Category: Etüden

Zusammensitzen

Für zwei Wochen stehen Christianes neue Etüden an.
Die folgenden 3 Worte sind in einem Text von max. 300 Worten zu verwenden.
Die Wortspende ist diesmal von Wortman.

Affe
neu
blockieren.

*


“Du Affe” und danach bald “Du Blödel”, so titulierte ein Spieler sein Gegenüber, immer wieder mal.

In der verrauchten Kneipe fiel das nicht weiters auf. Den so Angesprochenen kümmerte das auch wenig.
Der kleine alte Herr wollte nur spielen.

Manchmal kamen dem Jüngeren auch neue Schimpfworte in den Sinn.
Es war im Grunde gleich.

War der alte Herr blockiert? Wieso juckte ihn das nicht?
Vielleicht war es einfach so, daß er froh war, einen Spielpartner zu haben. Andere hatten keine Lust dazu, aber dieser hier war immer geneigt. Das war allemal besser, als daheim zu sitzen.
So könnte es sein.

Der Kaffee schmeckte schlecht. Aber was sollte man trinken? Das Flaschenbier schmeckte auch nicht.
Der Rauch wallte durch die Örtlichkeit, dummdösig war das. Wie auf einem Genrebild, man müsste es zeichnen.

H’s Dilemma

Einer meiner Keramik-Affen

Für zwei Wochen stehen Christianes neue Etüden an.
Die folgenden 3 Worte sind in einem Text von max. 300 Worten zu verwenden.
Die Wortspende ist diesmal von Wortman.

Affe
neu
blockieren.

*


“Habe ich mich jetzt zum Affen gemacht?”, fragte sich H.
Manchmal fragt er sich das, wenn er unvermittelt etwas äussert, das nicht zum vorhergehenden zu passen scheint.
Er springt eben gerne. Eine Assoziation bedingt die nächste. Jedes neue Stichwort ruft ein weiteres auf. Und dieses erscheint ihm dann unbedingt mitteilenswert.
Wenn er angeregt ist, kann er das nur schwer unterdrücken.
Er sitzt quasi wie in einem Wettbewerb, der aber keiner ist. Niemand hatte ihn ja ausgerufen.

Muss er sich hier blockieren lernen?

Ja, vielleicht. Sicher doch!
Zur Zeit sitzt er ja wenig bis gar nicht mit Leuten zusammen, sodaß selbiges kaum mehr vorkommt.
Ausgedünnt. Ausgetrocknet. Auf natürliche Weise verebbt.
Aber im Koffer führt er das sicher noch mit.

The world

Ausschnitt aus einer Keramik

Für eine Woche stehen Christianes Extraetüden an.
5 von 6 vorgegebenen Worten sind in einem Text von max. 500 Worten zu verwenden.
Die Wortspenden sind:

Zetermordio, weichmütig, backen
Lautsprecher, orange (NICHT die Frucht, die Farbe), erschüttern

*


Die Zeit, in der man lebt, kann man sich nicht backen.
Es gab mal eine Zeit, so versicherte mir ein älterer Einheimischer, da verliesen Einwohner einer nahen Siedlung nie ihr Dorf. Ob sie überhaupt von Würzburg wussten, das nur 40 km entfernt war?!

Es gab keine Veranlassung dazu, das Dorf zu verlassen. Zetermordio schrie da nemand über das Gleichgestrickte eines jeden Tags. Vermutlich kannten sie Monotonie überhaupt nicht. Zumindest nicht so wie wir.

Als kleiner Junge besuchte ich mal den Cousin meines Vaters in den Sommerferien auf seinem Hof nahe Würzburg. Da wurde tagsüber gearbeitet, von sehr früh an. Zwar gab es einen TV, der war aber kaum an.
Ich schnitze damals viel an den Abfällen seiner Holzmühle herum. Das war spannend. Wie weich das Holz war! Es gab auch kleine Bächlein in der Nähe.

Erschüttert erfuhr ich vor vielen Jahren, daß es diesen Hof gar nicht mehr gibt. Der weichmütige Sohn starb sehr früh. Und das Gut, das danach zu einem Schullandheim wurde, brannte völlig ab.
Nichts ist also mehr vorhanden.

Das war auch die Zeit, in der ich mit meinem Vater erstmals in Würzburg war, zu welchem Zweck, das weiß ich nicht mehr.
Ich sah ein orangenes Auto, daß er als gelb korrigierte. Oder umgedreht.
Da lernte ich, daß ich einen deftigen Mangel besaß. Ich wusste ja damals nichts von Rotgrünschwäche.

Mein altes Dorf war zweigeteilt: Der Teil vor der Kirche und danach. Von dem unteren Teil hatte ich kaum eine Ahnung. Nur in meinen Träumen war dieser Teil lebendig, aber oft dunkel und angstmachend.
Einen solchen Traum beschrieb ich mal in einem Aufsatz. Die kafkaeske Schilderung gefiel dem Lehrer vorzüglich.
All diese Aufsätze sind verloren. Ich hätte sie mir vermutlich besorgen sollen.

Kovan

Mistbiene aus dem Sommer, keine echte, sondern eine Schwebfliegenart…

Für eine Woche stehen Christianes Extraetüden an.
5 von 6 vorgegebenen Worten sind in einem Text von max. 500 Worten zu verwenden.
Die Wortspenden sind:

Zetermordio, weichmütig, backen
Lautsprecher, orange (NICHT die Frucht, die Farbe), erschüttern

*


Im türkischen Film Kovan wird die Geschichte der weichmütigen Ayse erzählt. Sie reist aus Deutschland zu ihrer sterbenskranken Mutter in die Ostürkei, in eine wundervolle, traumhafte Bergwelt.


Ihre Mutter hat den Wunsch, daß die Tochter ihre Bienenstöcke übernimmt.
Zaghaft setzt sie sich mit diesem Gedanken auseinander.
Da sie gar nichts über Bienenpflege weiß, lässt sie sich von einem Vertrauten seiner Mutter einweisen.


Manche Maßnahmen scheinen ihr suspekt, etwa nur kaukasische Bienenköniginnen für den Aufbau eines neuen Schwarms zu verwenden. Oder eine orangene Farbe für einen Kasten nicht verwenden zu dürfen.
Sie stösst auch auf manchen Aberglauben, den sie vornehmlich bei Gesprächen belauscht. Aber auch auf einen jungen Naturpfleger, der das Leben hier als viel gewinnbringender ansieht wie das Leben in Istanbul.

Durch bald eigenmächtige Maßnahmen zerstört sie einiges. Das Töten eines Bären verursacht Zetermordio im Dorf, aber da weiß man noch nicht, daß sie es war.
Manche Einsichten dort in dieser Gegend waren, so stellt es sich heraus, eben nicht nur Aberglaube. Sondern waren im Grunde nicht zu hinterfragen, da sie zur Gegend gehörten.
Erschüttert ob ihrer Wirkung will sie nach Deutschland zurück.
Beim Abfahren zum Flughafen wird sie aufgehalten: Ihre fälschlich eingesetzte neue Königin hatte dennoch einen neuen Schwarm erzeugt.
Wie durch Lautsprecher wurde diese unglaubliche Fügung publik.
Jemand, dem sie Schaden zugefügt hatte, verzieh ihr zudem, weil er dadurch auch einiges gelernt hatte.

Im Grunde war das hier ein Ort, an dem sie ihr bisheriges Leben auf ganz neue und wirksame Weise entfalten konnte. Und deshalb blieb sie.

Wie immer zeichnete ich neben dem Film: