Category: Etüden

Noch

Quelle: Pixabay,, bearbeitet von Christiane

Im Jahr 2020 geht es dank Christiane mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von Corlys Lesewelt.
Ich beteilige mich gerne an dem Projekt, nun schon in der 5. Etüden-Ausgabe des Jahres.

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Schnapper nannten wir Jungen ihn frech.
Oft kam der gehbehinderte alte Mann kurz vor Sonnenuntergang ins Lokal, um Automat zu spielen. Zudem war es in der Wirtsstube warm.

Meist aber waren wir Jungs schon da und versuchten verzweifelt, den Geldautomat auszutricksen.
Der Alte musste sich derweil gedulden, saß zwei Tische hintenan und wartete.

Wir wollten den Mann etwas ärgern: Wir taten so, als würden wir gerade gewinnen. Stattdessen liesen wir nur unser eingeworfenes Geld heraus, die Münzen flogen nur so. Einen Freudestanz vollführten wir dazu.
Der alte Mann wurde ganz unruhig, weil Geldausschüttung bedeutete, daß der nächste Spieler kaum mehr etwas gewinnen würde.
Er bezahlte daher und ging.

Diese Geschichte kommt mir immer wieder mal in den Sinn, werde ich doch jetzt selbst alt. Noch habe ich kein derartiges Leiden wie der alte Geldautomatenspieler.
Und bin auch nicht einsam! Habe also andere Möglichkeiten noch.

Noch.

In Zeiten der Flugscham

Quelle: Pixabay,, bearbeitet von Christiane

Im Jahr 2020 geht es dank Christiane mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von Corlys Lesewelt.
Ich beteilige mich gerne an dem Projekt, nun schon in der 5. Etüden-Ausgabe des Jahres.

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Der Sonnenuntergang auf den Kanaren ist meist pittoresk, wegen des häufigen Windes und der Wolken.

Im Winter ist es dort zudem tagsüber warm.
Nur fliegen muß man dorthin, was angesichts der Klimakrise immer schwerer fallen mag.

Da es aber viele Leute gibt, die wegen des grauen, nasskalten Winterwetters in Deutschland leiden und dennoch gerne verreisen würden, hatte Tresen- Hans gestern eine zündende Idee:

“Wir sollten unterirdisch ein zweites Kanarien bauen, mit allem was dazugehört.
Die Wärme kommt aus der Erde. Sonne und Meer spiegeln wir geschickt vor, ähnlich wie in Las Vegas, du weisst schon, das grosse Hotel!”

“Aber die Leute merken doch, daß sie nicht auf den Kanaren sind”, sage ich!

“Ach was! Wir garantieren dort unten stabile Temperaturen, keinerlei Wind und das Meer ist picobello sauber. Keine Störungen mehr durch Kreuzfahrtschiffe, die reinste O a s e !
Ein Problem wären nur die immensen Erdbewegungen, aber das könnten wir hinkriegen. Ein paar Löcher mehr oder weniger in der Erdkruste, was macht das schon?”

Mensch, hat der Hans Ideen! Nur schade, daß er die nächsten Tage nicht mehr davon weiß.

Schabernack

Quelle: Pixabay, bearbeitet von Christiane

Im Jahr 2020 geht es dank Christiane mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von BerlinAutor.
Ich beteilige mich gerne an dem Projekt, nun schon in der vierten Etüden-Ausgabe des Jahres, diesmal mit einer kleinen Kette humoriger Geschichten:

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Ich bin für meinen Schalk bekannt, doch für Job, dem befreundeten Keramiker aus den Niederlanden, war mein Schabernack nun denn doch etwas zuviel:
Breit lächelnd sagte ich: “Kannst Du mir diese zwei Stücke auch noch überlassen“?
Kurz zuvor hatte ich schon zwei Keramiken von ihm gekauft, nun hatte ich zwei weitere gesehen, für die ich mich auch interessierte.
Wieso hatte ich meinen Wunsch genau so formuliert??! Weil es ungewöhnlich ist, gleich noch etwas zu kaufen. Und ich mich gerne als etwas verschrobenen Sammler darstellen wollte. Das mache ich gerne, mich selbst auf die Schippe zu nehmen.

