Category: Etüden

Rebekkas 17. Geburtstag

Ausschnitt aus Keramik

Für eine Woche stehen Christianes Extraetüden an.
5 von 6 vorgegebenen Worten sind in einem Text von max. 500 Worten zu verwenden.
Die Wortspenden sind:

Zetermordio, weichmütig, backen
Lautsprecher, orange (NICHT die Frucht, die Farbe), erschüttern

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Triggerwarnung: Hier geht es um einen Tod eines Jugendlichen.

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Der Film Albträumer handelt von der weichmütigen Rebekka, die mit ihren wohlhabenden Eltern ihren 17. Geburtstag vorbereitet.
In diesen Tagen gedenkt man auch ihres Bruders, der vor 2 Jahren in ihrem Alter tödlich verunglückt ist.
Vincent, der mit dem Bruder zusammen gewesen war, stört die Familienfeier.
Rebekka stellt ihn, spürt daß hinter seiner grell-schrillen Fassade mehr ist.
Sie versucht ihn heimlich zu besuchen, aber aus seinem Fenster klingt es wie Zetermordio, Metal mit den Lautsprechern auf Höchststand.

Bald später treffen sich doch die zwei. In einem dunklen Verlies, wo Vincent und Rebekkas Bruder oft hausten, entdeckte sie auf Fotos, daß ihr Bruder homiphil war. Sie erschüttert das nicht, obwohl sie nichts davon geahnt hatte.
Ihr Vater gibt dann zu, daß er davon gewusst hatte.

Die Zeichnungen ihres Bruders in einem gefundenen Notizbuch waren tiefschwarz, da gab es keine Farben, kein Orange, kein Grün, kein Blau.

Im Verlauf der Geschichte verliebt sich Rebekka in Vincent und kommt so den Hintergründen des Unfalls näher.
Es stellt sich heraus, daß alle ihren Anteil hatten, aber dies vor sich bisher nicht (an)erkennen wollten.
Und das setzt jetzt ein, peu a peu, jeder für sich.

Höchstnote 5, ein eindringlicher Film.
Die Schauspieler waren recht überzeugend:
Vincent wird gespielt von einem jungen Mann, der an Kinski erinnert.
Rebekka, überaus zart und fein, entwickelt sich zu einer sehr unbequemen Tochter.

Alte Schauspieler

Für eine Woche stehen Christianes Extraetüden an.
5 von 6 vorgegebenen Worten sind in einem Text von max. 500 Worten zu verwenden.
Die Wortspenden sind:

Zetermordio, weichmütig, backen
Lautsprecher, orange (NICHT die Frucht, die Farbe), erschüttern

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Im Film “Winterreise” mit Bruno Ganz wurden alte Filmschnipsel verwendet. Dabei nicht nur vom Auftreten der NS-Grössen, sondern auch Strassenszenen und Theaterstücke der 30er und 40er.

Es wurden sehr kurz Szenen gezeigt, die das Treiben im “Jüdischen Kulturbund” illustrieren sollten. Diese Filmausschnitte waren ohne Farbe, also kein orange, blau oder rot, sondern nur in gebleichtem Schwarzweiß.
Dennoch erkannte ich im Nu in einem Kulissenschieber einen Schauspieler, den ich ewig nicht mehr gesehen hatte. Es war ein dicker und weichmütiger Schauspieler , der wie ein Lautsprecher Regieanweisungen gab. Sofort fiel mir ein “Standfoto” von einem TV-Stück ein, so als hätte ich dieses erst kürzlich gesehen.
Den Namen des Schauspielers erinnerte ich natürlich nicht.

Nach dem Film suchte ich in irgendwelchen Übersichten nach ihm. Das war ziemlich chancenlos, denn er war kein Star. Da konnte ich fast Zetermordio schreien, da gab es kein Vorwärtskommen.
Mehr Informationen konnte ich mir auch nicht backen, ich musste es darauf beruhen lassen.

Ich muß zu allem erklären, daß ich grundsätzlich Schauspielern der alten Garde zugeneigt bin, weil ich deren Spielkunst schätzen gelernt hatte. Sie gehörten auch quasi zum Inventar, man sah sie relativ häufig am Bildschirm.

Letzte Nacht, kurz vor dem Zubettgehen, fiel mir plötzlich der Name des Schauspielers ein. Ganz ohne mein Zutun. Plötzlich war der Nachname da! Ich notierte ihn schnell in einem Notizblock im Wohnzimmer.

