Month: January 2023

Die Flucht nach vorne antreten

Dies ist ein Artikel zu Christianes Einladung.

Ich war schon immer der Leichtathletik zugetan. Vielleicht war der Nachbarjunge daran schuld, der mich eine Zeit lang zum Frühlauf vor der Schule animierte.

Als Heranwachsender trainierte ich mit anderen Jungs zeitweise die 400 m.
Mein Bruder war auch dem Laufen zugetan, ich hatte vor, mit ihm Marathon zu laufen. Aber mit Mitte 20 versagten meine Gelenke plötzlich den Dienst. Ich gab das Laufen völlig auf.

Dennoch blieb ich der Leichtathletik erhalten, wenn auch es zu Anfang sehr schmerzte, anderen zuzuschauen.

Auf Sportfesten fand ich am spannensten Mittel und Langstrecke.

Auf diesen kann man als Spitzenläufer während des Laufs “zurückstecken”, sich also nicht ganz nach vorne schieben. Man täuscht so evtl. Unsicherheit vor, ein fehlendes Vertrauen in seine Fitness. Der Konkurrent, der das so liest, ergreift meist die Flucht nach vorne, kann aber dann belehrt werden, dass er nicht wie erwartet “Fluchtsieger” wird, sondern auf den letzten Metern vom vorher Zögernden überholt wird.

Wunderbar ist es natürlich, wenn der lange Sprint, das Nachvornelaufen von Anfang an dennoch zum Erfolg führt. Solche Start-Zielsiege füttern das Renommee des jeweiligen Läufers, sie gehen meist in die Annalen ein.

Solche Läufe sehe ich mir immer wieder gerne in der Wiederholung an. Sie verlieren ihren Reiz nicht.

Ein Statement der besonderen Art

Dieser Prospekt steckt seit Mitte 2020 in einer Baumkerbe.

2020 dachte ich zunächst an ” Kunst im öffentlichen Raum”. Wieso in Zeiten der Pandemie nicht den Naturraum nutzen für Installationen aller Art?!

Ich fand damals Reifen, verrostetes Gestell. Attrappen, verwegen angemalte Zäume von Schrebergärten. Biergläser in einem Astloch. Und vieles vieles mehr.
Alles moderner Prägung.
Fast hätte ich selbst etwas in den Wald eingestellt !

Anyway: Der Prospekt steckt immer noch.

Vielleicht war es damals ein stiller Protest, weil die Theater geschlossen wurden?! Hermetisch dicht waren sie ja.

Wie dem auch sei: Der Verursacher hat seine Botschaft nicht wieder aufgehoben, sie prangt immer noch neben einem Spazierweg in einem Bau m.
Ich entfernte sie auch nicht, schon gar nicht am letzten Tag des Jahres 2022.
Denn ihre Bedeutung kann sich ja immer noch wandeln.
So ist das nun mal mit Kunst.