Der Waldweg knisterte nur so von trockenem Laub. Horst schritt unverdrossen weiter, bis er an eine ihm bekannte Kreuzung kam. “Helma, links oder rechts?” Sie kannten ja beide Abzweigungen, es war eine Geschmacksfrage, welchen Weg man geht. Zum Auto käme man immer zurück.
“Horst, wir können links gehen. Aber rechts ist es auch schön!”.
„Helma, aber welchen sollen wir wählen”?
“Horst, beide sind schön, ich mag beide”.
“Aber welchen fändest Du heute besonders attraktiv?”
“Horst, ich bin mit allen beiden zufrieden”.
Helma drückte sich wie ein Wackelpudding um die Entscheidung, das würde noch eine Weile so weitergehen, dachte sich Horst – er hatte ja … Erfahrung! EInen Hoffnungsschimmer ließ er diesbezüglich lieber sein.
Also ging Horst einfach schnöderweise nach links und Helma folgte ihm.
Die Wanderung war dann wunderschön gewesen! Eine Pracht! Endlich mal wieder die Lunge ausgepustet! Hach, wie herrlich! Vergessen diese Gretchenfrage von zu Anfang.
Am Auto zurückgekommen, fiel Horst ein, daß sie nur noch etwa 2 Flaschen Rotwein zuhause hatten. Unverzeihlich wäre das, wenn man ganz ohne einen vernünftigen Roten am Abend dastehen würde.
“Helma, sollen wir noch schnell auf dem Rückweg beim Discounter vorbeifahren, Rotwein holen”?
“Horst, wir haben noch etwas zuhause. Du kannst den Roten heute kaufen …oder morgen früh. Ganz wie es dir beliebt”.
Wieder steht für zwei Wochen Christianes Etüdenaufruf an.
In max 300 Wörtern soll man eine kleine Geschichte erzählen, die drei vorgegebene Worte enthalten. Stachelbeermond gab diese 3 Worte vor:
Wackelpudding unverdrossen knistern.
„Frau Grete, machen Sie doch kein solches Gewese! Geben Sie doch den Kindern den Ball zurück!“, meinte die Nachbarin.
Es knisterte hörbar vor Spannung. Würde Grete den Ball wieder rausgeben oder nicht?
Was war geschehen? Nun, schon wieder war der Ball in Frau Gretes Gemüsegarten gelandet. Zum xten Mal. Die Kinder hatten trotz ihrer Warnung unverdrossen weiter gespielt. Diesmal aber kam die dicke Frau rot im Gesicht wie ein Wackelpudding angestürmt, und schnappte sich schnaubend vor Wut den Ball im Gemüse!
Stille herrschte am Spielplatz. Alle schauten wie gebannt.
Plötzlich hörte man ein leichtes Pfeifen oder Schluchzen. Nicht sehr lange, aber hörbar, auch die Kinder weiter hinten hörten es offenbar.
Nach einer langen Weile warf Grete den Ball in hohem Bogen wieder auf den Platz. Blumm, blumm machte er.
Er sah jetzt wie eine Kartoffel aus, ganz verschrumpelt. Ein Witz von einem Ball! Und das ohne Knall.
Wieder steht für zwei Wochen Christianes Etüdenaufruf an.
In max 300 Wörtern soll man eine kleine Geschichte erzählen, die drei vorgegebene Worte enthalten. Stachelbeermond gab diese 3 Worte vor:
Wackelpudding unverdrossen knistern.
Meine Geschichtchen zeige ich diesmal im Block 🙂
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Endlose Verstrickungen
Hans schaute wieder mal bei den Ernsts vorbei. Eigentlich war die Frau des Hauses drauf und dran, in die Stadt zu fahren. Aber Hans gehörte ja zu ihren Freunden, also bat sie ihn rein.
Bei einer Tasse Tee ging es zunächst um Familienangelegenheiten, aber bald ging Hans auf etwas los, das ihm sehr in der Seele brannte.
Er brachte unverdrossen Argumente zu einem in der Gesellschaft allgegenwärtigen Thema vor. Offenbar schienen seine Argumente ihn selbst nicht zu überzeugen – wie ein Wackelpudding brachte er neue und neue Argumente vor, es wurde immer weniger nachvollziehbar, was er da auf den Tisch ausbreitete. Wie im Skat.