Und heute schreibe ich von diesem Vorfall 🙂

Schlussendlich die Flucht

Zeichnung von mir

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5 von 6 vorgegebenen Worten sind in einem Text von max. 500 Worten zu verwenden.
Die Wortspenden sind:

Zetermordio, weichmütig, backen
Lautsprecher, orange (NICHT die Frucht, die Farbe), erschüttern

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Günters Grossmutter hatte ihn einst in die Oper mitgenommen, wo er die Zauberflöte sah, ein Stück über die Gleichheit aller Menschen. Das beeindruckte ihn nachhaltig und so wünschte er sich, die Flöte zu erlernen.
Zielstrebig wie er war, begann er 1934 das Studim der Flöte beim Karlsruher Professor Spittel, einer weithin geachteten Koryphäe.
Schnell machte der weichmütige und besonnene Günter Goldschmitt Fortschritte. Er wurde zum Aushängeschild der Akademie.
Irgendwann 1935 wurde er zu Prof. Spittel gerufen. Der erklärte dem jungen Mann, daß er seine Ausbildung nicht mehr abschliessen dürfe.
Vollkommen erschüttert beschloss Günter sofort auszureissen. Nach Schweden, war sein erster Gedanke.
Doch dieser Plan wurde vereitelt, lernte er doch tags drauf bei einem Engagement im “Jüdischen Kulturbund” seine zukünftige Frau kennen.
Dieser Bund führte ihn mit seiner Partnerin sogar nach Berlin.
An einem Novembermorgen 38 hörte er seinen Vermieter Zetermordio schreien. “Raus, raus, raus. Koffer packen und verschwinden! Überall brennt’s!”. Ganz verstand er nicht, packte dennoch seine Siebensachen und eilte über eine Hintergasse zum Zug nach Düsseldorf, wo seine Partnerin gerade weilte.
Dort blieb er eine Weile, bis der Sturm abgeflacht war.
Er war weiter Mitglied des Bundes. Man spielte eifrig. Der junge Leiter dort vermittelte den Eindruck: “Wir können uns unsere Zukunft nicht “backen“, nicht bestimmen, widmen wir uns mit aller Kraft und Hingabe der Musik!”

Gute zwei Jahre später spielte man in der US-Botschaft. Im dortigen Park wurden mit Lautsprechern Gäste vorgestellt, zum Schluß das Ensemble.
Günters Frau schaffte hier die Kontakte und verschaffte sich Visa. Günter musste als letzte Demütigung noch einen Spiesrutenlauf hinnehmen, um die nötigen Stempel in die Pässe zu bekommen. Diese Schikane konnte er nie vergessen.

Über Frankreich, Spanien und Portugal erreichte man ein Schiff nach New York. Der Kulturbund war unterdies schon aufgelöst und alle Mitglieder deportiert.
Damit endete der 1. Teil der Lebensreise, wie sie im aktuellen Film “Winterreise” geschildert wurde.

Das orangene Zimmer

Für eine Woche stehen Christianes Extraetüden an.
5 von 6 vorgegebenen Worten sind in einem Text von max. 500 Worten zu verwenden.
Die Wortspenden sind:

Zetermordio, weichmütig, backen
Lautsprecher, orange (NICHT die Frucht, die Farbe), erschüttern

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Er hatte das Motto von DO EASY (The Discipline of DE) vergessen. Alle Vorgänge im Haus sollten eingeübt werden, sodaß man nicht stolpert oder etwas umstösst. Zu keiner Zeit. Nie! Niemals!

Zetermordio schrie er, als er einen der unhandlichen Lautsprecher nicht richtig auf seinem neuen Platz abstellte. War der jetzt zu erschüttert, um noch richtig zu funktionieren?!
Immerhin hatte er die orangenen Boxen, die wie riesige Boule-Kugeln aussahen, erst vor kurzem gekauft, sie waren so ungemein schick, ja geradezu verblüffend im Design und in einem deutlichen Kontrast zu den schwarzen und betont rechtwinkligen Bestandteilen seiner Wohnung.
Schwarz und orange im Wechsel, das wäre der Blickfang.
Sein Gedanke war ja gewesen, streng Formales mit weichen Formen zu umfüttern. Das wäre auffallend neu und für manchen Besucher sicher an – und aufregend.

Er war weichmütig, vergab sich das Faux-pas alsbald. Die Kugeln standen da auch wirklich nicht gut, aus einem bestimmten Blickwinkel ergab sich eine Disharmonie. Auch war das Orange an dieser Stelle zu grell.

Morgen würde er neu darüber nachdenken. Der Möglichkeiten gab es noch viele. Vielleicht sollte er riesige Obstschalen kaufen und darin die orangenen Kugeln präsentieren, daneben als Gag echte Orangen, die sich jeder greifen konnte, wenn er Lust dazu haben sollte.
Toll würde die Lösung auf jeden Fall. Schick und pfiffig. Das Zimmer ein Hingucker hoch drei.