Category: Etüden

Schlüpfriger Schlips

Quelle: Pixabay, bearbeitet von Christiane

Für zwei weitere Wochen stehen Christianes neue Etüden an.
Die folgenden 3 Worte sind in einem Text von max. 300 Worten zu verwenden.
Die Wortspende ist diesmal von von Ludwig Zeidler (bloggt nicht mehr), und Irgendwas ist immer.

Sonnenhut
haltlos
massieren.

*

Hans schickte mir kürzlich ein Foto von ihm am Strand.
Wie nicht anders von ihm zu erwarten, mit einem Sonnenhut über sein Stück.
Naja.
Er lässt es sich offenbar trefflich gut gehen.
Zweimal in der Woche lässt er sich massieren, braucht es auch vom ausgiebigen täglichen Joggen den langen Strand entlang. Er ist ja nicht mehr ganz der Jüngste.
Haltlos bechern ist und war nie seine Devise. Denn einerseits könnte er so schnell ins “Bechern” kommen, wenn es zuviel wird, andererseits, weil er betont gesund lebt.

Was ist dagegen zu sagen? Ist es unethisch, sich gerade jetzt einen Luxusurlaub zu leisten? Darüber streiten sich die Geister!
Ich sehe das bei ihm eher entspannt und mache mir weiters keine Gedanken zu. Jeder versucht auf seine Facon glücklich zu werden. Solange er dabei nicht anderen auf den Schlips tritt!

Doch wann tritt man eigentlich anderen, auch sonst, auf den Schlips? Kann man das jeweils wissen?
Und ist solch ein Wissen dann schlicht entbehrlich?

Oh, jetzt bin ich aber ganz abgeschweift…von Hans zu ganz allgemeinen Überlegungen!

Im Alamo

Quelle: Pixabay, bearbeitet von Christiane

Für zwei weitere Wochen stehen Christianes neue Etüden an.
Die folgenden 3 Worte sind in einem Text von max. 300 Worten zu verwenden.
Die Wortspende ist diesmal von von Ludwig Zeidler (bloggt nicht mehr), und Irgendwas ist immer.

Sonnenhut
haltlos
massieren.

*

Edward, auch Ludwig genannt, trug seit kurzem einen gepflegten Sonnenhut und einen Spitzbart. Einen Adler-Spitzbart, wie er betonte.
Auf seine Freiheit war er mächtig stolz.

2023 reiste er wieder in seine alte Heimat. Und wollte es gleich im „Alamo“ scheppern lassen, seiner einstigen Stammkneipe. Nur dort schmeckten ihm die Biere. In der Fremde hatte er die Lust darauf verloren.
Haltlos wollte er seine Wiederkunft dort feiern.

Erna stand immer noch hinter den Tresen. Früher hatte er ihr mal kollegial die Schulter, vom vielen Bierzapfen ganz steif, massiert. Das war einfach ein Freundschaftsdienst, nicht falsch verstehen, denn man saß ja sooo oft zusammen, im Alamo.

Das Hallo in der Kneipe war dann auch riesengroß, denn auch Hubert war da und Ernst. Beide ganz schön gealtert, aber das zählte jetzt nicht.

„Wo ist denn Rudolf“, fragte er und legte dabei bedächtig seinen Sonnenhut am Tresen ab.
Erna krähte: „Zeh!“
Wie, „Zeh“, verstehe nicht?! Dass Rudolf ab und an gehumpelt hatte, da konnte er sich erinnern. Er selbst hatte ja auch Hühneraugen an den grossen Zeh.
Hubert in der Ecke tönte: „Zeh schreibt man auch mit C.“

Jetzt verstand Edward, der auch Ludwig hies. Und Rudolfs Freund „Jacques“, der Schwerenöter? „Auch Zeh,“ meinte Hubert.

Irgendwie gefiel es Edward, der auch Ludwig hies, in der Kneipe jetzt nicht mehr. Zwei seiner engsten Kumpel fort – und das Bier schmeckte auch irgendwie schal.
Ne, sooo gefiel es ihm nicht. Das war nicht seins! Ne! Sooo nicht!

„Muss heim, Leute! Schön wars!
Erna, halt Dich tapfer.“
Und weg war er.

Bodenständigkeit ist ein Muster!

Quelle: Pixabay, bearbeitet von Christiane

Für zwei weitere Wochen stehen Christianes neue Etüden an.
Die folgenden 3 Worte sind in einem Text von max. 300 Worten zu verwenden.
Die Wortspende ist diesmal von von Ludwig Zeidler (bloggt nicht mehr), und Irgendwas ist immer.

Sonnenhut
haltlos
massieren.

*

Wie kam ich 2002 nach Tokio?

Der Zufall wollte es: Ein Freund, mit dem und einem weiteren Kollegen ich öfters die Bierbänke beim “Postillon” massierte, zog es ausgerechnet in diese Stadt – und ich war sein 1. Gast dort.

Er war trotz einer gepflegten Bodenständigkeit sehr schnell bei seinem Entschluss gewesen, für ein paar Jahre nach Tokio zu gehen.

Es bekam ihm, wie sich zeigte.

Als ich dort ankam, war es sehr warm. Einen Sonnenhut brauchte ich deswegen aber nicht.
Jeden Tag streifte ich durch einen anderen Bezirk.
Outdoorcafe’s gab es kaum, einmal machte ich Pause in einem Cafe im 3. Stock, mit zugezogenen Gardinen.

Abends schrieb ich dann meist Emails aus einer Spielhölle, wo es kostenlos nichtalkoholische Getränke aller Art gab, bis zum Abwinken. Ich war nach solchen Tagen verdammt durstig.

Wir verliesen am Wochenende auch mal die Stadt. Mein Freund war da ganz haltlos. Die Benutzung der Autobahn kostete enormes Geld. Ihm war das egal und mir musste das zwangsläufig auch sein.

Ich erinnere mich an manches:

An den Besuch einer Sumo-Veranstaltung. Da wollte ich ja damals unbedingt hin. Und dann dort auch noch Musashimaru, den legendären Haiwaianer zu sehen, war umwerfend.

An den Zoo, wo mich kleine Kinder “sexy” fanden.

An den Kauf einer blonden Perücke.

Dann an ein Gedeck mit zwei kleinen Bier, die umgerechnet 37 Euro kosten sollten.

An eine Bar, als die uns gut bekannte Bedienung einfach, anstatt uns zu sagen, daß geschlossen sei, sich hinter den Tresen fallen lies.

Und an alte US-Western, die ich oft spät abends oder nachts alleine sah.
In einem Western wollte der junge Held seine Scholle verlassen, wollte den Hof nicht übernehmen. Er lies deswegen sogar seine Braut zurück.
Als er wegritt, sah er einen Unhold sein Mädchen am Ufer belästigen.
Er stieg rasch ab, rannte hinzu und schlug den Bösen nieder mit den Worten “You dirty pack of muscles!”.

Darüber musste ich herzlich lachen! Jedenfalls blieb der Held dann doch da, wurde ganz bodenständig, lies sich mit ihr dort nieder.

Und ich reiste nach 2 Wochen wieder aus Tokio ab, zurück in meine Scholle.

Nicht wissend, daß 20 Jahre später solch eine spontane Reise nicht mehr so ohne weiteres möglich sein würde.

*


Unklarer Sonnenhut

Quelle: Pixabay, bearbeitet von Christiane

Für zwei weitere Wochen stehen Christianes neue Etüden an.
Die folgenden 3 Worte sind in einem Text von max. 300 Worten zu verwenden.
Die Wortspende ist diesmal von von Ludwig Zeidler (bloggt nicht mehr), und Irgendwas ist immer.

Sonnenhut
haltlos
massieren.

*

Ich massiere mir meine Stirne: Wo habe ich denn den Sonnenhut her, der zuoberst in meinem Kleiderschrank liegt?
War es Mexiko? Oder Mallorca? Oder sonstwo her? Ich habe tatsächlich keine Ahnung.
Haltlos gehen all diese Erinnerungen flöten. Manchmal vermengt man auch Erlebnisse, was witzig ist, wenn man an einen Ort wiederkehrt und etwas vermisst, das da niemals war.

Oder man macht eine Rundreise und merkt im Tageshotel nach gewisser Zeit: Ach, da war ich schon mal.

Von all dem ahnte ich schon etwas in frühen Jahren. Ich prägte mir meist sehr intensiv ein, was ich da sah, meinend, daß es so nicht so leicht verlorenginge.
Weit gefehlt.

Wenn ich jetzt (ich meine natürlich irgendwann später) wieder in Urlaub bin, dann schiesse ich rein dokumentarisch viele, viele Fotos, quer beet, einfach, um später irgendwelche Anhaltspunkte zu haben.

Übrigens: Den Sonnenhut habe ich tatsächlich und er ruht zuoberst im Schrank.

*