Bei der Hausdame knisterte es mittlerweile. Ihre Geduld war sehr am Bröckeln, noch war Zeit, in die Stadt zu fahren. Aber sie wollte Hans nicht verabschieden, das gebot ihr der Anstand.
Nun ging es schon in die dritte Stunde. Der Hausherr hatte sich nur kurz dazugesetzt, hatte dann aber die Hecke zu schneiden.
Hans war noch nicht am Ende, er hatte dies und jenes noch gehört, von „hohen Tieren“, denen musste man doch Glauben schenken! Die mussten es doch wissen!
In der vierten Stunde gelang es der Hausdame, doch Hans zu verabschieden. Sie wusste selbst nicht mehr wie – so durcheinander war sie. Sie war vollkommen unten durch.
Ihren Mann fand sie nicht an der Hecke draussen, sondern in seinem Bett. Selig schlummerte er.
„Na warte, mich so allein zu lassen!!“, schäumte sie innerlich!
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Das vegane Monster
Unverdrossen drehten wir unsere Runden auf dem Schaumainkaifest in Frankfurt. So viele Bühnen, es gab mehr als genug unterschiedliche Musik: Soul, Funk, Rock, Liedermacher.
Irgendwann gingen wir auch in die Gärten einiger Museen, in denen es sicher auch interessante Musik gab und etwas weniger Trubel. Hängengeblieben sind wir dort im „Jazzgarten“. Eine junge Band begann gerade zu spielen.
Ich saß bald wie ein Wackelpudding am Biertisch, so spannend war deren Musik. Aber ich wollte nicht alles, was ich bei mir hatte, bei meiner Begleitung lassen.Schliesslich wollten wir ja zu zweit das Konzert geniessen und auch ein Biechen trinken.
Zwei junge Frauen sassen uns gegenüber auf der Bierbank.
Eine von ihnen lies sich unablässig über Fleischesser aus. Es hörte nicht auf. Meine Nerven knisterten, ich wurde langsam böse.
Ich hätte die Dame gern gefragt, wieviel Musiker denn auf der Bühne, vor der sie ja auch saß, sind.
„Sind es 2, 3, 5 oder 8 Musiker“. Ich bin sicher, sie wusste es nicht!
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Dick bedeutet nicht unrund.
Hans drehte unverdrossen seine Runden. Irma hatte ihn verlassen, weil er dicker und dicker wurde. Nun leistete er quasi Abbitte und ging täglich seine Runden im Stadtpark. Seinen Humor hatte Hans keinesfalls verloren. Das wäre sonst nicht er!
Eine Dame mit Hund kam nun des Wegs und machte eine Bemerkung wegen ihres Winzlings, der dem mächtigen Hans nun piepsenderweise gegenüberstand.
Hans wäre nicht Hans, da musste er lachen wie ein Wackelpudding. Und sein Bauch schaukelte rauf und runter, er musste ihn regelrecht halten dabei.
Bei der Dame knisterte es unverhohlen. Genau das elektrisierte sie – dieser Frohsinn, diese unbändige Leichtigkeit – trotz der Schwere des Leibs. Das Wackeln desselben erinnerte sie an ein sonniges Sich-wiegen auf einer Schaukel.
“Wollen sie mit mir eine Tasse Tee trinken, ich wohne gleich um die Ecke”, meinte sie.
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Die große Zeit
Sein Spitzname war „Pud“, was auf englisch etwa „Wackelpudding“ heißt.
Er war eine Stimmungskanone, elektrisiert und elektrisierend. Es knisterte nur so von Ideen, die in seinem Umfeld aufkamen. Selten verpasste ich ein Happening auf der Riverboat, einem Kahn, auf dem eine Grupope um ihn sich zu treffen pflegte, um neue Impulse im kulturellen Bereichen auszuhecken. Wie die Gruppe hies, weiss ich nicht mehr.
Meist war ich von A nach B unterwegs, um mal schnell dort vorbei zu schauen und Abenteuer zu schnuppern.
Es wurde fast zu einer Routine und wenig war nötig, um dabei zu sein.
Doch der Zeiger der Uhr ging mittlerweile unverdrossen weiter.
Eines Tags war der Kahn leer, unbevölkert, ich hörte, Pud wäre in eine andere Stadt gezogen.
