die USA mit einer Visualisierung nach. Z.B.:

2.000000 Plastikflaschen alle 15 Minuten 

Weitere Beispiele ab 2009 sind auf seiner Seite Running the numbers II zu finden.

Diese  Visualisuerungen helfen wirklich, große Zahlen nachzuvollziehen.

Spektralfarben

An der Zimmerwand entdeckte ich ein Farbkontinuum:

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Wo kam das her?
Seitdem ich die Physik-Webseite von Joachim Schlichting lese, fallen mir manche Phänomene stärker ins Auge.

Schliesslich entdeckte ich ein Plexiglastischchen im Raum, an dem der um etwa 11:30 einfallende Sonnenstrahl gebrochen wurde, dabei in seine Farben zerlegt und weiter an die Wand umgelenkt wurde.

reflexion

Maximal 300 verschiedene Farben kann es dabei geben. Mir genügte erstmal das, was ich sah 🙂

Roslings Statistiken

Diesen folgenden Post sehe man als Gegenstück zu meinem letzten Post Flying

*

Das Buch “Factfullness” (2018) von Hans Rosling zog unlängst meine Aufmerksamkeit auf sich.
Ich las es in etwa 2 Wochen.
Rosling zeigt in seinem Buch, daß es der Welt “besser” geht als gemeinhin angenommen.
Gleich zu Anfang stellt er dem Leser 13 Fragen, wie er die Welt heutzutage einschätzen würde.

Etwa Frage 10:

Weltweit haben 30-jährige Männer durchschnittlich 10 Jahre lang eine Schule besucht. Wie viele Jahre haben gleichaltrige Frauen die Schule besucht?

Ankreuzen kann man 9, 6 oder 3 Jahre.

In der Tat sind es 9 Jahre!

Die anderen 12 Fragen und Antworten zeigen ebenso, daß es der Welt besser geht als gemeinhin angenommen. Aber was ist dann mit den vielen Missständen, über die man ständig hört?

“Es gibt Dinge, die schlecht laufen und besser werden”.

Diesen Satz gebraucht er immer wieder mal, um sein Credo rüberzubringen: Überall auf der Welt geht es voran. Wenn man die Zustände vor einigen Jahrzehnten in einer bestimmten Region und jetzt betrachtet, gibt es Fortschritt, wenn es auch in armen Regionen noch dauern wird, bis die Lebensumstände der Bevölkerung den unseren gleichkommen.

Rosling interessierte, woher die Annahmen stammen, daß sich nichts zum Besseren wenden würde. In 10 Kapiteln benennt er die Gründe, wieso man gerne in Annahmen verharrt, die vielleicht in den 60ern gültig waren, aber jetzt nicht mehr aktuell sind.
In jedem Kapitel stellt er einen Eyeopener vor, der ihm das Dilemma immergleichen Denkens persönlich vor Augen führte.

Das Buch lässt einen staunend zurück.
Es appelliert, daß man tunlichst Fakten studieren sollte, bevor man sich eine Meinung bildet. Die Zahlen sind jedenfalls da, im Netz abgreifbar, für jedermann.
Das Buch zeigt auch, daß unendlich viele Menschen im Einzelnen dazu beigetragen haben, daß es überall besser, aber nicht immer hinreichend gut geworden ist. Und daß die Dinge in die im Grunde richtige Richtung laufen.
Bezüglich der großen fünf Bedrohungen (Globale Pandemie, Finanzkollaps, 3. Weltkrieg, Klimawandel, extreme Armut) setzt er auf die ungemeine Intelligenz der Menschheit.
Wenn man beobachtet und registriert, was alles zur Zeit entwickelt wird, um die Probleme in den Griff zu bekommen, mag man ihm durchaus glauben!

Wann begann eigentlich das Anthropozän?

Durch eine Diskussion über Umweltsünden wurde ich unlängst an einen hochinteressanten Artikel des MAX-Planck-Instituts Jena erinnert:

Hier nachzulesen

Umweltsünden gibt es laut Nicole Boivin (Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena) , seit es den modernen Menschen (etwa ab 190000 Jahre v. Chr.) gibt, sogar schon zu Zeiten des Homo erectus, dem man Steinbrüche nachweisen kann.
Der Mensch veränderte Flora und Fauna, löschte einen Teil der sogenannten Megafauna aus, rodete, bildete den Baumbestand des Amazonas um ect.

