Category: Kreatives sonst

Zuversicht ist besser als Verzicht

Einige Notizen zum Berlinale-Siegerfilm der Regisseurin Ildikó Enyedis :
“Körper und Seele”.

Mária und Endre lernen sich an an ihrem Arbeitsplatz, ausgerechnet einem Schlachthof kennen. Beide sind sehr zurückgezogen und introvertiert. Dennoch nähern sie sich an, auf  sehr zögerliche Weise. Verbindendes Element ist die Magie eines gemeinsamen Traumgeschehens: Sie träumen von Begegnungen einer Hirschkuh und eines Hirsches im Wald.

So manches Element des Films rührte mich an:
Die wortlose Begegnung der Tiere im Wald, im Schneegeschehen. Die Verbindung der Tiere auf sparsame Weise.
Die Isolierung und das Zurückgezogensein der beiden Akteure, die sich so treffend in ihren Gesichtern und ihren Körpern spiegeln. Der ausgemergelte Endre, sein beherrschter Mund, der meist geschlossen ist und sich auch beim Sprechen nicht wirklich öffnet. Mária als autistisch wirkende Frau, die viel Angst hat und in allem vorsichtig ist. Sie ist in die Welt gesetzt und muß sich behaupten.

Der viel ältere Endre bemerkt die Integrationsschwierigkeiten der jungen Mária  an ihrem neuen Arbeitsplatz und versucht sie hereinzuholen. Sehr gefühlvoll geht er mit ihr um, weiß er doch selbst, wie es ist, am Rand zu stehen.

Beide wollen trotz Angst ihre Isolation aufheben und nähern sich zaghaft aneinander an.
Ihre Liebe zueinander merken sie erst recht spät, fast zu spät.

Für mich ist der Schluß, als ihre Liebe zu gelingen scheint, unerwartet angesichts der großen persönlichen Einschränkungen, die sie mit sich schleppen.

Aber der Glaube an Überwindbarkeit selbst von großen, manifesten Schwierigkeiten ist das Thema des Films.
Man glaubt gerne, daß so etwas möglich ist, immer wieder.

Buch: “Das Böse” von Michel Lacroix

Vor kurzem habe ich das Buch “Das Böse” von Michel Lacroix wieder in die Hand genommen.
Gekauft hatte ich es wohl vor 18 Jahren, aber nie gelesen.
Warum, das ist eine eigene Geschichte.

Lacroix portraitiert zunächst die oft sehr mühseligen Versuche der Menschen, von Religion über Philosophie und Wissenschaft, das Vorhandensein des Bösen zu erklären. Eine Idee nach der anderen versagt dabei.
Das Böse scheint auch grundsätzlich unvermeidbar: Lacroix bringt einige Beispiele, die das belegen, etwa das bekannte “Gefangenendilemma”

Wenn also alle Anstrengungen nichts fruchten, das Böse auszumerzen, was bleibt dem Menschen übrig?
Lacroix erkennt in diesem Dilemma eine Lösung im Wesen des Bösen: Es trennt! Es entfernt von Gott. Es zerstört Beziehungen im weitesten Sinne.
Er schreibt auch:

Sünden kommt von sundern (ahdt. für (ab)-sondern.)
…
Trennung, Absonderung, Zwietracht, das sind die Gestalten des Bösen.

Was uns bleibt, nachdem also das Böse eingetreten ist, ist beizustehen und mitzufühlen, menschliche Begleitung im weitesten Sinne anzubieten. Das wirft das Böse nicht aus der Welt und lässt Böses an uns und durch uns nicht ungeschehen machen, aber die Begleitung wirft  menschliches Mitgefühl in die Waagschale. Das hebt die Trennung, die das Böse errichtet hat, ein Stück auf und baut Gemeinschaft unter den Menschen auf.

 

 

 

 

Neulich, auf der Wiese

Im Juli schaute ich mit meiner Kamera bei einer Wildwiese vorbei.
Ja, so etwas gibt es (noch)!

Ein Treiben von Insekten aller Art, es war die wahre Pracht!

Hier zwei bei emsigem Tun:

Neulich1

Ein dritter kommt hinzu:

Neulich2

Nix da, hau ab!!

Neulich3

Seufz!

Neulich4

War zumindest einen Versuch wert!

Neulich6

Endlich wieder alleine.

Neulich7

Andere haben es auf den Nektar abgesehen. Das wanderfreudige Paar schaut zu – oder auch nicht.

Säule

Diese indianisch anmutende keramische Säule fertigte ich aus 4 Stücken, die aufeinanderruhen. Sie ist etwa 2,40 m hoch.

Säule

Ein Schelm, der dabei Anstössiges denkt!
Mir war schon bewusst, daß man diese Säule als Phallus deuten könnte.
Doch lag mir diese Idee fern.

Es ging mir einfach mal darum, eine grössere Arbeit als mit max. 70 cm Höhe aufzustellen.

Das Kopfstück habe ich dabei ohne jede Konzeption, einfach aus dem Kopf heraus so gestaltet.
Es ist eine rein formale Angelegenheit. Die Flügelformen schmiegen sich am runden Körper an und das Ganze wirkt wie eine Schraubenform, aber auch das ungewollt.

Ein Moniereisen hält die Teile zusammen. Jede Röhre hat einen Boden mit Führungsloch.

Das Objekt steht jetzt schon einige Jahre, vielleicht so 4 bis 5.