Jedenfalls erhob sich bei Job gleich Widerspruch:
“Oh, oh oh! Ich kann Sie Dir etwas billiger geben”.

Viel später wurde mir klar, daß “überlassen” für den Niederländer Job bedeutet hatte, daß ich sie umsonst wollte. Das war natürlich nicht mein Ansinnen. Der Schabernack hat also “backgefired”, mich sozusagen in schlechtem Licht darstellen lassen. Selber schuld, wenn man solche Spässe macht.

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Mit Helmut saß ich im Cafe’.
“Schau mal die, die sieht ja aus wie die Venus von Milo!!”.
Sofort erhob sich Widerspruch in mir. “Bloß weil sie ein wenig breit gebaut ist”?!
Naja, solchen harschen Schabernack kannte ich ja von Helmut immer mal wieder!

Nun ist das 20 Jahre her, ich weiß das, als wäre es gestern gewesen!
Wir sind immer noch Freunde.

Helmut ist mittlerweile sehr in die Breite gegangen. Nun sieht er ähnlich aus wie damals die Frau vor dem Cafe’.
Der Anstand gebietet es, ihm das zu sagen. Doch mir schwirrt das von damals im Kopf herum. Wie schnell sich das Blatt wenden kann!

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Der angeklebte Bauer.

Wenn Schachfreund D. seine Partie mit Weiß eröffnete, schob er seinen D-Bauern 2 Schritte vor. Immer!!
Das war immer so und würde auch so bleiben.

Beim jüngsten Turnier setzte er sich breit ans Brett und zog, als der Schiedsrichter die Partien frei gab, mit Elan seinen Bauern!

Hui! Alle Figuren fielen vom Brett!! Er erhob sich entsetzt, was war passiert?

Jemand hatte seinen D-Bauern angeklebt und als er ihn ziehen wollte, riss er das ganze Brett mit!
Was für ein Schabernack!

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Die ewig Positive

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Quelle: Pixabay, bearbeitet von Christiane

Im Jahr 2020 geht es dank Christiane mit den Etüden weiter.
Die Wortspende stammt diesmal von Alice.
Ich beteilige mich gerne an diesem Projekt, nun schon in der dritten Etüden-Ausgabe des Jahres:

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Ach, knuddeln könnt’ ich die Trude!
Auf alles weiß sie Rat:

“Auf jede Grippe folgt ein Hoch,
so glaub’ mir doch!
Und ist ein Hemd mal gebleicht,
es noch zur Gartenarbeit reicht!”

Naja?!?

Letztlich war ich wieder mal ganz unversöhnlich mit meinem Schicksal.
Ach! Mein Vater ein Choleriker, meine Mutter eine Depressive, ich im Mathestudium gescheitert, mit Frauen kein Glück … ein Tunichtgut rundherum, sapprament nochmal !!!

Das hörte sie und meinte schlagartig:

“So kommst Du nicht rum!
Sei doch nicht so dumm!
Was sollen diese alten Geschichten?
Die helfen Dir mitnichten.
Diese Gedanken sind Ausreden, alle!
So hilfst Du dir auf keinem Falle!
Gib diese Sagen auf
beginne einen neuen Lauf
gib dem Leben eine echte Chance
auf daß entsteht eine neue Balance
Werte Dich nicht dabei
alles andere ist einerlei.”

Nanu?? So eine Tiriade?! Das war ich nicht von ihr gewohnt.
Aber langsam sickerte etwas in mich hinein.
Ein tiefer Glaube plötzlich, das es so gehen kann.

 

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 157 Wörter.

1500ter Post.