Wenn ich wieder mal von A nach B unterwegs war und as war häufig, hielt ich dort an und schnupperte die Atmosphäre von einst. Es war fast wie gestern. Ich hörte Pud agieren, seine Verve und Energie war da und auch all die anderen, die so umtriebig waren. Und die jetzt alle unauffindbar schienen.
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Schlemmen ohne Ende
Bei Brueghel, dem Älteren, musste man, um ins Schlaraffenland zu kommen, sich zunächst durch einen großen Teig fressen. Als Kind stellte ich mir hier einen Berg Emmentaler vor. Wackelpudding war ja in meiner Kindheit nicht bekannt.
Das Schlaraffenland von Brueghel war ja dergestalt, daß einem die gebratenen Tauben in den Mund flogen. Oder der Wein direkt in den Mund tropfte. Wie wäre so ein Leben, in dem einem instantan alle Wünsche erfüllt wären? Es sollte doch vielmehr knistern können, ob man erfolgreich sein kann oder nicht. Dieses Spannungsgefühl wäre nicht mehr da. Auch unverdrossen Ziele verfolgen, würde nicht mehr passieren. Der Mensch würde vollkommen erschlaffen. Was bewegte dem Meister, genau das zum Thema auf seinem Bild zu machen?
Einerseits sicher Unmäßigkeit und Trägheit aufs Korn zu nehmen, aber auch das oft Schlichte des Verlangens im Menschen darzustellen.
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Senf
In meiner Kindheit gab es diverse Süssigkeiten beim Krämer zu kaufen: Kleine Wackelpuddinge gab es noch nicht, sondern Zuckerstangen und Zuckereier. Wir kannten damals auch nur drei Eissorten: Vanille, Schoko und Erdbeer. Ich träumte als Kind von ganz exotischen Eissorten: Etwa von Senfeis. Wie würde so etwas schmecken? Das wäre ein knisterndes Vergnügen gewesen.
Unverdrossen hatte man solche Träume, von ungeheuren Dingen. Das Fliegen gehörte dazu, einfach übers Land schweben und von oben all das bunte und überbunte Treiben zu bebachten.
Die Wörter für die Textwochen 01/02 des Jahres 2022 stiftete Ludwig Zeidler. Sie lauten:
Hoffnungsschimmer unverzeihlich nähen.
und sind in einen max. 300 Wörter umfassenden Text einzubringen.
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Hans wählte einen Aufbau, mit dem er vor Monaten schon gegen Oskar im Schach verloren hatte. Wieder deklinierte er diesen Aufbau durch und durch und verlor eins ums andere Mal damit.
Erich als ewiger Beisitzer sagte darauf: “Aber Hans, das ist unverzeihlich! Diesen Aufbau hast Du doch schon vor Wochen ausprobiert, in allen möglichen Varianten”. Hans meinte daraufhin knapp: “Das stimmt nicht, das habe ich noch NIE gespielt!”.
Nun kann man ja mal vergesslich sein, aber solch eine Erfahrung einfach zu vergessen und dazu eine leidvolle, ist schon merkwürdig. Mit welchen Mitteln näht eigentlich unser Gehirn seine Erfahrungen zusammen?
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Jüngst waren Erich und Erna zu einem Abendessen bei einem befreundeten Ehepaar. Zwei weitere Gäste aus dem Ort wollten auch kommen, sagten aber wegen gesundheitlicher Bedenken ab. Sie hatten offenbar akut von neuen Krankheitsfällen in ihrer Umgebung gehört. Am nächsten Morgen frühstückten Erich und Erna noch bei ihren Gastgebern. Seltsamerweise war auch das Paar, das für den Vorabend abgesagt hatte, zugegen.
Dachten diese jetzt anders wie am Abend zuvor? Erich hatte keinen Hoffnungsschimmer, daß er das je erfahren wird.
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“Erich, die Strasse runter gehe ich nicht, da ist es zu windig.” Also gingen Erich und Erna einen anderen, mehr geschützen Weg. “Du, Erna, ich kann Dir meinen Schirm geben”, fiel Erich jetzt ein. “Danke, Erich. Ich liebe Wind!”.
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Und die Mär von der Geschicht: Gedanken und Vorstellungen sind manchmal frei wie der Wind. Und Entscheidungen werden manchmal getroffen ohne Erinnerung an frühere, oft ganz entgegengesetzte Entscheidungen.