Ich nehme wieder an Christianes Extraetüden teil.

Ich verlasse für einmal den Canon der Geschichten und Erzählungen und reflektiere hier mal über Gelesenes.
*
Mir fiel vor einigen Tagen wieder Andreas Wagners ausgezeichnetes Sachbuch von 2015 ein – “Arrival of the fittest”.
Das folgende ist also eine Art Essay über Wagners Buch.
Es geht darum:
“Wie kommt Neues in die Welt? Wie funktioniert Evolution eigentlich wohl, auf welchen verschiedenen Ebenen kann sie passieren?”
Die Aussichten für das Leben auf der Erde wären nach Ansicht vieler Experten trüb gewesen, wenn nur Trial and Error , Versuch und Irrtum, das Überleben der Tüchtigsten also, für die Fortentwicklung der Arten gesorgt hätten.
Daß sich Arten in der gezeigten Rasanz weiterentwickelt hatten, dafür hätten zwei Milliarden Jahre nicht ausgereicht.
Welche Möglichkeiten haben dann da wohl geholfen? Was käme in Frage?
Wenn man sich nur das Thema “Stoffwechsel” anschaut:
Wenn in der nächsten Generation einer Art eine Abweichung einer biologisch-chemischen “Maschine” wie einem Stoffwechsel eintritt, muß der neue Stoffwechsel ja noch so arbeiten wie derjenige zuvor. Sonst wären die Aussichten schlecht, der Organismus wäre in den meisten Fällen unabwendbar verloren.
Reiner Zufall im Mischen der Bausteine des Stoffwechsels würde die Möglichkeit des Funktionierens drastisch verengen, ja unmöglich machen. Das wäre de facto wie Lotterie.
Wagner spricht von einem besonderen virtuellen Regelwerk, d.h. multidimensionale “Bio-Datenbanken”, in denen ein Stoffwechsel sozusagen ab und an wandert und wie durch ein Wunder die richtige Abzweigung wählt, um sich weiterzuentwickeln, d.h. etwa einen Baustein abzugeben und einen anderen “einzukaufen”, der Neues kann und dennoch die alte, lebenswichtige Funktion gewährleistet.
Wie Wagner zeigt, sind durchaus ein hoher Prozentsatz an Bausteinen in einem Stoffwechsel austauschbar und dennoch bliebe die lebenswichtige Funktion dieses Stoffwechsels erhalten. Etwas Neues an Leistung käme dabei durch einen neuen Baustein hinzu. Es brächte die Art im günstigsten Fall weiter – oder sie stirbt, weil sie durch die Erweiterung nicht “tüchtig” ist: “Survival of the fittest”.
Wie diese zielgerichtete Wanderung in der ungeheuer dimensionierten virtuellen “Biodatenbank” vor sich geht, durch was sie angetrieben wird, das ist wiederum eine spannende, noch ungelöste Frage.
*
Ich hoffe, Euch hat diese Mikrobesprechung gefallen!