Für die Jenaer Archäologin ist es jedoch frappierend, dass umso mehr Arten ausstarben, je später der Mensch ein Gebiet erreichte. „In Afrika oder auch Indien hatten die Tiere teils Millionen von Jahren Zeit, sich gemeinsam mit den zunehmenden Fähigkeiten der Menschen zu entwickeln“, meint sie. Als die ersten Siedler Australien oder Südamerika erreichten, hatten sie indessen schon fortschrittliche Jagdtechniken und bessere Waffen im Gepäck.

Zwar sind die heutigen Umweltsünden viel zahlreicher ,umfassender und einschneidender, aber sie haben eine (deutliche) Vorgeschichte.

Jens Soentgen “Von den Sternen bis zum Tau”

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Diese besonderen 6 Punkte unter den Sternen auf dem 1 Cent Stück. Was lässt sich dazu sagen?

Der Durchmesser dieser Punkte ist jeweils genau 54 Mikrometer.
10 Mikrometer lassen sich gerade noch mit dem Auge wahrnehmen.

Jens Soentgen verwendet dieses Beispiel mit dem 1-Cent-Stück, um in seinem Buch “Von den Sternen bis zum Tau” die Größe von Staubkörnern zunächst mal zu veranschaulichen. Danach geht er auf weitere Versuche ein.

Übrigens gilt: Grobstaub ist größer als 10 Mikrometer; Feinstaub kleiner als 10 Mikrometer.

Kleinstes und Größtes, von Molekülbewegungen bis zu kosmischen Größen, durch eigen angestellte Versuche praktisch erfahrbar zu machen, das ist das Anliegen von Jens Soentgen in seinem hervorragenden Buch. Man braucht in vielen Fällen kein teures Instrumentarium, sondern kann sich durchaus mit geeigneten, gewöhnlichen Mitteln behelfen. Jens Soentgen zeigt dies bewundernswert auf.

Dehaene: “Denken”

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Stanilas Dehaenes Buch über das Denken kam schon 2014 raus.
Ich hatte es mir gekauft, nachdem ich mir das Vorgängerwerk über das Lesen gekauft und mit Gewinn 2015 gelesen hatte. Erst jetzt las ich “Denken”.

Ich wage jetzt mal eine schnelle Rezension, flott heruntergeschrieben und ohne Auszüge.

Dehaene gemäss fängt Bewusstsein an, wenn der sogenannte “globale Arbeitsbereich des Gehirns” zu feuern beginnt. Vorher, bei nur lokaler Erregung der mit dem Sehzentrum verbundenen Arealen, können festgestellte Inhalte wirken, aber nur unterschwellig und kurzfristig.

Wenn der globale Arbeitsbereich involviert wird und das bei genügend langem (300 ms)Input, werden Informationen in diesem Bereich hin- und zurückgeleitet, es wird gerechnet, mit anderem Material abgeglichen. Diese immense, vollumfängliche Arbeit sei Zeichen eines Bewusstseins.
Der globale Arbeitsbereich sei aber auch per se aktiv, auch ohne sensorischen Input. Etwa unsere grüblerischen Gedanken rühren letztlich von elektrischen Fluktuationen  her.

Erst ganz zum Schluß dieses für mich persönlich etwas mühsamen Buchs, auf den letzten dreissig Seiten, kommt Dehaene auf das Phänomen “Nachdenken über sich selbst und die eigenen Gedanken”, also das Star-Phänomen der Bewusstseinsforschung.
Hier outet sich Dehaene als Materialist. Er glaubt, daß dieses Phänomen nichts Besonderes sei und letztlich auch zukünftiger Software zustehen werden wird.
Das Phänomen “Qualia” ortet er als eine Art Täuschung. Wenn die Wissenschaft fortschreite, werde dieser Knackpunkt sich von sich auf auflösen.

*

Ich habe in diesem Buch wieder sehr viel über Gehirnvorgänge gelernt. Auch über trickreichste Versuchsanordnungen, um Bewusstsein dingfest machen zu können und nicht einer Täuschung oder Fehlinterpretation zu unterliegen. Dennoch lässt mich das Schlusskapitel etwas ratlos zurück.
Dehaene bleibt weiter in meinem Fokus, zu gut war das Buch übers “Lesen”.

 

 

 

McGurk-Effekt

Stanislas Dehaene erwähnt in seinem Buch “Denken” den sogenannten McGurk-Effekt:

Das Gehirn erzeugt bei widersprüchlichem Input (linkes Auge gegen rechtes Auge) oder Sehsinn gegen Hörsinn eine unterbewusste Lösung, die es dann dem Bewusstsein anheim gibt.
Durch solche und ähnliche Effekte hat man immer mehr verstehen gelernt, wie ein Gehirn verschaltet ist.
Was das Sehen angeht, ist die explizite Forschung dazu mindestens 200 Jahre alt. Das verblüffte mich.