Das Traumgeschehen

Looking back


Einen neuen Text bringe ich in Christianes nun zweiten Etüdenaufruf ein.
Mein max. 300 Worte umfassender Text soll die Worte

Prophezeiung
anständig
verkrümeln.

enthalten.

***

Manchmal, in letzter Zeit, besonders wenn ich mit dem Auto untwerwegs bin, tauche ich überraschend für einen Moment in frühere Befindlichkeiten ein. Wie im Flash.

Es ist mir dann, als wäre ich aus der Jetzt-Zeit gefallen und befände mich recht frisch und unmittelbar in einer ehemaligen Lebenssituation.
Eine Situation, die nicht scharf umrissen ist. Ich sehe mich da meist mit wacher Aufmerksamkeit und verjüngt irgendwo stehen, mit den Gedanken und Empfindungen, die mich damals so begleitet haben dürften.

Diese Eindrücke oder Bilder flackern anständig stark für Sekunden, aber wie Dunst kann ich sie nicht “bergen”, ihnen weiter folgen.

Welche Prophezeiung hatte die damalige Zeit für mich? Die des Wachstums vielleicht, die des Ausprobierens, die des Schnupperns? Oder war es damals in Wirklichkeit ganz anders, war ich de facto eher in Niederungen unterwegs?!

Das sagen mir meine Spontanbilder nicht, sie malen mir ein rosa Bild.

In der heutigen Zeit, um einiges mehr älter, möchte ich mich zuweilen in eine Höhle verkrümeln, in der Hoffnung, wieder verstärkt Anschluss an diese Träume, an diese feinen Empfindungen zu kommen.
Manche machen wohl genau das, gehen auf lange Wanderungen oder einen Retreat. Um wieder Wurzeln im Alten zu schlagen und echte Luft zu atmen.

*


15 thoughts on “Das Traumgeschehen

  1. Der Frau Versspielerin schließe ich mich gerne an…Als ich heute Nachmittag den Text zum ersten Mal las, hätte ich am liebsten gejauchzt vor Mitgefühlsertapptheit…und wie klasse es geschrieben ist…

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  2. Aus der Zeit in so eine Art Trancezustand zu rutschen, das kenne ich auch. Ich weiß aber meist nicht, wohin ich da gehe.
    Fühlt man sich in solchen Situationen nicht eh immer jünger? Gibt es nicht ein gefühltes inneres Alter?
    Woher kommt das Gefühl, früher mehr/intensiver gelebt zu haben? War das wirklich so? Ich kann sagen, dass ich früher unbeschwerter war, aber reicht das?
    Viele Fragen, keine Antworten. 🤔😉
    Hab Dank für die zum Nachdenken anregende Etüde! 😁
    Nachmittagskaffeegrüße 😁⛅🌼🦋🌻☕🍪👍

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    1. Du stellst viele Fragen, liebe Christiane.

      Mein gefühltes inneres Alter war immer deutlich jünger wie mein biologisches. Jetzt hat es sich angeglichen. Trotzdem spreche ich gerne jüngere Frauen an, aber nur so. Ich mag halt Frauen. (Verstehe mich recht!).

      Ich selbst hatte viele Depressionen in meinem Leben, das brauche ich hier nicht zu verschweigen. Insofern sind solche Rück-Momente (bei mir) immer auch idealisiert.
      Die Träume sagen mir wohl einfach: Es geht auch leicht! Das Leichte liegt eigentlich nahe 🙂 JETZT.

      Und: Daß Du früher unbeschwerter warst, teilst Du vermutlich mit vielen.

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      1. Ich stelle diese Fragen hauptsächlich mir, lieber Gerhard, ich finde nicht, dass ich das Recht habe, von jemandem Antworten zu fordern. Aber ich freue mich, dass du dich angesprochen fühlst 😁

        Ich spreche auch gern “nur so” mit Menschen, es ist immer interessant, auch wenn vielleicht nicht alles positiv ist.
        Dass einem die Vergangenheit idealisiert erscheint, kann ich nachvollziehen, und ja, dass viele früher unbeschwerter waren, halte ich für normal. Ich glaube, das ist auch eine Frage des Alters. Auch, nicht nur. 🤔
        Danke dir 😁🌼🦋👍

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  3. Verschüttet das Leben (der Alltag) denn immer wieder unsere Träume? Und warum leben wir überhaupt in einer Gesellschaft, die das zulässt oder gar fördert?
    Dein Beitrag, lieber Gerhard, legt einige Finger in unsere Wunden.

    Und so wie Du es erzählst klingt es viel schöner und authentischer als die Aussage von Karl Marx “Das Sein verstimmt das Bewusstsein”.

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    1. Bzgl. dem Verschütten: Vielleicht muss man das Träumen wieder aufnehmen, bei all dem, was aussen vor sich geht. Nichts scheint in eine gute Richtung zu gehen.

      Diese Art “Träumen” hat auch nackt mit dem Älterwerden zu tun.
      Man blickt zurück und stellt fest, daß das Leben einst viel leichter schien. Zumindest in Momenten, in längeren Sequenzen auch. Es war im Hier und Jetzt und alles schien sich wie eine prächtige Blume zu entfalten.

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        1. Materiell?!
          In meinen jungen Jahren, so um die 20, galt das direkte Erleben, das innere Erleben. Man hörte den Alten zu, suchte deren Erfahrungen . Es war ein poetischeres Leben meist.
          Da gab es noch keine Verantwortung, kein Lebensziel, nur direktes, plaines Leben.
          Zumindest in meiner kleinen Gruppe.
          Unterschwellig gab es viele böse Erfahrungen (mit Pfarrer, Eltern ect), aber das Andere schien mir drüber zu liegen.

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